Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei …”, so sang ich damals unter der Wäscheleine im Hof meines Opas. Auch meine Oma war damals noch dabei, ich war jung, ich liebte das Lied und auf dem Dorf, im Hof meines Opas, fühlte ich mich verdammt wohl. Da war der Garten, der immer genügend Karotten für mich hatte. Natürlich noch im Boden, aber wenn sie zu klein waren, wurden sie halt von mir wieder in den Boden gesteckt. Meistens waren sie aber nicht zu klein.
Da waren die Erdbeeren, die immer sehr viel besser geschmeckt haben, als die Erdbeeren, die es sonst gab. Außerdem ist frisch von der Pflanze eh immer besser. Der viel zu saure Rhabarber, die Stachelbeeren und all die anderen Dinge, die den Garten so interessant gemacht haben.

Dann waren da auch die Hasen und die Hühner. Ich liebte die Hasen und die Hühner. Ich liebte es, die Eier einzusammeln, ich liebte es, die Hühner zu füttern. Ich liebte das Dorfleben.

Alles hat ein Ende. Auch ein Leben. Das Leben von meinem Opa dauerte 94 Jahre. Es begann zwischen den beiden großen Kriegen, durchdauerte die DDR und ging auch in der BRD noch ein paar Jahrzehnte weiter. 11 Tage nach seinem 94 Geburtstag endete es dann.

Rückblickend habe ich viel zu wenig Zeit mit meinem Opa verbracht. Klar, als Kind war ich oft bei ihm, einmal sogar an Silvester, aber umso älter ich wurde, umso weniger Kontakt gab es. Das letzte Mal habe ich ihn im Oktober 2015 gesehen, davor lange 10 Jahre gar nicht und danach leider auch nicht mehr. Die Zeit rennt und sie lässt dabei Jahre manchmal wie Wochen vergehen. Oder sie stellt das Leben auf den Kopf, wie meines letztes Jahr im Oktober auf den Kopf gestellt wurde, macht andere Dinge für den Moment wichtiger.

Aber mein Opa war nicht einsam, er hatte auch in Mecklenburg, in seinem Dorf und in der Umgebung, viel Familie. Familie die ihn durchs Leben begleitete, auch wenn wie “Berliner” sooft nicht dabei waren und neben der Familie natürlich auch viele Freunde. Er hatte ein schönes Leben und bis zum Ende auch ein weitgehend selbstbestimmtes.

Es ist November geworden. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit schon wieder hin ist. Der Oktober ging schneller, als er gekommen ist, er verflog, konnte aber nicht die Trauer mitnehmen, die er mitgebracht hat. Er hat sie hier gelassen und ist selbst so schnell wie möglich wieder gegangen. Er weiß schon warum!

Es ist November geworden. Die Blätter fallen schon seit einigen Wochen von den Bäumen. Das Grün verschwindet langsam, hinterlässt eine unwirkliche Welt. Grau ist die Welt noch nicht, dass verhindern die bunten Blätter gekonnt, die derzeit auf den Wegen und Wiesen liegen. Sie können aber nicht hinweg täuschen über die Kälte, die der Oktober mitgebracht hat, sie können den Verlust nicht überdecken und sie wissen, dass dieser Verlust, den sie nicht verdecken können, ein Verlust für immer ist.

Die Blätter selbst sind der Beginn für etwas Neues. Sie werden dem Baum, von dem sie gefallen sind, Nahrung liefern, damit dieser im nächsten Jahr wieder neue Blätter bekommt. Sie wissen, dass das kein Abschied für immer ist. Es ist nur ein Neubeginn. Kann auch mein Verlust ein Neubeginn sein? Kann er etwas verändern, hat er etwas positives? Oder wird es ein Verlust werden, der noch viel mehr Zerstörungskraft hat, der nichts Neues hervorbringt, der nur noch mehr Verlust mit sich bringt, noch mehr Narben?

Derzeit ist er ein Sturm, er bringt so viel Bewegung und mit der Bewegung auch soviel Reibung. Die Bewegungen, die der Sturm bringt, sind mir zu schnell, sie lassen mich an Grenzen stoßen. Dann doch lieber aussteigen, kurz innehalten, sich nicht vom Sturm mitnehmen lassen. Ruhe, sich besinnen, sich ordnen. Es ist derzeit nichts so, wie es vorher war, es kann gar nicht so sein und ich will auch gar nicht so tun, als ob es so sein könnte. Ich kann aber auch nicht so tun, als ob jetzt alles anders ist, es nicht mehr so ist, wie es vorher war, mich dem Sturm ergeben und so tun, als ob jetzt alles besser ist. Ist es nicht, kann es nicht sein.

Der Oktober mag vorbei sein, seine Erinnerungen lässt er aber hier, genauso den Verlust, den er mitgebracht hat. Der November kann nichts dafür, vielleicht bringt er aber Besinnung mit. Besinnung, die dabei hilft, alles neu zu Ordnen, alles wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn der Sturm weg ist. Erst wenn er weg ist, kann ich wieder einsteigen in das Spiel, erst dann habe ich die Kraft, eine neue Ordnung zu finden. Derzeit sitze ich eher auf einem Stein und beobachte den Sturm, schaue, was er durcheinander bringt, ohne die Kraft zu haben, ihn daran zu hindern.

Vorsätze sind ja erst einmal nichts Schlimmes. Im Gegenteil, ich gehe sogar davon aus, dass jeder Mensch irgendwelche Vorsätze hat. Was ich aber nicht mag, sind Vorsätze, die erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden. Deswegen habe ich auch keine Vorsätze für das neue Jahr, denn Vorsätze, die nicht sofort umgesetzt werden, kommen nicht vom Herzen.

