Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Lasst uns in ein Land reisen, in dem es derzeit nicht so rosig aussieht. Durch gierige Heuschrecken, ist in diesem Land die Ernte in den letzten Jahren viel zu knapp ausgefallen, sodass die Bevölkerung des Landes nicht ausreichend versorgt werden kann. Die Heuschrecken versuchen sogar noch an die letzten Lebensmittel des Landes zu kommen, weil sie mit dem, was sie bisher erbeutet haben, nicht zufrieden sind.

In diesem Land lebt das Meerschweinchen Donat. Donat ist noch jung, aber schon ohne Familie, da diese durch Krankheit oder durch Gewalt getötet wurde. Bisher konnte Donat sich aber ziemlich gut versorgen, zumindest war das so, bis die Heuschrecken über das Land gekommen sind. Jetzt hat auch das junge Meerschweinchen Probleme damit, genügend Nahrung zu finden und wenn es mal was findet, dann kommt nicht selten eine Heuschrecke, die etwas von dem abhaben will, was er gefunden hat. Und es bleibt ihn meist auch nichts anderes übrig als den geforderten Teil abzugeben, denn die Heuschrecken haben mit den Meerschweinchen Verträge abgeschlossen, in denen genau das geregelt ist. Und so kann Donat nichts machen, wenn er nicht ins Gefängnis will, obwohl er es locker mit einer solchen Heuschrecke aufnehmen könnte.

Nun hat Donat aber gehört, dass es ein Land gibt, in dem es für alle Bewohner genügend Nahrung gibt. Es gibt dort nicht nur genügend Nahrung, sondern es gibt dort zu viel Nahrung, weswegen ein großer Teil einfach vernichtet wird. So haben es Donat zumindest die anderen erzählt, die in den letzten Jahren das Land verlassen haben, um in das Land zu kommen, wo es zu viel Nahrung gibt. Und da von diesen keiner mehr zurückgekehrt ist, möchte sich auch Donat jetzt auf den Weg in dieses Land begeben. Er ist sich sicher, dass er in einem solchen Land willkommen ist und er ist überzeugt, dass er eines Tages wieder in seine Heimat kann, sobald die Heuschrecken weg sind und sein Land wieder genügend Nahrung für die eigenen Bewohner hat.

Donat machte sich also auf den Weg und verließ seine Heimat. Ihm war nicht wirklich wohl dabei, denn an diesem Ort hier wurde er damals geboren, hier liegt seine Familie begraben und hier hat er seine Freunde. Die meisten von ihnen wollen sich nicht mehr auf eine solch gefährliche Reise begeben, weswegen Donat sie hier zurücklassen muss. Aber dadurch, dass er weggeht, bleibt für seine Freunde mehr Nahrung übrig, weswegen Donat auch mit dem Gefühl geht, etwas Gutes zu tun. Dementsprechend motiviert ging das Meerschweinchen seine Reise auch an und so kam ihn der erste Tag auch gar nicht so lang vor.

Am Abend merkte Donat dann aber, dass er Hunger hat und so machte er sich auf die Suche nach Nahrung. Erst fand er nichts, doch dann kam er an eine Hütte, in der eine ältere Meerschweinchen-Frau lebte. Er sah die Hütte sehnsüchtig an, da er inzwischen auch ziemlich Müde war und er dort in der Hütte einen gemütlichen Schlafplatz vermutete. Plötzlich wurde Donat von der älteren Frau angesprochen. Er hatte sie gar nicht kommen hören, weswegen er auch leicht zusammenzuckte. Die ältere Frau lachte freundlich und wollte wissen, was er denn um diese Zeit hier draußen machte. Eigentlich konnte sie es sich schon denken, denn hier sind schon so viele junge Meerschweinchen durchgekommen, aber da sie sich gerne unterhält, fragt sie immer wieder nach und immer wieder wird ihr dieselbe Geschichte erzählt. Sie bot Donat an, bei ihr zu übernachten. Zusätzlich bot sie ihm einen Teller Suppe an, eine gute, starke Suppe, die ihn für den nächsten Tag stärken würde. Natürlich nahm Donat die Einladung an, auch wenn er nicht wusste, wie er sich bei der älteren Frau bedanken sollte.

