April 21 2014

Meine Oma…

Meine Oma ist 89. Ich schreibe das, weil 89 ein Alter ist, ab dem man jederzeit damit rechnen muss, dass es vorbei ist. Meine Oma weiß das, sie redet öfter davon, aber ich komme damit überhaupt nicht klar. Vorgestern lag ich die halbe Nacht wach, weil ich einfach darüber nachdenken musste. Irgendwann ist es vorbei, irgendwann geht jeder Mensch, aber fast jeder Mensch, der geht, hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann.

Seit ich bin, ist meine Oma!

 

Meine Oma war schon vor mir auf dieser Welt. Ist ja auch klar, denn wenn meine Oma nicht vor mir hier gewesen wäre, könnte meine Mutter nicht leben und somit könnte sie nicht meine Oma sein. Aber das bedeutet natürlich auch, dass meine Oma mich schon mein ganzes Leben begleitet und das ich mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen kann. Wer kann das schon? Deswegen will ich mir auch gar nicht vorstellen, dass meine Oma irgendwann stirbt. Ich will, dass sie noch lange lebt, dass sie 100 wird, vielleicht auch noch viel älter – aber will meine Oma das überhaupt?

Leider fällt einem meist viel zu spät auf, dass die Zeit eines Menschen begrenzt ist. Wenn der Mensch dann nicht mehr da ist, dann wird einem plötzlich klar, dass die Zeit, die wir mit diesem Menschen verbracht haben, eigentlich viel zu wenig war. Dass wir uns mehr Zeit hätten nehmen müssen. Ein Besuch alle halbe Jahre ist einfach zu wenig, aber das begreifen wir erst, wenn es viel zu spät ist.

Vorher leben wir meist unser Leben, wir wissen, da ist ein Mensch, den wir lieben, und der ist da – ganz selbstverständlich. Dann kann schon mal eine Menge Zeit ins Land gehen, bevor man diesen Menschen wieder besucht und irgendwann könnte es dann sein, dass wir vor einer leeren Wohnung stehen, vor einer Klingel, an der auf einmal ein anderer Name steht und dann sehen wir, der Mensch ist nicht mehr da und er wird auch nicht wieder kommen. Wir stehen vor der Tür und denken uns, dass wir viel zu wenig Zeit mit diesem Menschen verbracht haben, dass wir uns nicht einmal verabschieden konnten und das wir viel zu wenig am Leben dieses Menschen haben teilnehmen dürfen. Und schuld sind wir natürlich selbst, weil wir uns nur mit unserem Leben beschäftigt haben, weil wir diesen Menschen als selbstverständlich angesehen haben und weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, die uns dieser Mensch eigentlich hätte wert sein müssen.

Meine Oma ist 89. Sie hat viele Enkel und Urenkel. Genügend eigentlich, damit bei ihr täglich jemand zu Besuch sein könnte. Die Realität sieht leider anders aus! Viele Tage ist sie allein zu Haus, was natürlich Einsamkeit bedeutet, denn meine Oma lebt alleine. Ein Heim kommt für sie nicht infrage, was ich verstehen kann, denn wir alle wissen, was in deutschen Heimen so abgeht. Deswegen denkt sie natürlich auch darüber nach, dass es Zeit ist zu gehen, was nicht stimmt, denn es ist nie Zeit zu gehen, es gibt immer etwas, was man noch machen könnte. Den Urenkeln Geschichten erzählen, wäre so etwas oder ihnen beim Erwachsen werden zusehen. Aber das geht nur, wenn die Urenkel auch mal zu Besuch kommen, was sie viel zu selten machen! Und dann bleibt natürlich nur die Einsamkeit und damit dann auch das Nachdenken darüber, wie lange man diese Einsamkeit noch ertragen muss.

Ich bin natürlich auch ein Enkel meiner Oma. Auch ich bin viel zu selten bei ihr, wobei selten nicht bedeutet, dass ich nur einmal im Jahr zu ihr gehe, aber es ist dennoch selten – auch im Hinblick darauf, dass meine Oma schon 89 ist und ich nicht mehr all zu viel Zeit habe, die ich mit ihr verbringen kann. Dennoch verbringe ich mehr Zeit bei meiner Oma, als viele andere ihrer EnkelInnen. Das mag von diesen nicht böse gemeint sein, weil sie ihr eigenes Leben haben, weil sie arbeiten, weil sie einfach selbst zu wenig Freizeit haben. Aber ich bin mir sicher, wenn unsere Oma nicht mehr da ist, werden sie es bereuen, so wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben. Vielleicht werden sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie genau wissen, dass sie sich viel zu wenig Zeit genommen haben, vielleicht aber auch nicht, weil ihre Oma keine ganz so große Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Wobei ich das Letztere nicht glauben kann.