Wer meinen Jahresrück-, und Vorblick gelesen hat, der weiß, dass ich Ziele fürs neue Jahr habe, aber der Unterschied ist, dass ich durch diese Ziele nichts in meinem Leben ändern möchte, sondern ich möchte in bestimmten Bereichen besser werden. Natürlich würde ich mich ärgern, wenn ich die Ziele nicht erreiche, aber es wäre nicht weiter schlimm.

Vorsätze hingegen verändern etwas im Leben, und deswegen sollten sie immer sofort angegangen werden, denn nur dann sind sie wirklich ernst gemeint. Wenn ich Vorsätze gleich wieder aufschiebe, dann ist das nur ein Anzeichen dafür, dass ich noch nicht bereit dazu bin, etwas in meinem Leben zu ändern – warum sollte das dann zu einem späteren Zeitpunkt der Fall sein?

Ende 2012 nahm ich mir zum Beispiel vor auf Plastiktüten zu verzichten. Ich hatte davon eine viel zu große Sammlung hier zu Hause und für die Umwelt waren und sind diese Plastiktüten ja auch nicht gut. Deswegen kaufte ich mir am nächsten Tag gleich einen Stoffbeutel, den ich seither immer bei mir habe. Selbst wenn ich mir einen Döner kaufe oder den Bäcker nerve, habe ich einen Stoffbeutel dabei, denn wenn ich einen Vorsatz habe, dann möchte ich den auch richtig umsetzen. Natürlich vergesse ich ab und zu auch mal den Beutel, aber auch dann verzichte ich auf Plastiktüten und greife lieber auf eine Papiertüte zurück. Natürlich könnte ich auch einen neuen Stoffbeutel kaufen, aber dann würde ich davon eine Sammlung aufbauen und das ist auch nicht das, was ich möchte, denn dadurch würde ich auch Rohstoffe verschwenden, was nicht unbedingt mein Ziel ist.

Doch warum schreibe ich schon wieder über Vorsätze? Nun, es gibt da eine Blogparade vom WWF, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Der WWF stellt auf seinem Blog folgende Fragen:

  • Wie habt ihr es geschafft, schlechte Gewohnheiten in bessere umzuwandeln?
  • Was sind eure wunden Punkte?
  • Woran seid ihr in der Vergangenheit gescheitert?
  • Was wollt ihr unbedingt noch ausprobieren, was einfach machen – oder lassen?
  • Haben schlechte Gewohnheiten unbedingt etwas mit Vorsätzen zu tun?

 

Bei der Blogparade geht es um bessere Vorsätze, von daher stellt sich erst einmal die Frage, ob schlechte Gewohnheiten unbedingt etwas mit den Vorsätzen zu tun haben. Wer definiert, was eine schlechte Gewohnheit ist? Ist eine Angewohnheit, die ich durch einen Vorsatz verändern möchte, immer gleich schlecht?

Im Fall der Plastiktüten ist das ziemlich einfach, denn die Plastiktüten gingen nicht nur ins Geld, sie verschmutzten auch die Umwelt. Allerdings fiel es mir nicht wirklich schwer, diese Gewohnheit abzulegen, denn dadurch, dass ich seither einen Stoffbeutel bei mir habe, hat sich an meiner Lebensqualität nichts geändert. Ich kann immer noch spontan in die Kaufhalle gehen und etwas kaufen und nebenher spare ich sogar Geld, denn die Plastiktüten kosteten pro Einkauf ja auch 10 Cent oder mehr.

Das ist übrigens auch schon der erste Trick, um solche Gewohnheiten abzulegen. Es ist wichtig zu sehen, dass sich dadurch an der Lebensqualität nichts ändert, dass sie sich eventuell sogar verbessert. Dazu müssen wir aber bereit sein, etwas in unserem Leben zu verändern und wenn das der Fall ist, dann spricht auch nichts dagegen, einen Vorsatz sofort umzusetzen und ihn nicht sofort wieder zu verschieben. Das gilt fürs Rauchen genauso, wie für die Plastiktüten oder den Kaffeebecher aus Pappe mit Plastikdeckel. Solange wir es nicht wirklich wollen, solange werden wir Gründe finden, um die Vorsätze doch nicht umzusetzen. Und solange wir denken, dass dadurch Lebensqualität verloren geht, solange werden wir auch nicht wirklich etwas ändern wollen.

Wunden Punkte?

 

Im Zusammenhang mit Vorsätzen habe ich keine wunden Punkte, denn wenn ich noch nicht bereit bin etwas zu ändern, nehme ich mir keinen Vorsatz, dies zu tun und sobald ich bereit bin, dann ändere ich es einfach. Nein, das geht natürlich nicht immer von heute auf Morgen, aber das ist ja auch nicht notwendig. Notwendig ist nur, sofort die ersten Schritte zu gehen. Dazu zählen auch die Vorbereitung, wenn ich zum Beispiel meinen Cappuccino für Unterwegs nicht mehr in einem Pappbecher genießen will, dann muss ich mir eine Tasse besorgen, die die Funktion des Pappbechers übernimmt. Gilt natürlich auch für andere Getränke. Dann muss ich noch Geschäfte finden, die mir diese Kaffeetasse auch mit Kaffee befüllen, wenn ich diesen nicht unbedingt von zu Hause mitnehmen möchte.

Gescheitert?