Während die alte Frau die Suppe aufwärmte, erzählte sie Donat so einige Geschichten. Geschichten von Früher, Geschichten von der Heimat, bevor die Heuschrecken hier eingefallen sind und die Macht übernommen haben. Donat kann sich auch noch an die letzten Jahre erinnern, bevor die Heuschrecken kamen. Aber das ist Vergangenheit, denn jetzt sind die Heuschrecken hier im Land und das Leben, dass er damals leben durfte, ist vorbei.

Am nächsten Tag bereitete die ältere Frau noch ein Frühstück für Donat zu. Danach wünschte sie ihm noch eine gute Reise, bevor sich die Wege der beiden trennten.

Donat war noch mehrere Tage unterwegs, bevor er an die Grenzen des Landes kam, in dem es so viel Nahrung geben soll, dass sogar ein Teil davon vernichtet wird. In diesen Tagen traf er auf viele andere Meerschweinchen, die ihm einen Schlafplatz und etwas zu Essen anboten. Er traf sogar alte Bekannte wieder, die sich vor langer Zeit auf diese Reise begeben hatten. Sie hatten aufgegeben und sind dann gleich an dem Ort geblieben, weil sie auch keine Lust mehr hatten, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Alle wünschten ihm eine gute Reise und nun war Donat endlich an der Grenze angekommen.

Das junge Meerschweinchen dachte, dass es jetzt einfach die Grenze Überquerren könnte, aber dem war nicht so. Überall war ein riesiger Zaun, den er weder überwinden konnte, noch gab es eine Lücke in diesem Zaun. Was er aber sah, waren Berge von Lebensmittel, die hinter dem Zaun lagen und die dort verrotteten. Und er sah dort Heuschrecken in Uniform, die diese Berge von Lebensmitteln bewachten. Er sah, wie die Heuschrecken über ihn lachten, und als er nach ihnen rief, lachten sie noch mehr. Donat hatte hunger, doch auf seiner Seite des Zauns gab es nichts, was er hätte essen können. Und die Heuschrecken auf der anderen Seite wollten ihm auch nichts geben, sie sagten, dass diese Lebensmittel unbedingt verrotten müssten, weil das die Gesetze ihres Landes so vorsahen.

Donat war verzweifelt. Er wollte unbedingt in dieses Land. Nein, eigentlich wollte er nicht in dieses Land, er wollte nur die Nahrung, die dort so sinnlos verrottete und er wollte wissen, warum die Heuschrecken die Nahrung aus seiner Heimat holten, obwohl sie doch selbst genügend hatten. Doch er bekam keine Antwort.

Er fand es ungerecht, und weil er diese Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen wollte, lief er Tage lang am Zaun auf und ab, er wollte unbedingt einen Weg in dieses Land finden. Er war so darin vertieft, dass ihm gar nicht auffiel, dass er schon seit Tagen nichts mehr gegessen hatte. Doch Meerschweinchen brauchen Nahrung, und so brach Donat eines Tages einfach zusammen. Er verhungerte vor einem Zaun, hinter dem genügend Nahrung lag, um seinen ganzen Heimatort ein ganzes Jahr lang zu versorgen. Donat hörte die Heuschrecken ein letztes Mal lachen, bevor er seine Augen für immer schloss.

Jetzt geht es wieder los, das rumgehacke auf der GDL. Dabei macht die GDL nur genau das, für das sie da ist. Sie kämpft für ihre Mitglieder um einen möglichst guten Tarifabschluss. Und sie macht sogar noch mehr, denn sie kämpft offen für die Tarifpluralität. Sie kämpft also nicht nur für ihre Mitglieder, sie kämpft für alle Arbeitnehmer, sie kämpft um die Arbeitnehmerrechte, für die vor ihr schon so viele Generationen kämpfen mussten.

Die Bundesregierung plant mit dem Tarifeinheitsgesetz diese Arbeitnehmerrechte zu beschneiden, und die Deutsche Bahn AG spielt auf Zeit, weil dieses Gesetz noch in diesem Jahr kommen soll. Und dann gibt es die Arbeitnehmer, die zwar immer wieder jammern, dass sie viel zu wenig Geld in den Taschen haben, die aber nichts anderes zu tun haben, als gegen den Streik der GDL zu hetzen. Dann kommt immer das Argument, dass diese Berufsgruppe doch schon genug verdient und das sie mit ihren Streiks doch nur denen schadet, die noch weniger verdienen.

