Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Gestern war ich doch ein wenig schockiert. Die Süddeutsche Zeitung titelte: „Sparer werden enteignet…“. Gemeint ist damit die Senkung des Leitzinssatzes durch die EZB. Doch was haben niedrige Zinsen mit Enteignung zu tun?

Geld

Geld

 

Die Süddeutsche meint, dass der Kaufkraftverlust, der durch die niedrigen Zinsen nicht mehr ausgeglichen wird, eine Enteignung der Sparer ist. Doch die Süddeutsche scheint den Kapitalismus und den Marktmechanismus noch nicht kapiert zu haben. Ebenso hat die Süddeutsche wohl noch nicht gelernt, dass in Krisenzeiten das Geld immer so billig wie möglich gehalten wird, damit die Wirtschaft notwendige Investitionen tätigen kann, wenn sie denn Kredite bekommt – was ein anderes Thema ist. Diese Politik wird nicht erst verfolgt, seit es die EU gibt, sondern sie wurde auch vorher verfolgt. Es handelt sich dabei um eine antizyklische Politik, denn zu Boomzeiten wird das Geldangebot auf den Märkten wieder verknappt, die EZB zieht also wieder Geld aus dem Markt und verteuert die Kredite, was auch logisch ist, da zu Boomzeiten genügend Eigenkapital zur Verfügung stehen sollte, um notwendige Investitionen zu tätigen – wenn denn überhaupt noch Investitionen nötig sind.

Aber zurück zu den Zinsen. Die Zinsen sind ja nichts anderes als ein Entgelt, welches man dafür bekommt, dass man das Geld für Investitionen zur Verfügung stellt. Ist genügend billiges Geld am Markt, dann sinken natürlich die Zinssätze, notfalls auch auf null Prozent, wenn die EZB das Geld so günstig abgibt, wie sie es derzeit tut. Ist das schlecht? Den Sparer wird es nicht freuen, denn er verdient nichts mehr mit dem Geld, welches er spart. Er bräuchte es also den Banken nicht mehr zur Verfügung zu stellen und könnte es in einer Socke unter seinem Bett aufbewahren. Enteignung ist das aber nicht! Ihm wird ja nichts von seinem Ersparten weggenommen, soll heißen, wenn er jetzt 1.000,- Euro auf dem Sparbuch hat, dann hat er auch noch in einem Jahr 1.000 Euro auf dem Sparbuch. Ob er sich von diesem Geld jetzt weniger leisten kann, ob er also einen Kaufkraftverlust hinnehmen muss, kommt auf das Produkt an, welches er kaufen möchte.

Für die Wirtschaft hingegen ist billiges Geld eigentlich gut, weil sie günstig an Kredite für Investitionen kommen. Allerdings, und hier kommt der Haken, müssen dazu die Banken mitmachen und die Banken machen meist nur mit, wenn die Bonität des Unternehmens stimmt und dann meist zu Zinssätzen, die jenseits von Gut und Böse sind. Ein privater Sparer könnte hier übrigens immer noch gute Zinsen abgreifen, wenn er sein Erspartes privat an Unternehmen verleiht, es besteht allerdings das Risiko, das er von seinem Ersparten dann nichts mehr wieder sieht.

Kommen wir aber zurück zur Enteignung. Diese hat es tatsächlich gegeben! In Zypern wurden Sparer tatsächlich enteignet, wenn sie ein Sparvermögen von mehr als 100.000,- Euro hatten. Soweit ist es in Deutschland noch lange nicht! In Zypern wäre man wahrscheinlich froh gewesen, wenn der Zinssatz einfach nur auf null Prozent gesunken wäre, das war dort aber nicht der Fall, dort wurde dem Sparer tatsächlich Geld weggenommen.

Nehmen wir einmal Brot als Beispiel. Wir nehmen an, auf dem Brotmarkt sind 11 Brote verfügbar und eines davon gehört mir. Nun besteht aber nur die Nachfrage nach 10 Broten, und da mein Brot das teuerste ist, wird es nicht gekauft, ich erhalte also kein Entgelt für mein Brot, bin aber immer noch im Besitz des Brotes – wurde ich enteignet? Keiner würde hier auf die Idee kommen, dass dies der Fall ist, warum dann auf dem Geldmarkt? Der Geldmarkt unterliegt denselben Marktmechanismen, der Preis für das Geld ergibt sich also aus Angebot und Nachfrage, und wenn die EZB durch billiges Geld das Angebot erhöht, sinkt nun einmal der Preis, den der Nachfrager bereit ist zu bezahlen. Das ist keine Enteignung, das ist unser kapitalistisches System.