 

Derzeit scheitere ich daran, den Plastikmüll noch weiter zu reduzieren, der durch den Einkauf anfällt. Natürlich sortiere ich und die Rohstoffe landen in der Gelben Tonne, aber noch schöner wäre es, wenn ich die meisten Verpackungen einfach einsparen könnte. Scheitern tut es derzeit am Geld und an der Zeit. Ja, es gibt inzwischen einen Laden in Berlin, der viele Dinge ohne Verpackungen verkauft, aber hierzu bräuchte ich erst mal Behälter, vorzugsweise aus Glas und ich bräuchte zusätzlich noch die Zeit, um in diesem Laden einkaufen zu gehen.

Gescheitert ist das Projekt aber noch lange nicht, vielmehr sehe ich mich gerade in der Vorbereitungsphase.

Was will ich noch machen?

 

Es gibt noch vieles, was ich machen will, sobald es der finanzielle Rahmen zulässt. Ich möchte zum Beispiel mein Fahrrad nutzen, um mein Smartphone und einen Zusatzakku aufzuladen. Auch meinen Rücksack möchte ich mit einem Solarpaneel ausrüsten, damit ich kleine Geräte wie MP3 Player und Co. damit aufladen kann. Das scheitert derzeit aber auch noch am Geld, aber ich weiß, dass ich diese Dinge umsetzen werde.

Was ich derzeit aber konkret plane, weil es günstig umzusetzen ist, ist eine Kochkiste, mit der ich dann beim Kochen Energie einsparen kann.

Routinen. Erst vor Kurzem hatte ich in meinem Forum eine Diskussion darüber, was ich von der Routine im Job halte. Um es kurz zu sagen, ich halte nicht viel von Routine und somit auch nicht von Routinen.

Wenn es wieder Langweilig wird

 

Wenn ein Job zur Routine wird, wird er Langweilig. Wenn alle Arbeitsprozesse einmal durchgespielt sind, und es kein Potential mehr gibt, um sich zu verbessern, dann verliert der Job für mich an Herausforderung. Deswegen kann ich es mir auch nicht vorstellen, mein ganzes Arbeitsleben lang nur in einem Unternehmen zu arbeiten. Ich möchte es mir auch gar nicht vorstellen, denn es wäre ein Langweiliges Leben.

Ich weiß natürlich, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das für ihr Leben wünschen. Es gibt viele Menschen, die lieben es, Routinen zu entwickeln und diese dann ihr ganzes Leben lang auszuführen. Sie wollen das Gefühl von Sicherheit, was ich ihnen nicht übel nehmen kann. Im Gegenteil, ich glaube, dass Gefühl von Sicherheit möchte jeder. Auch ich würde mich freuen, wenn ich auf meinem Konto eine gewisse Reserve hätte, aber das ist eben etwas anderes als die Routine im Job.

Hinzu kommt, dass ich davon ausgehe, dass ich meinen Job nicht wirklich gut ausüben würde, wenn ich mich in diesem Langweile. Ich glaube, darunter würde meine Arbeit leiden und das wäre dann auch dem Arbeitgeber gegenüber Unfair, obwohl es da natürlich auch Gründe gibt, die mein Mitleid gegenüber dem Arbeitgeber in Grenzen hält. Aber ich wäre auch selbst nicht glücklich, wenn ich meine Leistung nicht mehr zu hundert Prozent der Arbeit widmen könnte.

Ich liebe Herausforderungen, ich brauche Herausforderungen, um mich selbst weiter zu entwickeln, um mich lebendig zu fühlen. Deswegen wären Routinen im Beruf tödlich für mich, deswegen halte ich nichts von Routinen im Job, deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen, ein ganzes Leben lang in einem Unternehmen zu arbeiten.

Routinen im Alltag

 

So wie ich Routinen im Arbeitsleben nicht mag, mag ich sie auch im Alltag nicht. Dennoch habe ich Routinen, da muss ich ehrlich sein. Mein Lauftraining zum Beispiel. Ja, mein Lauftraining ist eine Routine, ich habe sogar eine Standard-Laufstrecke, die ich meistens laufe. Ich muss zugeben, die Laufstrecke ist inzwischen ziemlich langweilig geworden, aber da ich die mit meinem Laufpartner zusammen laufe, sind es die Gespräche, die Abwechslung rein bringen. Wenn ich alleine Laufe, laufe ich meistens einfach spontan irgendwo durch die Stadt, ohne zu wissen, wie lang der Lauf wohl wird und auch ohne zu wissen, wo er mich lang führt. Das ist dann so ein wenig mein Ausbruch aus der Routine, aber das Laufen selbst ist natürlich auch eine Routine, aber diese lässt sich eben nicht vermeiden.

Ich habe noch andere Routinen im Alltag. Der Wochenrückblick zum Beispiel, den ich regelmäßig hier im Blog veröffentliche oder das Zähneputzen, aber ich versuche, mein Leben nicht zu einer einzigen Routine werden zu lassen. Ich versuche neugierig zu bleiben, neues zu entdecken, neues zu erleben. Wer nicht mehr neugierig ist, hat einen wichtigen Antrieb im Leben verloren, wer nichts Neues mehr im Leben erleben möchte, wird sich auch nicht mehr weiterentwickeln können. Wer sein Leben durch Routinen bestimmen lässt, wird Langweilig. Langweilig für sich selbst und auch Langweilig für andere Menschen. Viel schlimmer ist aber die Berechenbarkeit, die sich durch Routinen ergibt.

Ja, Routinen sind nicht zu vermeiden, aber sie sollten auf ein Minimum beschränkt werden. Nur wer sich sein Leben nicht durch Routinen diktieren lässt, wird nicht irgendwann in Langeweile ersaufen. Nur wer Neugierig bleibt, wird sein Leben bis zum letzten Atemzug genießen können. Also gestaltet euer Leben so, dass es nur ein Minimum an Routinen enthält, damit maximaler Platz für Neugier bleibt, fürs Leben, fürs Erleben.