Aber nein, sie schaden diesen Menschen eben nicht. Ganz im Gegenteil, sie zeigen diesen Menschen eigentlich auf, welche Mittel sie zur Verfügung hätten, um eine vernünftige Lohnerhöhung zu erhalten. Sie zeigen auf, dass Streiks immer noch ein wirkungsvolles Mittel sind und sie zeigen auf, dass es dazu eben starke Gewerkschaften braucht, die nicht mit den Arbeitgebervertretern kuscheln, weil das Spitzenpersonal der Gewerkschaften sich erhofft, eine Stelle in der Wirtschaft zu bekommen, wenn sie den Unternehmen nicht wirklich wehtun. Es müsste endlich wieder mehr Streiks in Deutschland geben und zwar unabhängig davon, wie viel diese Berufsgruppe denn nun verdient oder nicht. Streiks sind ein Mittel, um die Gewinne von oben nach unten zu verteilen und sie sind ein Mittel, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Streiks könnten sogar noch sehr viel mehr sein, wenn sie denn in der Gesellschaft endlich wieder mehr Akzeptanz erfahren würden. Streiks könnten neoliberale Gesetze verhindern, die sich gegen die Arbeitnehmer richten, sie könnten also die Gesellschaft auch insgesamt verbessern.

Aber die Akzeptanz fehlt, weil Streiks in die Bequemlichkeit unseres Lebens eingreifen. Wenn der Zug nicht fährt, geht ein Stück Mobilität verloren. Wenn die Post nicht liefert, kann das Paket mit dem Buch erst später geöffnet werden. Wenn die VerkäuferInnen streiken, ist der Einkauf mal nicht zeitnah zu erledigen.
Ja, ich könnte noch mehr aufzählen, aber es ist doch unsere Bequemlichkeit, die uns nicht erkennen lässt, dass diese Einschränkungen einem guten Ziel dienen. Es geht darum, dass sich die Arbeitnehmer einen fairen Anteil vom Kuchen sichern. Es geht darum, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dinge, von denen nicht nur die jetzigen Arbeitnehmer profitieren, sondern auch die nächste Generation. Die Bequemlichkeit ist es, die stärker ist, als die Solidarität mit anderen Arbeitnehmern. Die Bequemlichkeit ist es, die die Arbeitgeber stärkt und die Arbeitnehmer immer weiter schwächt.

Wir schwächen uns also selbst und wir sollten uns dann nicht darüber wundern, dass sich das Kapital auf immer weniger Menschen konzentriert. Wir sind ja schon zu faul, um für unseren fairen Anteil an den Gewinnen zu kämpfen. Wir sind schon so von der neoliberalen Politik geblendet, dass wir tatsächlich denken, dass der Verzicht auf faire Löhne dazu führt, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden oder zumindest dazu, dass der eigene Arbeitsplatz sicher ist. Dem ist aber nicht so….

Eigentlich müssten jetzt alle Gewerkschaften Demos gegen das Tarifeinheitsgesetz organisieren. Eigentlich müssten Millionen von Menschen auf der Straße sein, aber dazu reicht es nicht mehr. Es reicht ja nicht einmal mehr zur Solidarität mit den Menschen, die für mehr Geld und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Und am Ende wundern sich alle, warum die Armut immer größer wird und sich immer mehr Menschen immer weniger leisten können. Und sobald die Leibeigenschaft dann wieder eingeführt ist, wundern wir uns, wie es soweit kommen konnte…

Nachdem ich gestern das Vorstellungsgespräch hatte, was leider wieder nichts geworden ist, lag ich wieder die halbe Nacht wach im Bett und grübelte genau darüber nach. Auf der einen Seite kann ich den Arbeitgeber ja verstehen, dass er für eine bestimmte Stelle Menschen mit einer bestimmten Qualifikation sucht, auf der anderen Seite aber kann ich vieles auch nicht mehr verstehen.

