Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Letzte Woche war Blockupy, letzte Woche waren die Bilder von brennenden Tonnen und angezündeten Polizeiautos und letzte Woche waren die vielen Aktivisten, die immer wieder betont haben, dass diese Gewalt nichts mit dem Anliegen zu tun haben, für das viele Tausend andere Menschen friedlich auf die Straße gegangen sind. Aber ist dem wirklich so? Zeigt diese Gewalt nicht eher, dass sich in der Gesellschaft etwas ändern muss? Ist diese Gewalt nicht der Beweis dafür, dass etwas schiefläuft in der Gesellschaft? Und wenn dem so ist, können sich die Aktivisten dann davon distanzieren, obwohl sie genau wegen diesem Missstand auf der Straße sind?

Ich schrieb vor einigen Wochen einen Artikel, warum ich eigentlich nicht Links sein kann. Politische Bildung kostet Geld, auch denn, wenn ich mir aus dem Internet eine ganze Menge Material kostenlos besorgen kann. Darum geht es hier aber gar nicht, worauf ich hinaus will, ist, dass viele Aktivisten – nicht alle – ein gesichertes Einkommen haben. Viele Aktivisten und Aktivistinnen haben gar keine Ahnung, wie es ist, ständig damit rechnen zu müssen, den Job zu verlieren oder aus der Wohnung zwangsgeräumt zu werden. Sie leben einfach nicht 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr mit der Angst, von jetzt auf gleich vor den Scherben der eigenen Existenz zu stehen. Und ja, die Androhung von Sanktionen bei Hartz4 ist Gewalt. Die Androhung und Durchführung von Zwangsräumungen ist Gewalt und dieser Gewalt sind die Menschen Wochen und Monate ausgesetzt. In Deutschland vielleicht noch nicht ganz so viele, wie in anderen europäischen Ländern, aber auch dieser Aspekt ist vollkommen egal.

Wer diesem Druck nicht ausgesetzt ist, der kann natürlich viel über Gewaltverzicht nachdenken, der kann natürlich auch Bücher lesen, die erklären, warum Gewalt schlecht ist und warum Gewalt kontraproduktiv ist, wenn es um die Durchsetzung der eigenen Ideale geht. Aber die, die diesem Druck tagtäglich standhalten müssen, die sich jeden Morgen überlegen müssen, ob sie nun zwei Scheiben Brot essen oder doch lieber nur eine, die haben meistens gar nicht den Zugang zu dieser Bildung. Finanziell nicht und auch nicht zeitlich, denn diese Menschen haben ganz andere Dinge im Kopf. Und wenn bei diesen Menschen dann mal eine Sicherung durchbrennt, und sie sich an Gegenständen wie Autos oder Mülltonnen vergreifen, ist am Ende nur verständlich.

Die Verantwortung für dieses Handeln trägt die Politik. Sie kann tausend Mal wiederholen, dass Gewalt in der politischen Auseinandersetzung nichts zu tun hat, solange sie durch ihre Gesetze und durch ihr Handeln Gewalt ausübt. Gewalt an vielen Millionen Menschen, die keine Mittel haben, um sich dagegen zu wehren. Wer diesen neoliberalen Scheißdreck als alternativlos betitelt, der muss halt auch damit leben, dass denen, die durch diese neoliberale Politik ausgegrenzt werden, irgendwann die Hutschnur platzt. Und die Politik lebt es doch auch vor, dass durch Gewalt Probleme gelöst werden können. Oder was sind Kriegseinsätze, wenn sie keine Gewalt sind?

Und es gibt ja noch weitere Tendenzen, die in Europa inzwischen gut zu beobachten sind. Tendenzen, die, wenn die Politik nicht endlich gegensteuert, zu noch größerer Gewalt führen werden, als wir sie bei Blockupy gesehen haben. Ich rede von dem massiven Stimmzuwachs am rechten Parteienspektrum. Der übrigens auch in Griechenland droht, wenn Deutschland und die EU, die derzeitige linke Regierung scheitern lassen. Da sind mir jetzt ein paar brennende Mülltonnen doch lieber, als später wieder Massenvernichtungslager in Europa erleben zu müssen.

Ich weiß natürlich nicht, wer dort in Frankfurt die Mülltonnen und die Polizeiautos angezündet hat, aber wir Linken handeln falsch, wenn wir uns einfach nur von der Gewalt distanzieren. Wir müssen darauf hinweisen, warum es zu dieser Gewalt kommt. Wir müssen dorthin zeigen, wo diese Gewalt produziert wird und wir müssen, wenn wir auf Gewalt verzichten wollen, darauf hinwirken, dass der Staat eben auch auf Gewalt verzichtet.

Aber was viel wichtiger ist, und da bin ich wieder bei dem Thema politische Bildung und Kosten, wir müssen die Menschen, für die wir Politik machen wollen, mit ins Boot holen. Wir müssen Angebote der politischen Bildung schaffen, die für alle zugänglich ist, egal wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Es müssen auch Angebote sein, die auch zeitlich in Anspruch genommen werden können und sie müssen verständlich sein. Es bringt gar nichts, wenn eine „Elite“ von oben herab auf sie einredet, es muss auf Augenhöhe stattfinden. Nur wer weiß, warum sich linke Forderungen so schwer umsetzen lassen, wird sich nicht den einfachen Lösungen der rechten Seite zuwenden. Dazu muss aber auch wieder die Solidarität in der Gesellschaft verankert werden.

In Berlin steht ein Barbiehaus,
doch Barbiehäuser müssen raus,
damit in dieser schönen Stadt,
der Kaufrausch keine Chancen hat.

Skandal, Skandal um Barbie….