Das Leben noch einmal leben? Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die bisher gemacht wurden? Diese Frage stellt Patrick in einer Blogparade, die derzeit auf seinem Blog läuft (Gefunden Hier). Hier einmal die genaue Fragestellung von seinem Blog:

Nehmen wir mal an, Du wirst nochmal geboren. Gleicher Tag, gleiches Jahr, gleiches Leben. Das Einzige, was diesmal anders ist, Du weißt, was Du weißt.
Deine wesentlichsten und prägendsten Erfahrungen, egal ob gut oder schlecht sind erhalten geblieben. Du kannst vor jeder wichtigen Entscheidung in Deinem zukünftigen „neuen“ Leben auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen.
Als Denkanstoß oder philosophische Grundlage möchte ich mit folgenden Fragen Deine Kreativlunte anzünden:

  • Was würdest Du anders machen?
  • Warum würdest Du Dich diesmal anders entscheiden?
  • Wie würde diese Entscheidung Dein Leben beeinflussen?
  • Was denkst Du, wo, was und wer wärst Du heute?
  • Warum eigentlich?

 

Ich glaube, ich habe diese Frage hier schon einmal beantwortet. Ich möchte mein Leben gar nicht noch einmal leben, denn das Projekt Leben ist schon einmal anstrengend genug. Aber viel wichtiger ist, dass ich viele positive Erfahrungen gemacht habe, viele Personen getroffen habe, die ich wohl nicht treffen würde, wenn ich in meinem Leben etwas ändern würde. Wäre es das wirklich wert? Natürlich gibt es Dinge, die ich lieber nicht gemacht hätte, aber diese Erfahrungen gehören zum Leben dazu, und wenn ich diese Fehler nicht mache, dann mache ich eben andere Fehler.

 

Aber nehmen wir an, ich würde doch etwas ändern …

 

… dann würde ich die Schule ernster nehmen. Ich war nicht wirklich ein Musterschüler und regelmäßig habe ich die Schule auch nicht besucht. Mit meinem heutigen Wissen darüber, wie viel Spaß Lernen machen kann, würde ich diese Möglichkeiten auch nutzen. Dann würde ich mein Abitur wahrscheinlich auch sofort machen und nicht erst 11 Jahre später.

Das würde aber auch bedeuten, dass ich meine Ausbildung zum Kaufmann im Groß – und Außenhandel nicht machen würde. Das wäre schade, weil mir sowohl die Ausbildung viel Spaß gemacht hat, wie auch die Menschen, die ich während der Ausbildung kennengelernt habe. Und ich würde auch die vielen Menschen nicht kennenlernen, die ich auf der Abendschule kennengelernt habe, als ich mein Abitur nachgeholt habe.

Eigentlich würde mein gesamtes Leben anders verlaufen, wenn ich nur meine Einstellung zur Schule ändern würde. Wahrscheinlich würde ich heute schon längst ein Studium absolviert haben, wahrscheinlich würde ich in einem gut bezahlen Job arbeiten und noch wahrscheinlicher ist, dass ich hier heute gar nicht bloggen würde.

Nein, ich glaube, das wäre es nicht wert. Ich würde höchstens ein paar Dinge ändern, die nicht so große Auswirkungen haben würden. Kleinere Fehler halt, die sich auf mein späteres Leben nicht ausgewirkt haben. Ansonsten würde ich alles ganz genauso machen, wie ich es jetzt auch gemacht habe.

Aber warum stellen wir uns immer wieder diese Frage?

 

Ich glaube, wir leben ständig mit der Angst, dass wir im Leben irgendwas verpasst hätten. Und ja, das stimmt wahrscheinlich auch, aber wir werden immer etwas verpassen, auch dann, wenn wir das Leben noch einmal leben. Es gibt so viele Möglichkeiten und um die alle einmal auszuprobieren, müssten wir unser Leben millionenfach neu leben. Und selbst dann werden wir mit unserem Leben nicht zufrieden sein, weil wir viele positive Erfahrungen nicht mehr machen würden, die wir in einem anderen Leben gemacht hätten. Da hilft es auch nicht, wenn wir dieses Wissen und diese Erfahrungen schon abgespeichert hätten, sie zu erleben ist eben doch was anderes.

Unser Leben ist unser Leben, weil es eben genauso ist, wie es ist. Wäre es noch unser Leben, wenn wir andere Optionen wählen als die, die wir gewählt haben? Ist es wirklich sinnvoll, die Fehler nicht zu machen, die wir gemacht haben? Unser Leben wird wahrscheinlich nicht besser, es wird wahrscheinlich nur anders.

„Das Projekt meines Lebens“, so lautet der Titel einer Blogparade, die vom PM-Camp Karlsruhe veranstaltet wird. Eigentlich geht es bei der Blogparade um das Arbeitsleben und eben um ein Projekt, dass das Leben geprägt hat. Aber sind wir doch ehrlich, das Leben ist erst dann zu Ende, wenn wir sterben. Und wie sollte ich vorher, also vor meinem Ableben, wissen, welches das Projekt meines Lebens ist/war?

Ich könnte jetzt sagen, dass die Utopie, die ich 2006 geschrieben habe und die immer noch nicht fertig überarbeitet ist, das Projekt meines Lebens ist. Ist sie aber nicht. Meine Ausbildung vielleicht? Nein! Mein Studium? Mein Abitur? Meine Blogs? Nein! Das Projekt meines Lebens ist das Leben selbst. Ja, das Leben selbst ist ein großes Projekt, welches aus vielen kleinen Projekten besteht. Aus Zielen, die erreicht werden oder nicht. Aus Abenteuern, die bis zum Ende gelebt, oder vorher abgebrochen werden. Es gibt nicht das eine Projekt, welches ich herausheben kann. Es sind die vielen Projekte, die vielen Ziele, die vielen Zwischenziele, die mein Leben ausmachen.

Nehmen wir den Blog hier. Ein Projekt, das ich jetzt schon seit fast sieben Jahren verfolge. Würde es ihn geben, wenn ich 2008 nicht einen Ort gesucht hätte, der mich mit dem Projekt „Abitur2010“ weiterbringt? Wahrscheinlich nicht. Projekte entstehen meist aus anderen Projekten und vieles, was wir im Leben angehen, sind Projekte. Meine Ausbildung, die ich von 2001 bis 2004 gemacht habe, war ein Projekt. Meine Zeit bei der Bundeswehr ebenso, meine Suche nach einer Ausbildungsstelle als Koch, meine Schulzeit, alles waren Projekte, viele davon habe ich zu Ende gebracht, einige sogar fortgesetzt, nachdem ich eine kurze Pause gemacht habe. Der wichtige Punkt ist aber, dass all diese Projekte die Bausteine meines bisherigen Lebens sind.

Was würde ich jetzt wohl machen, wenn ich tatsächlich eine Koch-Ausbildung bekommen hätte? Wo wäre ich jetzt, wenn ich mein Abitur schon 2002 gemacht hätte? Die folgenden Projekte hätten wahrscheinlich total anders ausgesehen und sie wären dennoch mein Leben gewesen.

Das Projekt meines Lebens kann also nur mein Leben sein. Ich kann keinen kleinen Baustein davon nehmen und ihn höher Gewichten als die anderen, denn dieser Baustein, dieses Projekt, baut auf anderen Projekten auf. Sie gehören zusammen, sie sind die Erfahrungen, das Wissen, welches ich in meinem Leben gesammelt habe. Ohne diese Erfahrungen, ohne dieses Wissen, wäre ich heute ein anderer Mensch.

Die Magie eines jeden Projekts ist das Neue. Die neue Figur zum Beispiel, wenn ich mit einer neuen Kurzgeschichte beginne. Oder die neuen Erfahrungen, wenn ich beruflich mal wieder was ganz anderes mache. Oder der Wissensgewinn, wenn ich hier einen Blogartikel schreibe. Die Magie ist auch die Herausforderung, das Ziel, etwas zu schaffen, etwas aus eigener Kraft zu schaffen – oder etwas zu einem Team beizutragen, um dadurch etwas zu schaffen.

Und zum Schluss möchte ich noch die Frage stellen, wozu noch leben, wenn das Projekt des Lebens schon hinter einem liegt? Was kann dann noch kommen?

Abendhimmel

Gerade läuft eine Blogparade zum Thema „Was, wenn morgen mein (dein) letzter Tag wäre?“. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass Menschen sich Gedanken darüber machen, wie sie ihren letzten Tag verbringen wollen. Ich glaube, es ist auch ein Anzeichen dafür, dass viele Menschen mit ihrem Leben unzufrieden sind, weswegen sie sich den letzten Tag vorstellen, da sie an diesem Tag nicht mehr wirklich etwas zu verlieren haben.

Aus Grenzen ausbrechen

 

Der letzte Tag ist dabei meist ein Ausbrechen aus Grenzen, die wir Menschen uns selbst auferlegen. So wollen viele Menschen am letzten Tag ihres Lebens nicht mehr zur Arbeit gehen. Verständlich, denn für viele Menschen ist die Arbeit nicht sinnstiftend. Sie ist ein Übel, damit das Überleben finanziert werden kann. Arbeit soll das Einkommen bringen, mit dem sich die Menschen dann ihre Träume finanzieren können. Nur meist bleibt dann gar nicht mehr die Zeit, um die eigenen Träume zu leben. Deswegen ist für mich nicht verwunderlich, dass viele an ihrem letzten Tag nicht mehr arbeiten wollen.

Das Problem ist nur, dass der letzte Tag auch nur 24 Stunden hat, weswegen der letzte Tag überhaupt nicht reicht, um all die Träume zu leben, die vorher aufgeschoben wurden. Ein weiteres Problem ist, dass das Geld fehlt, um all die Dinge umzusetzen, die wir am letzten Tag gerne machen würden. Natürlich ist es möglich, sich einfach zu verschulden. Da es der letzte Tag ist, wäre das nicht wirklich schlimm, da der Zeitpunkt der Rückzahlung nicht mehr erlebt wird, aber sich zu verschulden ist meist auch nicht so einfach, schon gar nicht, wenn es der letzte Tag des Lebens ist.

Aber warum lassen wir uns diese Grenzen setzen? Warum entfalten wir uns nicht jeden Tag, warum lassen wir uns durch Geld einengen und überwinden diese Grenzen nicht einfach? Natürlich müssten wir dann immer noch Arbeiten, aber wenn diese Arbeit, unabhängig von Profiten, auf alle Menschen verteilt wird, dann ist es nur noch ein geringer Teil unseres Lebens. Der weitaus größere Teil würde uns dann zur persönlichen Entfaltung zur Verfügung stehen, auch wenn die Vorstellung wohl erst einmal erschreckt, denn zu viel Freizeit kann auch schnell langweilig werden. Wenn wir dann aber weiter denken, dann fällt uns auf, dass wir uns dann nicht mehr überlegen müssten, was wir tun, wenn morgen unser letzter Tag wäre, sondern wir könnten jeden Tag bewusst so Leben, wie wir es für richtig halten.