Ein zweites Beispiel: Auf einem Markt, auf dem bisher nur ein Kartoffelbauer seine Kartoffeln verkauft hat, taucht plötzlich ein zweiter Kartoffelbauer auf, der seine Waren günstiger verkauft. Dadurch macht der erste Kartoffelbauer weniger Umsatz, weil er seinen Preis anpassen musste – wurde der Kartoffelbauer enteignet? Nein, er musste einfach mit dem Marktmechanismus leben, dass der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Billiges Geld ist also keine Enteignung, es ist nur ein Mittel, damit die Wirtschaft am Laufen gehalten wird, weil sie auf günstige Kredite zurückgreifen kann. Eine Enteignung findet nur dann statt, wenn mir mein Eigentum weggenommen wird. Wenn mir der Staat also von meinen ersparten 1.000 Euro 200 Euro wegnehmen würde, oder 400, oder 600.

Mein Bruder sagte mir letztens, dass ich zu wenig über Politik schreibe. Er hat recht, ich schreibe hier ziemlich wenig über Politik. Das wollte ich heute ändern, ich wollte über Gesine Lötzsch und ihre Kommunismus-Diskussion schreiben. Den Artikel hatte ich sogar schon geschrieben, er schlummert jetzt auf meiner Festplatte und wird dort wohl auch verbleiben. Der Grund hierfür sind meine Leser, also ihr. Ich weiß nicht, wie eure politischen Einstellungen sind, ich weiß nicht, wie ihr reagiert, wenn jemand andere politische Ansichten hat und ganz besonders, wie ihr auf meine Ansichten reagiert. Kurz gesagt, ich möchte euch nicht verlieren, nur weil ich andere Ansichten habe als ihr.

Jeder der mich kennt sollte wissen, dass ich den Kapitalismus nicht als ideale Gesellschaftsform erachte. Das Problem daran ist nur, dass man dann immer gleich als Kommunist abgestempelt wird, der ich allerdings auch nicht bin. Ich kenne mich mit dem Kommunismus zu wenig aus, als dass ich sagen könnte, dass dies ein System für mich ist – allerdings kenne ich mich gut genug damit aus, um zu sagen, dass es den Kommunismus noch gar nicht gab. Weder in der DDR, noch in der Sowjetunion und schon gar nicht in China und in Nordkorea gab es, oder gibt es den Kommunismus. Es gibt zwei Merkmale, die dagegen sprechen. Zum einen waren-, bzw. sind es alles Staaten. Bei Marx stirbt der Staat im Kommunismus irgendwann. Es gibt irgendwann keinen Staat mehr und auch keine Regierung. Das alles wird nämlich überflüssig im Kommunismus. Diese beiden Merkmale zeigen aber auch schon, dass der Kommunismus nicht möglich ist, dazu ist der Mensch nämlich viel zu egoistisch und ohne Regierung würden die Stärkeren wieder die Schwächeren unterdrücken und schon hätten wir wieder eine Klassengesellschaft, welche es im Kommunismus ja auch nicht geben soll.

Wenn Gesine Lötzsch nun aber sagt, dass der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte sein wird, so muss ich ihr zustimmen. Denn irgendwann wir der Kapitalismus uns wieder dort hinbringen, wo wir schon einmal waren. Wir werden wieder in die Feudalherrschaft verfallen, wenn nicht sogar in die Sklaverei. Wie ich darauf komme? Nun, seht euch doch einfach mal Indien, Pakistan und Afrika an. Alles Staaten und Kontinente, auf der unsere westlichen Unternehmen schon ihre „Sklaven“ beschäftigen. Oder wie soll man es bewerten, wenn eine große deutsche Textilhandelskette in Indien Menschen beschäftigt, die von ihrem Lohn kaum leben können, geschweige denn auf ihre Gesundheit achten können? Diese Menschen arbeiten dort, um uns unseren westlichen Standard zu halten und um natürlich den Unternehmen noch größere Gewinne zu ermöglichen. Die Unternehmen gehen in diese Länder, damit sie auch auf die Umwelt keine Rücksicht nehmen müssen.Und wenn man es ganz drastisch formulieren will, ist der Kapitalismus schuld an daran, dass in diesen Ländern mehrere Millionen Menschen gestorben sind.

Der Kapitalismus darf also nicht das Ende sein, denn irgendwann ist das Geld, welches sich im Geldmarkt befindet, abgeschöpft. Dann liegt es alles bei den Unternehmern und dann kann das System nicht mehr funktionieren, außer wenn die Menschen, die dann das ganze Geld haben, enteignet werden. Nur was bringt das, denn dann fängt der ganze Kreislauf von vorne an, wenn man dann immer noch am Kapitalismus festhält.

Es muss also noch ein neues Gesellschaftssystem erfunden werden. Der Kommunismus kann es nicht sein, denn er ist nicht umsetzbar. Der Kapitalismus kann es aber auch nicht bleiben.

Das ist jetzt eine Kurzfassung meiner Gedanken, ich könnte noch viel mehr und viel ausführlicher darüber schreiben. Aber eigentlich wollte ich ja nur herausfinden, ob ich hier auch ab und an mal was über meine politischen Ansichten schreiben kann, ohne gleich meine Stammleser zu verlieren. Kommentare sind also diesmal zwingend notwendig, zumindest würde ich mich darüber freuen.

Weitere Links: