Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

„Menschliche Inkompatibilität“, das ist das aktuelle Thema vom Blogideekasten. Als ich das Thema gestern sah, dachte ich schon, ich würde dazu wieder nichts schreiben können, da ich überhaupt nicht wusste, was das überhaupt sein soll. Doch wie es der Zufall so will, stolperte ich heute über einen Artikel, bei dem mir das Thema sofort wieder ins Gedächtnis kam.

Unsere Gesellschaftsform ist menschlich inkompatibel

 

Im Artikel ging es um die Verdrängung von Menschen. Um genauer zu sein, es ging um die Verdrängung von Obdachlosen aus dem öffentlichen Raum. Da werden an öffentlichen Orten Spikes in den Boden gelassen, damit sich die Obdachlosen dort ja nicht hinsetzen oder hinlegen. Erinnert an diese Stachelmatten auf Bahnhöfen, die Tauben davon abhalten sollen, sich dort niederzulassen. Oder nehmen wir die Entlüftungsgitter. Im Winter ein Ort, an dem sich Obdachlose zumindest ein wenig aufwärmen können. Aber auch dieser Ort wird so umgebaut, damit Obdachlose die Wärme auch gar nicht nutzen können, obwohl es viel zu wenige offizielle Orte gibt, an denen sich Obdachlose im Winter aufwärmen können.

Die Gesellschaft möchte die Obdachlosen nicht sehen. Ja, ich verallgemeinere hier etwas, in dem Bewusstsein, dass es Teile in der Gesellschaft gibt, die den Obdachlosen durchaus helfen wollen. Aber der Großteil möchte nicht, dass sich Obdachlose in Bahnhöfen aufhalten. Sie wollen diese nicht im öffentlichen Straßenbild sehen, wollen sich nicht mit den Problemen beschäftigen, die es in dieser Gesellschaft gibt. Ich glaube sogar, dass vielen die Obdachlosen auch nur peinlich sind, weil sie zeigen, dass es auch in einem reichen Land wie Deutschland extreme Armut gibt.

Aber eine Gesellschaft, die Menschen, die schon alles verloren haben, noch weiter verdrängt, ist keine Gesellschaft, die menschlich kompatibel ist. Eine Gesellschaft, die die Augen vor Armut und Leid verschließt und lieber auf andere Länder verweist, in denen es den Menschen noch schlechter geht, hat keinen Funken Menschlichkeit. Auch dann nicht, wenn sie so tut, in anderen Ländern zu helfen, obwohl sie dort eigentlich nur das eigene System verteidigen möchte.

Es ist keine Lösung, wenn ich irgendwo Spikes in den Boden einlasse, ebenso ist es keine, wenn ich Orte so verändere, dass dort der Aufenthalt für Obdachlose unmöglich wird. Es ist eine reine Verdrängung, eine Verdrängung, weil es beschämend wäre, die Armut, die in einem Land wie Deutschland eigentlich nicht nötig wäre, auch noch öffentlich zu zeigen. Eine Lösung wäre es, den Menschen zu helfen, ihnen zumindest Orte zu schaffen, an denen sie vor Kälte, Wind und Regen geschützt sind, obwohl das eigentlich noch viel zu wenig ist. Nicht das Verdrängen ist die Lösung, sondern das Helfen. Wenn Entlüftungsgitter wärme spenden, warum dann nicht auch eine kleine Hütte bauen, damit die Obdachlosen dort auch vor Niederschlägen geschützt sind? Das wäre Menschlichkeit, das wäre eine Gesellschaft, die menschlich kompatibel wäre.

„Helden und Vorbilder“, so heißt das aktuelle Thema vom Blogideekasten. Ich habe zu Vorbildern und Helden ja schon zwei Artikel geschrieben und ich glaube, da gibt es nicht mehr viel zu ergänzen. Aber das soll nicht das Ende des Artikels sein, wäre ja auch langweilig. Ich schreibe jetzt einfach mal, was mir sonst noch so zum Thema einfällt. Lassen wir uns also überraschen, wo dieser Artikel hinführt ;).

Blume

Helden, dass müssen ja nicht immer die Menschen sein, zu denen man aufblickt. Es können auch die Menschen sein, die gar nicht auffallen, die aber dennoch Helden sind, weil sie noch nicht verzweifelt sind, weil sie ihr Leben immer noch Leben und es auch noch genießen. Obdachlose zum Beispiel, die, die sich noch nicht aufgegeben haben. Die, die aus ihrem Leben noch immer das Beste rausholen, obwohl sie schon viele Rückschläge hinnehmen mussten, obwohl sie vom Leben schon stark gezeichnet sind, die aber dennoch nicht aufgeben, die immer noch ein Licht sehen und weitermachen.

Sind wir doch ehrlich, wir beachten Obdachlose viel zu selten. Wir nehmen sie zwar war, gehen ihnen aber aus dem Weg, weil es uns unangenehm ist zu sehen, dass es soviel Armut in der Gesellschaft gibt. Und doch schaffen es die Obdachlosen zu überleben, obwohl sie ausgegrenzt sind und sich kaum jemand die Zeit nimmt, ihnen zuzuhören. Klar gibt es mal immer wieder Alibiveranstaltungen, mit denen Anteilnahme vorgespielt wird, bei denen dann noch ein wirksames Pressefoto herausspringt, aber wirklich Anteilnahme ist selten.

Und da wären wir bei den nächsten Helden. Bei den Menschen, die sich um die Schwächsten der Gesellschaft kümmern, die sich wirklich die Zeit für diese Menschen nehmen, die zuhören können und die das nicht nur machen, damit sie irgendwo in der Presse auftauchen. Diese Menschen könnten übrigens gute Vorbilder sein, aber das sind halt nicht die Idole, die wir uns gerne an die Wand hängen. Es sind die Vorbilder, die wir nicht wirklich wahrnehmen, obwohl sie wichtig wären, um die Gesellschaft generell etwas besser zu machen.

Dann gibt es da noch die Menschen, die durch ihre Krankheit oder Behinderung zu Helden werden. Auch diese Menschen müssen schwere Prüfungen überstehen, die ihnen das Leben stellt und dennoch genießen sie die Zeit, die sie auf dieser Erde haben. Sie kämpfen für die schönen Augenblicke im Leben, auch wenn dieser Kampf am ende nicht gewonnen werden kann. Wer könnte da schon ein größerer Held sein?

Oder die Menschen, die sich um die Pflege von kranken, behinderten oder älteren Menschen kümmern. Ich bin da ehrlich, ich könnte das nicht, ich bin da viel zu nah am Wasser gebaut und würde wohl jeden Abend heulen, weil ich die Schicksale zu nah an mich ranlassen würde. Auch diese Menschen sind Helden, obwohl sie von der Gesellschaft nicht wirklich so behandelt werden.

Ich könnte sicher noch viel mehr aufzählen, aber ich möchte den Artikel nicht zu lang werden lassen.

Kalt ist es draußen und dunkel. Der Regen fällt unbeeindruckt vom Himmel und die Autos fahren unbeirrt durch die Stadt. Es ist 18 Uhr, vor einem Lidl am Berliner Ostkreuz sammelt sich langsam eine kleine Gruppe von Menschen, nicht zufällig, nein diese Menschen haben an diesem Abend ein gemeinsames Ziel. Einige haben schwere Tüten bei sich, andere wollen einfach nur mithelfen und wieder andere gehen noch einmal in die Kaufhalle, um noch die letzten Zutaten für das Essen zu kaufen, welches sie gleich gemeinsam kochen werden.

Danach zieht die Gruppe weiter, in einen kleinen Unterschlupf, wo sie gemeinsam kochen können. Einige schnappen sich die Zwiebeln, andere die Karotten, um diese vorzubereiten. Gemeinsam macht kochen viel mehr Spaß und in der Gesellschaft vergeht auch die Zeit schneller, bis das Essen fertig ist. In der Zwischenzeit werden noch interessante Gespräche geführt, dann wird das Essen probiert, bevor es an die Obdachlosen in Berlin verteilt wird.

All dies geschieht jeden Mittwoch in Berlin. Organisiert wird das Ganze über Facebook, wobei die Kältenothilfe Berlin schon einen festen Kern hat. Aber natürlich sind auch neue Mitglieder immer willkommen – warme Klamotten und Zutaten für das Essen natürlich auch.

Nachdem das Essen gekocht ist, ziehen die Leute los. Im Gepäck haben sie das frisch gekochte Essen, warmen Tee, ein paar Brötchen und Kuchen, die ebenfalls gespendet wurden, und natürlich auch warme Klamotten und Decken, wenn welche gespendet wurden. Gemeinsam setzt sich die Gruppe der Kältenothilfe Berlin dann in die S-Bahn, mit welcher sie dann zum Beispiel zum Ostbahnhof fahren. Hier beginnt dann die Tour, obwohl es regnet und obwohl es verdammt kalt ist. Unterwegs verteilen sie das Essen dann an die Obdachlosen, die sie treffen. Ab und zu wird auch ein Gespräch geführt, denn ausgegrenzt werden Obdachlose schon von anderen.

Jeden Mittwoch bringen die Jungs und Mädels von der Kältenothilfe Wärme zu den Obdachlosen. Sie kümmern sich um diese Menschen, geben ihnen Zeit und Essen. Sie zeigen, dass auch im Kapitalismus sich Menschen noch um andere Menschen kümmern können – dass der Egoismus noch nicht gesiegt hat.