Doch warum schreibe ich das jetzt alles? Nun, weil die Vorstellung, dass wir den letzten Tag auf dieser Welt zu etwas Besonderen machen könnten, für mich komisch ist. Wenn ich nur den letzten Tag so leben würde, wie ich es für richtig halte, hätte ich gar keine Zeit mehr, um mich an diesen Tag zu erinnern. Ich wäre ja am nächsten Tag nicht mehr am Leben, weswegen es irgendwie sinnlos wäre.

Am letzten Tag meines Lebens möchte ich auf mein Leben zurückblicken. Ich möchte in Erinnerungen schwelgen, will über Dinge lachen, die ich erlebt habe, will vielleicht auch über Erinnerungen weinen. Am letzten Tag möchte ich nicht mehr aktiv etwas erleben, am letzten Tag will ich von meinem Leben etwas erzählen können, will mit anderen Menschen zusammen sein, mich verabschieden, mir Fotos ansehen. Ich möchte am letzten Tag meinen Träumen nicht hinterher hetzen, will nicht noch schnell all das Erleben, was ich in den Jahrzehnten davor verpasst habe. Ich will zurückblicken und sagen können, dass all das, was ich gemacht habe, okay war, nicht perfekt, aber doch so, dass ich damit zufrieden sein kann.

Wenn ich am letzten Tag unzufrieden bin, wenn ich am letzten Tag nicht sagen kann, dass mein Leben ausgefüllt war, dann habe ich etwas falsch gemacht. Nein, ich werde nicht all meine Träume gelebt haben, da bin ich mir sicher, aber ich werde all die Träume gelebt haben, die in mein Leben gepasst haben.
Wenn morgen also mein letzter Tag wäre, würde ich nichts Neues mehr tun. Ich würde mich von all den Menschen verabschieden, die mein Leben bereichert haben. Ich würde mit ihnen in Erinnerung schwelgen, würde mit ihnen Lachen, mit ihnen Weinen und am Ende würde ich, so hoffe ich zumindest, mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen.

Seit Tagen versuche ich mich nun schon am Thema „Die großen Wahrheiten des Lebens“ vom Blogideekasten, finde aber weder einen Einstieg, noch fällt mir wirklich ein, was diese „Wahrheiten“ denn sein sollen. Ich habe es auch mit einem Brainstorming zum Thema versucht, aber auch dabei ist nicht viel rausgekommen.

brainstorming

Quelle Formular: schreibnudel.de

Sterben muss jeder!

 

Ich glaube, die einzige große Wahrheit ist, dass wirklich jeder von uns sterben muss. Am Ende wird jeder seinen letzten Atemzug machen und seine Augen für immer schließen. Am Ende wird jeder von Würmern gefressen, oder von den Flammen, wenn sich die Person für eine Feuerbestattung entscheidet. Am Ende wird aus unseren Überbleibseln etwas Neues entstehen, es sei denn, dass wir vorher von der Sonne verschlungen werden oder die Erde explodiert. Das Ende ist also die einzige große Wahrheit, die mir derzeit einfällt, doch dann wäre dieser Blogartikel doch irgendwie langweilig.

Die Lebenszeit jedes Menschen hat denselben Wert!

 

Auch wenn es in unserer Gesellschaft nicht wirklich auffällt, doch die Lebenszeit eines Menschen hat denselben Wert. Am Ende hat nämlich jeder nur ein Leben und die Unterschiede, die das kapitalistische System hervorruft, gibt es überhaupt nicht. Die Lebensstunde eines Managers ist nicht wertvoller als die Lebensstunde einer Reinigungskraft. Genauso wenig ist die Lebenszeit eines Profifußballers wertvoller als die eines Fußballers, der in einer Amateurliga spielt. Diese Erkenntnis sollte eine der größten Wahrheiten sein, ist es aber nicht.

Die Wahrheit ist doch, dass sich ein Manager für etwas Besseres hält. Die Wahrheit ist doch, dass die Lebenszeit unterschiedlich bewertet wird und das Leben in wertvoll und unnütz eingeteilt wird. Diese Einteilung gehört aber eigentlich zu den größten Lügen unserer Gesellschaft und sie führt dazu, dass wir keine wirklich demokratische Gesellschaft haben.

Chancenungleichheit

 

Daraus ergibt sich dann auch die große Wahrheit der Chancenungleichheit. Ist traurig, aber solange die Menschen nicht einmal erkennen, dass die Lebenszeit jedes Menschen denselben Wert hat, solange werden sie auch nicht erkennen, dass die Chancengleichheit wichtig ist. Und so wird es immer Menschen geben, die nie eine wirkliche Chance im Leben bekommen werden. Und weil das nicht schon schlimm genug ist, wird diesen Menschen auch jeweils immer ein individuelles Versagen vorgeworfen, obwohl sie gar nicht die Möglichkeit hatten, gegen diese Chancenlosigkeit irgendetwas zu tun.

Die großen Wahrheiten. Für jeden sind sie etwas anderes und doch wird es jedem schwerfallen, etwas über sie zu schreiben. Und was für den einen die großen Wahrheiten sind, sind für den anderen eher Banalitäten. Und so bleibt als einzige große Wahrheit tatsächlich nur der Tod.

Meine Oma ist 89. Ich schreibe das, weil 89 ein Alter ist, ab dem man jederzeit damit rechnen muss, dass es vorbei ist. Meine Oma weiß das, sie redet öfter davon, aber ich komme damit überhaupt nicht klar. Vorgestern lag ich die halbe Nacht wach, weil ich einfach darüber nachdenken musste. Irgendwann ist es vorbei, irgendwann geht jeder Mensch, aber fast jeder Mensch, der geht, hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann.

Seit ich bin, ist meine Oma!