Meine Oma hilft, wo sie nur kann!

 

Worüber ich mich regelmäßig ärgere, ist, dass meine Oma so wenig Besuch bekommt. Meist nur dann, wenn jemand Hilfe braucht. Dann erinnert man sich gerne an sie, aber wenn es darum geht, ihr einfach ein wenig Zeit zu schenken, dann wird das schwer mit dem Besuchen. Dann ist plötzlich keine Zeit da! Das macht mich traurig, denn ich bin mir sicher, dass die Zeit vorhanden wäre, wenn man sie sich ernsthaft nehmen wollte.

Ich verstehe natürlich, dass es schwer wird, wenn man nicht in derselben Stadt lebt. Dann ist es tatsächlich nicht möglich, dass man jedes Wochenende zu besuch kommt. Wenn man allerdings gemeinsam in einer Stadt lebt, dann sollte es schon möglich sein, dass man einen Menschen, der zur Familie gehört und den man liebt, mindestens einmal alle 14 Tage besucht. So teuer sind die Fahrpreise dann auch nicht, genau so wenig sind die Fahrzeiten ein Problem. 6-7 Stunden kann sich jeder alle 14 Tage einmal nehmen, selbst wenn man sehr viel Stress im Arbeitsleben hat. Das würde die Einsamkeit meiner Oma vertreiben und neue Lebensfreude bringen.

Meine Oma, das Tor in eine andere Zeit.

 

Meine Oma ist natürlich auch ein Tor in eine andere, längst vergangene, Zeit. Sie kann mir Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich nicht miterlebt habe. Sie kann mir natürlich auch Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich miterlebt habe, an die ich mich aber nicht mehr wirklich erinnern kann, weil ich noch viel zu Jung war. Wer soll mir diese Geschichten erzählen, wenn meine Oma plötzlich nicht mehr da ist?

Wenn meine Oma irgendwann nicht mehr ist, dann geht nicht nur der Mensch. Nein, dann gehen auch all die Geschichten, die sie in ihrem Leben erlebt hat und die sie gerne erzählt hat. Nur wenig wird davon in der Erinnerung bleiben und es wird sich ein Tor in die Vergangenheit verschließen, welches ich nicht mehr öffnen kann. Sicher kann mir dann noch mein Onkel Geschichten erzählen und meine Mutter natürlich auch, aber es werden nicht die Geschichten sein, die mir meine Oma erzählt.

Meine Oma – Eure Oma

 

Meine Oma lebt noch, sie ist 89 und wird hoffentlich noch viele Geburtstage feiern dürfen. Wie sieht es mit eurer Oma aus? Lebt sie noch? Wenn ja, verbringt ihr genügend Zeit mit ihr? Vielleicht ist es mal wieder Zeit für ein Telefonat mit ihr? Vielleicht auch für einen spontanen Besuch?

Meine Oma ist garantiert nicht nur meine Oma! Es gibt viele Omas da draußen, denen von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln viel zu wenig Zeit geschenkt wird. Zeit, die nicht vergeudet ist, die beiden Seiten Freude bringt und die eine Bereicherung für beide Seiten ist.

August 31 2013

„Jeder ist für sein eigenes Leben selbst verantwortlich…“

„…benutze ich gerne die Worte, dass jeder für sein eigenes Leben selbst verantwortlich ist. Viel zu oft suchen wir doch die Schuld bei anderen(,) um von unserem eigenen Versagen abzulenken.“

Zitat: Mel`s Blog

Ich bin gerade über diesen Satz gestolpert und platze eigentlich schon wieder vor Wut. Das könnte ich Mel jetzt auch in einem Kommentar schreiben, aber das passt dort nicht, weil das Thema doch ein anderes ist und deswegen mache ich einen Blogartikel daraus.

