14 November 2019

abc.etüden: Das Himmelsleuchten

Dieses Himmelsleuchten ist jetzt schon seit Wochen jede Nacht über der Stadt zu sehen. Keiner weiß genau, wo es herkommt, auch die Wissenschaftler können es nicht erklären. Vor ein paar Wochen, als es mir zum ersten Mal auffiel – ich war gerade dabei meinen Müll nach recycelbar und nicht recycelbar zu sortieren – war ich ziemlich fasziniert von diesem Phänomen. Inzwischen ist es zu etwas normalen geworden, etwas wunderschön Normales, was ich jeden Abend aufs Neue genieße.

Ich finde nicht, dass dieses Phänomen etwas Bedrohliches hat, andere allerdings schon, weswegen von Tag zu Tag immer weniger Geschäfte öffnen. Sie öffnen nicht mehr, weil die Inhaber oder das Personal ängstlich aus unserer Stadt ausreisen. Ob das wirklich mehr Sicherheit bringt, wenn das Phänomen wirklich bedrohlich ist? Ich weiß es nicht, aber seither wird es ruhiger in der Stadt, es ist nicht mehr so stressig, der Autoverkehr nimmt beständig ab und die Menschen, die noch da sind, werden immer gelassener und friedlicher. Abends sitzen wir inzwischen regelmäßig zusammen im Café, verbringen eine Menge Zeit miteinander, lernen uns kennen, erzählen uns unsere Geschichte und haben einfach eine Menge Spaß. Dieses himmlische Leuchten hat die Menschen, die bisher hier geblieben sind, näher zusammengebracht. Das Misstrauen ist gewichen, die Solidarität ist gewachsen und der Hass komplett verschwunden. Meine Nachbarin, die vor wenigen Monaten noch Angst vor den Menschen aus der Unterkunft für Geflüchtete hatte, geht inzwischen täglich dort hin, hilft den Menschen, lacht mit den Menschen, lebt mit den Menschen, ohne Angst, ohne Vorurteile. Auch die Türen zu unseren Wohnhäusern sind immer seltener verschlossen, die Hinterhöfe werden zu Treffpunkten, gerade auch dann, wenn das Café zu voll ist und es andere Orte zum Zusammensein braucht.

Unser Zusammenleben ist in den letzten Wochen einfach schöner geworden, so schön wie das Himmelsleuchten und es bleibt zu hoffen, dass das noch eine Weile über und in der Stadt erhalten bleibt.

Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden. Da ich das Projekt spannend finde und es auch eine gute  Schreibübung ist, werde ich dort regelmäßig teilnehmen.

3 Februar 2019

Es ist wieder Winterreifenzeit

Herbst

Es ist wieder die Zeit der Winterreifen. Draußen ist es meist Dunkel, die Sonne lässt sich maximal zum Mittag blicken, wenn sie es denn überhaupt für nötig hält, sich einmal blicken zu lassen. Ein wenig eifersüchtig bin ich ja schon auf die Menschen, die derzeit mehr Sonne haben als ich, aber das Gefühl ist natürlich nicht stark, immerhin haben wir gerade einen Super-Sommer mit sehr viel Sonne erlebt. Was mich viel mehr ärgert, ist, dass wir hier keinen Schnee haben. Überall liegt Schnee, eine schöne weiße Decke, die die grauen Landschaften in wundervoll strahlende Landschaften verwandelt. Nur hier nicht! Hier ist es nass und grau und dunkel. Schnee würde die Stimmung, die in der Winterreifenzeit meist vorherrscht, aufhellen, würde diese depressive Jahreszeit aufbrechen. Aber er kommt nicht und so stolpert das Leben durch die Straßen und sehnt sich nach frischen strahlenden Grün und den Tag erhellenden Sonnenstrahlen.


Dieser Beitrag gehört zu abc.etüden, die ich zuerst bei Miki auf dem Blog entdeckt habe. Ich finde das Projekt spannend und habe deswegen gleich einmal mitgemacht.