Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Ich bin derzeit ein wenig amüsiert. Grund hierfür sind die massiven Probleme in der Schulreinigung, die derzeit zumindest in Berlin auftreten. Toiletten, die tagelang nicht gereinigt werden. Staub, der überall herumliegt. Räume, die nicht gefegt werden. Und das Beste, Schulen, die für einen Tag geschlossen werden, damit die Lehrer die Schule selbst reinigen können.

Schule Berlin Lichtenberg

 

Wer ist schuld an den Problemen?

 

Amüsiert bin ich deswegen, weil die Stadt und die Bezirke hätten wissen können, dass günstigere Preise nur über die Anzahl der Stunden möglich sind, die den Reinigungskräften zur Reinigung der Schule zur Verfügung gestellt werden, bzw. für die die Reinigungskräfte bezahlt werden. In der Reinigungsbranche gilt nämlich ein Mindestlohn, somit sind die Stundenlohnkosten Fixkosten. Zusätzlich möchte ein Unternehmen auch noch Gewinn machen, und somit bleibt nur eine Variable, die gekürzt werden kann, und das ist die Anzahl der bezahlten Reinigungsstunden. Wenn der Senat, bzw. die Bezirke also bei der Ausschreibung sich das günstigste Angebot raussuchen, dann sollte ihnen bewusst sein, dass die Qualität der Reinigung darunter stark leidet.

Ich habe selbst schon als Reinigungskraft gearbeitet, und weiß daher, welcher Zeitdruck aufgebaut wird und dieser Zeitdruck wird nicht besser, solange niemand bereit ist, für die Reinigung einen angemessenen Preis zu zahlen. Er wird teilweise so groß, dass nur die gröbsten Verunreinigungen beseitigt werden können. Da passiert es dann auch, dass Räume mal ein-zwei Tage nicht gefegt oder gesaugt werden. Da passiert es auch, dass Tische nicht gründlich abgewischt werden und das auch Mal der Ein- oder andere Mülleimer nicht entleert wird. Wie auch, wenn gar nicht die Zeit dazu da ist?

Schuld am Problem sind also die Politiker, die meinen, dass die Reinigung immer günstiger werden muss. Wer andauernd spart, bekommt genau die Leistung, die er verdient und da ist es auch keine Lösung, wenn die Politiker strengere Kündigungsregelungen in die Verträge schreiben lassen wollen. Die Schulreinigung wird auch dann von Menschen durchgeführt, und Menschen haben, wie wir alle wissen, eine Belastungsgrenze, die auch nicht durch drohende Kündigungen außer kraft gesetzt werden kann! Vielleicht sollten die Entscheidungsträger einfach mal selbst eine Schule reinigen, vielleicht sollten sie selbst einmal sehen, dass das eine körperlich sehr anstrengende Arbeit ist und vielleicht merken sie dann auch, dass diese Arbeit nur dann zu schaffen ist, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht.

Es ist also lächerlich, wenn sich die Politiker über die Reinigungsunternehmen aufregen, denn die Politik ist dafür verantwortlich, dass die Unternehmen immer niedrigere Preise anbieten. Somit sind auch die Politiker dafür verantwortlich, wenn die Qualität der Reinigung sinkt – nicht die Reinigungsunternehmen und schon gar nicht die Reinigungskräfte.

Oder sind die Politiker der Meinung, dass die Reinigungskräfte einfach noch ein-, zwei Stunden länger – unbezahlt – arbeiten, damit die Schule perfekt gereinigt ist?

Eine Lösung könnte es sein, dass sich die Politik einfach mal Expertenwissen ins Haus holt. Jemanden, der sich mit der Reinigung auskennt und der dann Mindestkriterien aufstellt, die ein Angebot eines Reinigungsunternehmens erfüllen muss, damit es überhaupt in die engere Auswahl kommt. Ein Mindestkriterium könnten zum Beispiel die Anzahl der Reinigungsstunden sein, die für das Schulgebäude einkalkuliert werden müssen. Dann fliegen zwar wahrscheinlich die günstigsten Angebote sofort raus, aber damit wäre die Qualität der Schulreinigung gesichert. Oder die Schulen beschäftigen die Reinigungskräfte direkt, dann wären die Reinigungsunternehmen außen vor, wodurch deren Gewinnspanne wegfallen würde.

Was es aber auf keinen Fall geben wird, ist eine gute Reinigungsqualität bei Niedrigpreisen!

Es soll also wieder die Menschen treffen, die eh schon nicht wirklich etwas haben. Für die nächsten Monate gehöre ich ja auch dazu, zumindest solange, bis ich bei meinem Onkel richtig drin bin und dort mein Geld verdiene. Aber sind wir doch mal ehrlich, wieso sollte man als Hartz 4 Empfänger, oder Empfänger von sozialen Leistungen, weil das Geld welches man verdient nicht zum leben reicht, noch Verständnis für die Sparprogramme aufbringen? Verständnis verlangt doch immerhin, dass auch die Politiker mit einem guten Beispiel voraus gehen. Konkret würde das für mich heißen, dass man auf einen Gewissen Prozentsatz seiner eigenen Bezüge verzichtet. Als Politiker hat man ein gutes Gehalt, man hat mehr als ein durchschnittlicher Arbeiternehmer in Deutschland und wenn man auf einen Teil seiner Bezüge verzichtet hat man wahrscheinlich immer noch mehr. Wenn die Politiker also verlangen das alle Sparen müssen und dafür auch noch Verständnis verlangen, dann sollte man doch auch von den Politikern verlangen können, dass auch diese Sparen.

Mir braucht jetzt auch keiner mit Nullrunden kommen, welche die Politiker Jahrelang hatten. Diese Nullrunden hatten auch die Arbeitnehmer. Wer über Nullrunden bei so einem Einkommen jammert, der jammert auf hohen Niveau. Wenn schon Sparen, dann bitte alle Sparen, dann gibt es auch Verständnis und dann kann man auch seine Glaubwürdigkeit in der Politik wieder herstellen.

Und bevor man an das Geld der Armen geht, sollte man vielleicht einmal an das Geld derer gehen, die diese Krise verursacht haben. Warum traut man sich nicht eine Steuer auf alle Transaktionen auf dem Finanzmarkt einzuführen. Das schadet denen dort oben doch nicht wirklich jemanden. Warum führt man nicht soziale Ausgleichszahlungen auf Gewinne von Kapitalgesellschaften ein, welche nur durch die Entlassung von mehreren Tausend Mitarbeitern zurück zuführen sind? Ich meine jetzt nicht Entlassungen die ein Unternehmen vor dem Ruin gerettet haben, sondern Entlassungen die nur das Ziel hatten den eh schon erzielten Gewinn noch weiter zu erhöhen.

Ich hätte noch mehr Ideen, die lassen sich aber leider nicht mit der freien (unsozialen) Marktwirtschaft vereinbaren.