IHK Zeugnis

Ihr kennt doch sicher alle den Spruch: „Mach erst mal eine Ausbildung, egal was, was du später dann arbeitest, ist ja dann egal, wenigstens du hast eine Ausbildung.“. Aber sind wir ehrlich, es ist nicht egal, was nach der Ausbildung gearbeitet wird, denn wenn du einmal raus bist, dann bist du raus. Nach einer gewissen Zeit ist deine Ausbildung nicht mehr viel wert, dann hast du zwar ein schönes Stück Papier und irgendwann mal eine Prüfung abgeschlossen, aber den Arbeitgeber interessiert das nicht wirklich.

Das Schlimme daran ist allerdings, dass es viele Menschen gibt, die nach ihrer Ausbildung gar nicht die Chance bekommen, in ihrem Ausbildungsberuf zu arbeiten. Die schlagen sich dann mit anderen Jobs durch, bewerben sich aber weiterhin in ihrem Bereich, bekommen dann aber immer öfter zu hören, dass sie schon viel zu lange aus dem Beruf raus sind und doch Menschen gesucht werden, die auch eine gewisse Berufserfahrung mitbringen. Die Menschen können leider keine wirkliche Berufserfahrung sammeln und irgendwann können die dann eigentlich ihr IHK-Zeugnis nehmen und es verbrennen, weil der Brennwert wahrscheinlich ein größerer Wert ist, als die Berufsausbildung selbst.

Ich habe meine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel 2004 abgeschlossen. Danach habe ich meinen Grundwehrdienst geleistet und habe dann leider keine Chance bekommen, als Kaufmann im Groß- und Außenhandel zu arbeiten. Ich habe dennoch weiter an mir gearbeitet, habe mich mit anderen Jobs über Wasser gehalten, mein Abitur nachgeholt und jetzt studiere ich, wie die meisten von euch ja wissen. Sicher ist über die Zeit das Wissen ein wenig eingerostet, aber eingerostet ist nicht vergessen. Hinzu kommt mein Studium, das einen Wirtschaftsteil hat und wodurch mein Wissen in den letzten Jahren wieder aufgefrischt wurde.

Ich habe nicht gerne als Warenverräumer gearbeitet, auch Reinigungskraft war ich nicht gerne, vom Briefsortieren und den anderen Zeitarbeitsjobs einmal zu schweigen. Ich hätte viel lieber in meinem Beruf gearbeitet. Ich bin mir sicher, dass ich meinen Job auch ziemlich gut gemacht hätte und ihn auch jetzt ziemlich gut machen würde, auch wenn ich natürlich wieder eine gewisse Zeit bräuchte, um mich einzuarbeiten und die neuen Regeln und Vorschriften zu lernen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich früher ja Koch werden. Die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel war also schon eine Ausbildung, die ich eigentlich nur gemacht habe, weil keine Kochausbildung bekommen habe. Dennoch hat mir die Ausbildung spaß gemacht und ich habe es nicht bereut, die Ausbildung gemacht zu haben, nur ist es dann eben blöd, wenn es dann nie eine Chance gibt, in diesem Beruf auch zu arbeiten. Ich würde das immer noch gerne tun, auch wenn ich jetzt studiere.

Letzte Woche war Blockupy, letzte Woche waren die Bilder von brennenden Tonnen und angezündeten Polizeiautos und letzte Woche waren die vielen Aktivisten, die immer wieder betont haben, dass diese Gewalt nichts mit dem Anliegen zu tun haben, für das viele Tausend andere Menschen friedlich auf die Straße gegangen sind. Aber ist dem wirklich so? Zeigt diese Gewalt nicht eher, dass sich in der Gesellschaft etwas ändern muss? Ist diese Gewalt nicht der Beweis dafür, dass etwas schiefläuft in der Gesellschaft? Und wenn dem so ist, können sich die Aktivisten dann davon distanzieren, obwohl sie genau wegen diesem Missstand auf der Straße sind?

