20 Dezember 2018

Straftat Überlebensinstinkt

Es tut so weh, es tut einfach so weh! Die TAZ berichtet über die Verurteilung von Asif N., der 2017 aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Er wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und allem was dazu gehört verurteilt, und zwar zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für mich ist das schon nicht wirklich verständlich, weil hier ein Mensch seinem Instinkt gefolgt ist. Dem Instinkt zu überleben, weil Afghanistan einfach kein sicheres Land ist und weil er zu einer Minderheit in der Region gehört, aus der er kommt, die von den Taliban verfolgt wird. Hier gehören eigentlich die Personen verurteilt, die solche Abschiebungen ermöglichen und nicht die, die ihrem Überlebensinstinkt folgen. Aber aus Unmenschlichkeit, die im System so angelegt ist, wird der Überlebensinstinkt kriminalisiert und führt am Ende zu solchen Verurteilungen.

Doch das ist ja nicht genug, denn dann lese ich die Facebook-Kommentare zu dem Artikel und da gibt es dann wirklich Leute, die eine noch härtere Bestrafung fordern. Hallo? Ich bin mir nicht sicher, wie wenig Empathie nötig ist, um nicht verstehen zu können, dass der Widerstand hier aus Angst erfolgte, der Panik davor in ein Land geschickt zu werden, indem er als Mensch verfolgt wird. Die Angst vor der ständigen Angst um das eigene Leben. Wie wenig Empathie ist nötig, um diese Zusammenhänge nicht zu erkennen, um darauf zu bestehen, dass die Strafe noch hätte viel höher ausfallen müssen. Die Frage wäre dann nur, was das bringen soll? Was soll die Strafe zeigen? Meinen diese Leute wirklich, dass das beim nächsten Mal verhindert, dass ein Mensch seinen Überlebensinstinkt folgt?

Ist es nicht eher so, dass das die Menschen in eine noch aussichtslosere Lage bringt? In eine Lage, in der die Menschen im schlimmsten Fall nur noch einen Ausweg finden, nämlich den Ausweg der Gewalt? Meist in Form von Selbsttötungen, aber eben auch in Form von Radikalisierung und dann im schlimmsten Fall in Form von Amokläufen. Dann sind wieder alle schockiert, dann wird es wieder auf die Herkunft oder die Religion geschoben, nicht aber auf die eigene fehlende Empathie, die diese aussichtslose Lage für die Menschen erst geschaffen hat.

Ich frage mich auch, wie diese Menschen wohl regieren würden, wenn es um ihr eigenes Leben ginge, ob sie den Überlebensinstinkt abschalten könnten und wenn nicht, ob sie dann auch dafür wären, dass sie für all die Straftaten, die aus dieser Notsituation heraus entstehen, mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden? Das würde mich schon interessieren, auch wenn den Menschen die Empathie fehlt, um diese Notsituation von geflüchteten Menschen überhaupt zu sehen.