 

Meine Oma war schon vor mir auf dieser Welt. Ist ja auch klar, denn wenn meine Oma nicht vor mir hier gewesen wäre, könnte meine Mutter nicht leben und somit könnte sie nicht meine Oma sein. Aber das bedeutet natürlich auch, dass meine Oma mich schon mein ganzes Leben begleitet und das ich mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen kann. Wer kann das schon? Deswegen will ich mir auch gar nicht vorstellen, dass meine Oma irgendwann stirbt. Ich will, dass sie noch lange lebt, dass sie 100 wird, vielleicht auch noch viel älter – aber will meine Oma das überhaupt?

Leider fällt einem meist viel zu spät auf, dass die Zeit eines Menschen begrenzt ist. Wenn der Mensch dann nicht mehr da ist, dann wird einem plötzlich klar, dass die Zeit, die wir mit diesem Menschen verbracht haben, eigentlich viel zu wenig war. Dass wir uns mehr Zeit hätten nehmen müssen. Ein Besuch alle halbe Jahre ist einfach zu wenig, aber das begreifen wir erst, wenn es viel zu spät ist.

Vorher leben wir meist unser Leben, wir wissen, da ist ein Mensch, den wir lieben, und der ist da – ganz selbstverständlich. Dann kann schon mal eine Menge Zeit ins Land gehen, bevor man diesen Menschen wieder besucht und irgendwann könnte es dann sein, dass wir vor einer leeren Wohnung stehen, vor einer Klingel, an der auf einmal ein anderer Name steht und dann sehen wir, der Mensch ist nicht mehr da und er wird auch nicht wieder kommen. Wir stehen vor der Tür und denken uns, dass wir viel zu wenig Zeit mit diesem Menschen verbracht haben, dass wir uns nicht einmal verabschieden konnten und das wir viel zu wenig am Leben dieses Menschen haben teilnehmen dürfen. Und schuld sind wir natürlich selbst, weil wir uns nur mit unserem Leben beschäftigt haben, weil wir diesen Menschen als selbstverständlich angesehen haben und weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, die uns dieser Mensch eigentlich hätte wert sein müssen.

Meine Oma ist 89. Sie hat viele Enkel und Urenkel. Genügend eigentlich, damit bei ihr täglich jemand zu Besuch sein könnte. Die Realität sieht leider anders aus! Viele Tage ist sie allein zu Haus, was natürlich Einsamkeit bedeutet, denn meine Oma lebt alleine. Ein Heim kommt für sie nicht infrage, was ich verstehen kann, denn wir alle wissen, was in deutschen Heimen so abgeht. Deswegen denkt sie natürlich auch darüber nach, dass es Zeit ist zu gehen, was nicht stimmt, denn es ist nie Zeit zu gehen, es gibt immer etwas, was man noch machen könnte. Den Urenkeln Geschichten erzählen, wäre so etwas oder ihnen beim Erwachsen werden zusehen. Aber das geht nur, wenn die Urenkel auch mal zu Besuch kommen, was sie viel zu selten machen! Und dann bleibt natürlich nur die Einsamkeit und damit dann auch das Nachdenken darüber, wie lange man diese Einsamkeit noch ertragen muss.

Ich bin natürlich auch ein Enkel meiner Oma. Auch ich bin viel zu selten bei ihr, wobei selten nicht bedeutet, dass ich nur einmal im Jahr zu ihr gehe, aber es ist dennoch selten – auch im Hinblick darauf, dass meine Oma schon 89 ist und ich nicht mehr all zu viel Zeit habe, die ich mit ihr verbringen kann. Dennoch verbringe ich mehr Zeit bei meiner Oma, als viele andere ihrer EnkelInnen. Das mag von diesen nicht böse gemeint sein, weil sie ihr eigenes Leben haben, weil sie arbeiten, weil sie einfach selbst zu wenig Freizeit haben. Aber ich bin mir sicher, wenn unsere Oma nicht mehr da ist, werden sie es bereuen, so wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben. Vielleicht werden sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie genau wissen, dass sie sich viel zu wenig Zeit genommen haben, vielleicht aber auch nicht, weil ihre Oma keine ganz so große Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Wobei ich das Letztere nicht glauben kann.

Meine Oma hilft, wo sie nur kann!

 

Worüber ich mich regelmäßig ärgere, ist, dass meine Oma so wenig Besuch bekommt. Meist nur dann, wenn jemand Hilfe braucht. Dann erinnert man sich gerne an sie, aber wenn es darum geht, ihr einfach ein wenig Zeit zu schenken, dann wird das schwer mit dem Besuchen. Dann ist plötzlich keine Zeit da! Das macht mich traurig, denn ich bin mir sicher, dass die Zeit vorhanden wäre, wenn man sie sich ernsthaft nehmen wollte.

Ich verstehe natürlich, dass es schwer wird, wenn man nicht in derselben Stadt lebt. Dann ist es tatsächlich nicht möglich, dass man jedes Wochenende zu besuch kommt. Wenn man allerdings gemeinsam in einer Stadt lebt, dann sollte es schon möglich sein, dass man einen Menschen, der zur Familie gehört und den man liebt, mindestens einmal alle 14 Tage besucht. So teuer sind die Fahrpreise dann auch nicht, genau so wenig sind die Fahrzeiten ein Problem. 6-7 Stunden kann sich jeder alle 14 Tage einmal nehmen, selbst wenn man sehr viel Stress im Arbeitsleben hat. Das würde die Einsamkeit meiner Oma vertreiben und neue Lebensfreude bringen.

Meine Oma, das Tor in eine andere Zeit.