Ich schrieb vor einigen Wochen einen Artikel, warum ich eigentlich nicht Links sein kann. Politische Bildung kostet Geld, auch denn, wenn ich mir aus dem Internet eine ganze Menge Material kostenlos besorgen kann. Darum geht es hier aber gar nicht, worauf ich hinaus will, ist, dass viele Aktivisten – nicht alle – ein gesichertes Einkommen haben. Viele Aktivisten und Aktivistinnen haben gar keine Ahnung, wie es ist, ständig damit rechnen zu müssen, den Job zu verlieren oder aus der Wohnung zwangsgeräumt zu werden. Sie leben einfach nicht 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr mit der Angst, von jetzt auf gleich vor den Scherben der eigenen Existenz zu stehen. Und ja, die Androhung von Sanktionen bei Hartz4 ist Gewalt. Die Androhung und Durchführung von Zwangsräumungen ist Gewalt und dieser Gewalt sind die Menschen Wochen und Monate ausgesetzt. In Deutschland vielleicht noch nicht ganz so viele, wie in anderen europäischen Ländern, aber auch dieser Aspekt ist vollkommen egal.

Wer diesem Druck nicht ausgesetzt ist, der kann natürlich viel über Gewaltverzicht nachdenken, der kann natürlich auch Bücher lesen, die erklären, warum Gewalt schlecht ist und warum Gewalt kontraproduktiv ist, wenn es um die Durchsetzung der eigenen Ideale geht. Aber die, die diesem Druck tagtäglich standhalten müssen, die sich jeden Morgen überlegen müssen, ob sie nun zwei Scheiben Brot essen oder doch lieber nur eine, die haben meistens gar nicht den Zugang zu dieser Bildung. Finanziell nicht und auch nicht zeitlich, denn diese Menschen haben ganz andere Dinge im Kopf. Und wenn bei diesen Menschen dann mal eine Sicherung durchbrennt, und sie sich an Gegenständen wie Autos oder Mülltonnen vergreifen, ist am Ende nur verständlich.

Die Verantwortung für dieses Handeln trägt die Politik. Sie kann tausend Mal wiederholen, dass Gewalt in der politischen Auseinandersetzung nichts zu tun hat, solange sie durch ihre Gesetze und durch ihr Handeln Gewalt ausübt. Gewalt an vielen Millionen Menschen, die keine Mittel haben, um sich dagegen zu wehren. Wer diesen neoliberalen Scheißdreck als alternativlos betitelt, der muss halt auch damit leben, dass denen, die durch diese neoliberale Politik ausgegrenzt werden, irgendwann die Hutschnur platzt. Und die Politik lebt es doch auch vor, dass durch Gewalt Probleme gelöst werden können. Oder was sind Kriegseinsätze, wenn sie keine Gewalt sind?

Und es gibt ja noch weitere Tendenzen, die in Europa inzwischen gut zu beobachten sind. Tendenzen, die, wenn die Politik nicht endlich gegensteuert, zu noch größerer Gewalt führen werden, als wir sie bei Blockupy gesehen haben. Ich rede von dem massiven Stimmzuwachs am rechten Parteienspektrum. Der übrigens auch in Griechenland droht, wenn Deutschland und die EU, die derzeitige linke Regierung scheitern lassen. Da sind mir jetzt ein paar brennende Mülltonnen doch lieber, als später wieder Massenvernichtungslager in Europa erleben zu müssen.

Ich weiß natürlich nicht, wer dort in Frankfurt die Mülltonnen und die Polizeiautos angezündet hat, aber wir Linken handeln falsch, wenn wir uns einfach nur von der Gewalt distanzieren. Wir müssen darauf hinweisen, warum es zu dieser Gewalt kommt. Wir müssen dorthin zeigen, wo diese Gewalt produziert wird und wir müssen, wenn wir auf Gewalt verzichten wollen, darauf hinwirken, dass der Staat eben auch auf Gewalt verzichtet.

Aber was viel wichtiger ist, und da bin ich wieder bei dem Thema politische Bildung und Kosten, wir müssen die Menschen, für die wir Politik machen wollen, mit ins Boot holen. Wir müssen Angebote der politischen Bildung schaffen, die für alle zugänglich ist, egal wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Es müssen auch Angebote sein, die auch zeitlich in Anspruch genommen werden können und sie müssen verständlich sein. Es bringt gar nichts, wenn eine „Elite“ von oben herab auf sie einredet, es muss auf Augenhöhe stattfinden. Nur wer weiß, warum sich linke Forderungen so schwer umsetzen lassen, wird sich nicht den einfachen Lösungen der rechten Seite zuwenden. Dazu muss aber auch wieder die Solidarität in der Gesellschaft verankert werden.