Fiel mir gerade so ein, weil in Berlin tatsächlich ein Barbiehaus steht und weil einige Frauen der Meinung sind, dass sie gegen die Eröffnung von eben diesem Barbiehaus protestieren müssen. Es geht natürlich nicht um den Kaufrausch, sondern um die Rollenbilder, die dieses Traumhaus vermitteln soll, jedenfalls in den Augen der AktivistInnen.

Ich habe nichts gegen Protest, ich habe auch nichts gegen eine Meinungsäußerung, aber was die AktivistInnen erreichen wollen, ist doch viel mehr. Sie wollen, dass das Traumhaus nicht eröffnet wird, damit auch die Menschen nicht dort hingehen, die das durchaus interessiert. Sie wollen also anderen Menschen ihre Meinungen aufzwingen, weil sie der Meinung sind, dass ihre Meinung die einzig richtige Meinung ist. Das ist in meinen Augen falsch und das wird nicht zur Veränderung der Geschlechterrollen beitragen. Vielmehr würden sie, wenn das Traumhaus von Barbie tatsächlich nicht eröffnet wird, den Wut vieler Kinder und Eltern auf sich ziehen, die sich eben auf dieses Event gefreut haben.

Nun habe ich oben gesagt, dass ich nichts gegen Protest habe, allerdings hätte ich diesen anders organisiert. Ich hätte vor dem Barbiehaus einen Stand aufgebaut, der über die falschen Rollenbilder informiert. Der die Menschen darüber aufklärt, warum dieses Barbiehaus ein falsches Signal ist. Ich hätte Flyer an die Besucher verteilt, welche die wichtigsten Argumente beinhalten, die den Besuchern aber kein schlechtes Gewissen machen, sondern sie zum Nachdenken einladen. Denn nur, wer nachdenkt, wird irgendwann seine Positionen auch überdenken, und nur wenn die BesucherInnen ihre Positionen überdenken, wird es dazu kommen, dass es solche Traumhäuser in dieser Form nicht mehr gibt.

Der Zwang, den die AktivistInnen hier aber indirekt anwenden wollen, wird nicht dazu beitragen. Er wird nur die gegnerische Position stärken und genau das ist ein Fehler, wenn man Geschlechterrollen wirklich ändern möchte.

Hier in Berlin wurde gestern der Nah- und Fernverkehr teilweise stillgelegt. Ich selbst war auch betroffen, denn als ich um kurz vor sechs Uhr auf dem Bahnsteig stand, um zu meiner Arbeit zu fahren, fuhr die S-Bahn schon nicht mehr. Ich durfte dann zur Arbeit laufen, was aber kein Problem war, denn das mache ich sonst auch, nur gestern war ich eben ein wenig später losgegangen. Schuld an den Ausfall war diesmal nicht die Bahn, sondern ein paar Atomkraftgegner, die sich dachten, ein paar Kabel in Brand zu stecken. Was diese Aktion allerdings bringen sollte, das hat sich mir noch nicht ergeben, denn wen setzen diese Atomkraftgegner mit so einer Aktion denn unter Druck? Die Regierung bestimmt nicht, denn die fährt Auto. Nein, geschadet hat man mit dieser Aktion wieder die Berliner, die zur Arbeit fahren mussten und auf die S-Bahn angewiesen waren. Auch die Energiekonzerne setzt man mit solch einer Aktion nicht unter Druck, die interessiert das nämlich nicht. Die Aktion war also sinnlos, es war die pure Lust etwas zu zerstören, man wollte etwas kaputt machen. Eine politische Aktion war es jedenfalls nicht, nicht in meinen Augen.

Es spricht ja nichts dagegen, gegen Atomkraft zu sein. Das sind inzwischen sehr viele Deutsche. Aber wenn man gegen Atomkraft ist und Aktionen plant, um diese Meinung zum Ausdruck zu bringen, dann sollten diese Aktionen auch einen Sinn ergeben. Es hätte eine friedliche Aktion sein müssen, welche die Energiekonzerne direkt getroffen hätte, hat diese Aktion aber nicht. Wenn ich ein Telefonkabel zerstöre, um gegen Fluglärm zu demonstrieren, dann bringt diese Aktion nicht wirklich viel, genauso ist es auch in diesem Fall. Hinzu kommt, dass der Atomausstieg schon so gut wie beschlossen ist, es ist ja nur noch eine Frage der zeitlichen Abläufe. Noch ein Grund, warum diese Aktion sinnlos war, und warum sie für mich auch heute noch keinen Sinn ergibt. Ich kann immer noch nicht erkennen, was die Täter mit dieser Aktion zum Ausdruck bringen wollten, ich sehe die Aussage noch nicht. Ich muss aber auch ehrlich sein, ich habe das „Bekennerschreiben“ bisher nicht gelesen.

Ist aber auch nicht nötig, denn ich bin gegen Gewalt und sinnlose Zerstörung um eine Meinung zu vermitteln. Politischer Protest hat friedlich zu verlaufen, es sei denn, es ist ein Regime wie im Dritten Reich an der Macht, dann ist Gewalt ein Mittel, um schlimmere Folgen vom Volk abzuwenden. Aber solange wir in einer Demokratie leben und wir durch politische Arbeit und friedliche Proteste unsere Meinung vertreten können, ist für mich die Zerstörung von fremden Eigentum nicht angemessen. Hinzu kommt die Gefahr für andere Menschen, die so ein Feuer bedeutet. Was hätten die Täter denn getan, wenn durch diese Aktion ein Mensch getötet wurden wäre? Hätten sie das mit dem Kampf gegen die Atomkraft erklären können? Wahrscheinlich nicht!

Was haltet ihr von solchen Aktionen? Was ist für angemessen und was ist unangemessen?