 

Meine Oma ist natürlich auch ein Tor in eine andere, längst vergangene, Zeit. Sie kann mir Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich nicht miterlebt habe. Sie kann mir natürlich auch Geschichten aus Zeiten erzählen, die ich miterlebt habe, an die ich mich aber nicht mehr wirklich erinnern kann, weil ich noch viel zu Jung war. Wer soll mir diese Geschichten erzählen, wenn meine Oma plötzlich nicht mehr da ist?

Wenn meine Oma irgendwann nicht mehr ist, dann geht nicht nur der Mensch. Nein, dann gehen auch all die Geschichten, die sie in ihrem Leben erlebt hat und die sie gerne erzählt hat. Nur wenig wird davon in der Erinnerung bleiben und es wird sich ein Tor in die Vergangenheit verschließen, welches ich nicht mehr öffnen kann. Sicher kann mir dann noch mein Onkel Geschichten erzählen und meine Mutter natürlich auch, aber es werden nicht die Geschichten sein, die mir meine Oma erzählt.

Meine Oma – Eure Oma

 

Meine Oma lebt noch, sie ist 89 und wird hoffentlich noch viele Geburtstage feiern dürfen. Wie sieht es mit eurer Oma aus? Lebt sie noch? Wenn ja, verbringt ihr genügend Zeit mit ihr? Vielleicht ist es mal wieder Zeit für ein Telefonat mit ihr? Vielleicht auch für einen spontanen Besuch?

Meine Oma ist garantiert nicht nur meine Oma! Es gibt viele Omas da draußen, denen von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln viel zu wenig Zeit geschenkt wird. Zeit, die nicht vergeudet ist, die beiden Seiten Freude bringt und die eine Bereicherung für beide Seiten ist.

„…benutze ich gerne die Worte, dass jeder für sein eigenes Leben selbst verantwortlich ist. Viel zu oft suchen wir doch die Schuld bei anderen(,) um von unserem eigenen Versagen abzulenken.“

Zitat: Mel`s Blog

Ich bin gerade über diesen Satz gestolpert und platze eigentlich schon wieder vor Wut. Das könnte ich Mel jetzt auch in einem Kommentar schreiben, aber das passt dort nicht, weil das Thema doch ein anderes ist und deswegen mache ich einen Blogartikel daraus.

Ihr fragt euch jetzt sicher, warum ich mich über diesen Satz so aufrege? Nun, der Grund ist einfach – er stimmt nicht! Wir glauben, dass wir für unser Leben selbst verantwortlich sind, und in einem gewissen Rahmen stimmt das auch, aber es hört spätestens da auf, wo wir auf den guten Willen einer anderen Person angewiesen sind. Dann sind nicht mehr wir für unser Leben verantwortlich, sondern die andere Person übernimmt die Verantwortung für unser Leben.

Nehmen wir unser Berufsleben. Egal ob wir selbstständig sind oder in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen, wir sind in beiden Fällen von dem guten Willen anderer Menschen abhängig. Ein Selbstständiger kann nur dann Leben, wenn er Kunden hat und wenn diese Kunden auch noch die Rechnungen zahlen. Machen die Kunden das nicht, wird es schwierig mit dem guten Leben und ist es mein Versagen, wenn andere ihre Rechnung nicht zahlen? Wohl kaum!

Einen Arbeitnehmer trifft es noch viel schlimmer. Er kann nicht selbst darüber entscheiden, welchen Wert seine Arbeit hat, sondern der Arbeitgeber entscheidet darüber. Genauso wie der Arbeitgeber darüber entscheidet, wielange der Arbeitnehmer seine Arbeit hat. Natürlich könnte jetzt argumentiert werden, dass der Arbeitnehmer ja einfach seinen Arbeitsplatz wechseln kann, aber ist das wirklich so einfach? Nein, ist es nicht!

Wir Menschen begeben uns, seit wir unsere Arbeit teilen und nicht mehr Jeder alles macht, immer wieder in Abhängigkeiten. Wir können uns nicht einfach irgendwo ein Haus bauen. Wir können nicht einfach irgendwo ein Windrad hinstellen, um unsere eigene Energie zu produzieren. Wir können nicht einfach irgendwo Nahrung pflanzen, damit wir uns ernähren können. Wir begeben uns in all diesen Fällen in Abhängigkeiten, die dafür sorgen, dass wir auf den guten Willen anderer Menschen angewiesen sind. Ein Bauer könnte nämlich durchaus sagen, dass er uns die Nahrung, die wir benötigen, nicht verkauft, weil ihm unser Gesicht nicht gefällt. Ein Stromerzeuger kann sagen, dass er nur noch in bestimmten Wohngegenden Strom liefert, weil dort keine Zahlungsausfälle zu erwarten sind. Sicher könnte was dagegen getan werden, aber selbst dafür wird der gute Wille von anderen Personen gebraucht, denn alleine kann niemand etwas ausrichten. Druck entsteht nur, wenn viele etwas dagegen unternehmen.

Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und in dieser ist der Spruch, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist, einfach nur falsch. Es bestehen so viele Abhängigkeiten in unseren Leben, dass schon eine Veränderung, bei diesen Abhängigkeiten, dazu führen kann, dass unser Leben in einem Chaos versinkt – und für diese Veränderung muss man nicht einmal selbst verantwortlich sein.

Sicher gibt es Menschen, die für ihr eigenes Versagen die Schuld bei anderen suchen, aber das ist etwas, was von Einzelfall zu Einzelfall geprüft werden sollte. Pauschal zu sagen, dass jeder selbst verantwortlich ist, und somit versagt hat, wenn im Leben etwas nicht so läuft, wie es soll, geht aber überhaupt nicht. Und genau das ist der Grund, warum ich bei diesem Satz immer platzen könnte.