Wurzeln, das ist das Wort, dass vor zwei Wochen als Thema beim Blogideekasten ausgelost wurde. Ich wusste nicht wirklich, was ich damit anfangen soll, denn Wurzeln, das kann so viel sein. Ich könnte über essbare Wurzeln schreiben, über Wurzeln, über die ich beim Lauftraining schon gestolpert bin, oder, oder, oder. Aber es ist ja auch diese Herausforderung, die das Projekt Blogideekasten so spannend macht, und so habe ich mich auch zu diesem Thema wieder hingesetzt, und ein wenig Brainstorming durchgeführt.

Baumreihe

Wurzeln in der Natur

 

In der Natur sind Wurzeln für die Pflanzenwelt etwas Wichtiges. Sie verankern die Pflanzen nicht nur in der Erde, sondern sie versorgen die Pflanze auch mit wichtigen Nährstoffen, die sie mit dem Wasser aufnehmen, welches die Nährstoffe aus der Erde gelöst hat. Aber die Wurzeln ernähren nicht nur die Pflanzen, sie verhindern auch, dass Berghänge abrutschen oder das die fruchtbare Erde abgetragen wird und so das Land unfruchtbar wird. Die Wurzeln erfüllen also wichtige Funktionen, nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für die Tier- und Menschenwelt.

Der Nachteil von Wurzeln ist natürlich, dass die Pflanzen sich nicht fortbewegen können. Sie müssen ihr ganzen Leben an dem Ort verbringen, an dem sie ihre Wurzeln geschlagen haben, und sie können dort auch nicht weg, wenn die Menschen diesen Ort für sich entdecken und die Pflanzen verdrängen. Dieses Problem haben Tiere und Menschen nicht. Die können sich überall hinbewegen, besitzen also eine Freiheit, die Pflanzen nicht besitzen.

Menschen und Wurzeln

 

Menschen verwenden das Wort „Wurzeln“ auch als Synonym für Verbundenheit oder Verankerung. Es soll ausdrücken, dass ein Mensch in seiner Familie oder in seinem sozialen Umfeld verankert ist, wodurch die Freiheit eingeschränkt ist, weil der Mensch sich nur noch in gewissen Grenzen bewegen kann. Es drückt aber auch aus, dass dieser Mensch sich seine Kraft und seine Energie aus dieser Verwurzelung zieht, wodurch dieses Bild zu etwas Positivem wird.

Die Wirtschaft allerdings möchte aus dieser Verwurzelung des Menschen etwas Negatives machen. Menschen sollen keine Wurzeln schlagen, sie sollen möglichst flexibel bleiben, damit sie der Wirtschaft jederzeit an jedem Ort zur Verfügung stehen. Dadurch verändert sich nicht nur das Individuum, sondern der gesamte Zusammenhalt in einer Gesellschaft wird dadurch zerstört. Der soziale Mensch wird plötzlich zu einem Egoisten, der keine Wurzeln mehr hat, durch die er in schwierigen Zeiten Energie und Kraft aufnehmen kann.

Wurzeln sorgen also auch beim Menschen dafür, dass die Gesellschaft zusammengehalten wird, dass sie nicht erodiert, nur sind wir uns darüber noch nicht so wirklich bewusst.

Keine Regeln, keine Gesetze, eine neue Gesellschaft ist möglich und noch mehr Blablabla. So hat Sat1 sein Newtopia angekündigt. Doch was bekommt der Zuschauer? Der Zuschauer bekommt ein neues Big Brother vorgesetzt. Ja, es ist ein neues Konzept und es gibt keine dämlichen Aufgaben, aber es ist eben nicht mehr, als ein Bauernhof, der das Bedürfnis des Voyeurismus befriedigt.

Keine Regeln, keine Gesetze

 

Laut Sat1 soll es in Newtopia keine Regeln und Gesetze geben. Die Gruppe, die sich auf das Abenteuer eingelassen hat, soll diese selbst gestalten und dadurch eine neue Gesellschaft gründen. Doch natürlich ist das Schwachsinn, denn Newtopia befindet sich in Deutschland! Somit gilt in Newtopia sowohl das deutsche Grundgesetz, wie auch alle anderen Gesetze, die in Deutschland gültig sind.