Ihr fragt euch jetzt sicher, warum ich mich über diesen Satz so aufrege? Nun, der Grund ist einfach – er stimmt nicht! Wir glauben, dass wir für unser Leben selbst verantwortlich sind, und in einem gewissen Rahmen stimmt das auch, aber es hört spätestens da auf, wo wir auf den guten Willen einer anderen Person angewiesen sind. Dann sind nicht mehr wir für unser Leben verantwortlich, sondern die andere Person übernimmt die Verantwortung für unser Leben.

Nehmen wir unser Berufsleben. Egal ob wir selbstständig sind oder in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen, wir sind in beiden Fällen von dem guten Willen anderer Menschen abhängig. Ein Selbstständiger kann nur dann Leben, wenn er Kunden hat und wenn diese Kunden auch noch die Rechnungen zahlen. Machen die Kunden das nicht, wird es schwierig mit dem guten Leben und ist es mein Versagen, wenn andere ihre Rechnung nicht zahlen? Wohl kaum!

Einen Arbeitnehmer trifft es noch viel schlimmer. Er kann nicht selbst darüber entscheiden, welchen Wert seine Arbeit hat, sondern der Arbeitgeber entscheidet darüber. Genauso wie der Arbeitgeber darüber entscheidet, wielange der Arbeitnehmer seine Arbeit hat. Natürlich könnte jetzt argumentiert werden, dass der Arbeitnehmer ja einfach seinen Arbeitsplatz wechseln kann, aber ist das wirklich so einfach? Nein, ist es nicht!

Wir Menschen begeben uns, seit wir unsere Arbeit teilen und nicht mehr Jeder alles macht, immer wieder in Abhängigkeiten. Wir können uns nicht einfach irgendwo ein Haus bauen. Wir können nicht einfach irgendwo ein Windrad hinstellen, um unsere eigene Energie zu produzieren. Wir können nicht einfach irgendwo Nahrung pflanzen, damit wir uns ernähren können. Wir begeben uns in all diesen Fällen in Abhängigkeiten, die dafür sorgen, dass wir auf den guten Willen anderer Menschen angewiesen sind. Ein Bauer könnte nämlich durchaus sagen, dass er uns die Nahrung, die wir benötigen, nicht verkauft, weil ihm unser Gesicht nicht gefällt. Ein Stromerzeuger kann sagen, dass er nur noch in bestimmten Wohngegenden Strom liefert, weil dort keine Zahlungsausfälle zu erwarten sind. Sicher könnte was dagegen getan werden, aber selbst dafür wird der gute Wille von anderen Personen gebraucht, denn alleine kann niemand etwas ausrichten. Druck entsteht nur, wenn viele etwas dagegen unternehmen.

Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und in dieser ist der Spruch, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist, einfach nur falsch. Es bestehen so viele Abhängigkeiten in unseren Leben, dass schon eine Veränderung, bei diesen Abhängigkeiten, dazu führen kann, dass unser Leben in einem Chaos versinkt – und für diese Veränderung muss man nicht einmal selbst verantwortlich sein.

Sicher gibt es Menschen, die für ihr eigenes Versagen die Schuld bei anderen suchen, aber das ist etwas, was von Einzelfall zu Einzelfall geprüft werden sollte. Pauschal zu sagen, dass jeder selbst verantwortlich ist, und somit versagt hat, wenn im Leben etwas nicht so läuft, wie es soll, geht aber überhaupt nicht. Und genau das ist der Grund, warum ich bei diesem Satz immer platzen könnte.

März 1 2013

Wenn es Herbst wird

Herbst

Herbst

Wenn es Herbst wird.

Wenn es Herbst wird,
die ersten Haare grau sind,
und andere bereits ausgefallen.

Wenn es Herbst wird,
liegt noch der Winter vor uns.
Gemütliche Abende am Kamin,
zusammen mit Allen, die man liebt.
In Erinnerungen schwelgend,
bis man sanft einschläft,
und im Frühling wieder erwacht.

Wenn es Herbst wird,
liegen hinter uns schon viele Erinnerungen.
Der Frühling ist schon lange vorbei,
und der Sommer beschert uns noch ein paar schöne Tage.
Bäume bringen ihre Früchte hervor,
Blumen blühen in ihren schönsten Farben,
und einige verblühen bereits.

Wenn es Herbst wird,
wird das Laub der Bäume bunt.
Tiere bereiten sich auf den Winter vor,
Laub fällt von den Bäumen,
Trauben werden reif,
das Alte bereitet das neue vor.

Wenn es Herbst wird,
gibt es noch viel,
was es zu genießen gibt.

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