Nehmen wir also an, die Bewohner von Newtopia würden entscheiden, dass in Newtopia der Anbau, Besitz und Konsum von Drogen legal wäre. Was würde wohl passieren? Genau, die Polizei würde in Newtopia einrücken, die Drogen beschlagnahmen, die Personalien aufnehmen und Anzeige gegen die Bewohner erstatten. Aber soweit müssen wir ja gar nicht gehen, es sind ja schon die einfachen Dinge, welche die Grenzen aufzeigen. Einfach eine kleine Hütte bauen? Das ist nur möglich, wenn es eine Baugenehmigung dafür gibt – ist natürlich sehr hilfreich, wenn dort eine eigene, neue Gesellschaft entstehen soll.

Dasselbe gilt übrigens auch für andere Dinge. Wie sieht es mit dem Eigentumsrecht aus? Wie mit geistigem Eigentum? Wenn die Gesellschaft dort neue Wege gehen will, wie sieht es dann mit dem Eigentum der Menschen aus, die nicht in der Gesellschaft leben? Was wäre zum Beispiel, wenn die Leute dort beschließen, dass der illegale Download von Musik keine Straftat ist? Richtig, dies wäre scheiß egal, sie würden dennoch dafür vor Gericht gestellt.

Sat1 schwindelt also schon, wenn sie behaupten, dass dort keine Regeln gelten, denn das Grundgesetz und die anderen Gesetze in Deutschland sind Regeln und diese gelten auf jeden Fall für die Bewohner von Newtopia.

Damit steht auch Fazit Nummer eins fest: In Newtopia kann keine neue Gesellschaft entstehen. Die Gruppe kann versuchen sich autark zu versorgen, sodass sie eventuell ein neues Wirtschaftssystem leben könnten. Natürlich auch nur in den Grenzen der Gesetze der Bundesrepublik. Bedeutet, sie müssten genügend Geld verdienen, um ihre Krankenversicherung zu zahlen, denn diese ist Pflicht in Deutschland, sie müssten ein Gewerbe anmelden, damit sie Geld verdienen dürfen und sie müssten notfalls auch Steuern zahlen. Nun ja, was bliebe dann noch vom eigenen Wirtschaftssystem?

Autarkes Leben

 

Vielleicht hätte das Experiment spannend werden können, wenn der „Bauernhof“ vollkommen von der Außenwelt abgeschottet wäre und die Bewohner sich autark versorgen müssten. Dazu hätte dann aber gehört, dass dort für die Anfangszeit das Lebensnotwendige zur Verfügung steht, damit die Bewohner von Newtopia die Grundlagen hätten schaffen können, um sich autark versorgen zu können. Hinzu kommt, dass die Nahrung ja nicht alles ist, um eine neue Gesellschaft zu gründen. Was ist zum Beispiel mit der medizinischen Versorgung? Auch das gehört zu einer Gesellschaft dazu, genau wie viele andere Dinge, die in Newtopia einfach nicht möglich sind.

Damit dann auch Fazit Nummer zwei: In Newtopia ist die Gesellschaft gar nicht ausreichend abgebildet, was wiederum ein Grund ist, warum in Newtopia keine neue Gesellschaft entstehen kann. Eine autarke Versorgung der Grundbedürfnisse erweitert zwar die Unabhängigkeit, aber es bleiben genügend Abhängigkeiten zur Außenwelt und zum kapitalistischen System bestehen.

Rauswählen von Bewohnern

 

Was zum Konzept nun aber überhaupt nicht passt, ist, dass jeden Monat irgendwer Newtopia verlassen muss. Hallo? Die Leute starten dort, sollen etwas Neues erschaffen, leben aber jeden Monat mit der Angst, dass sie das Projekt verlassen müssen. Was soll dabei entstehen? Es entsteht doch höchstens die Angst davor, etwas Falsches zu machen, und dafür von den anderen abgestraft zu werden. Es entsteht also Wettbewerb! Es kann also nicht einmal eine Gesellschaft ohne Wettbewerbsdruck entstehen.

Und was mir dann noch ganz übel aufstößt, ist, wenn der Sendeleiter in einer ganzen Sendung Stimmung gegen eine einzelne Person macht. Der Zuschauer kann diese Person ja mögen oder nicht, aber wenn die gesamte Folge darauf zugeschnitten ist, eine einzelne Person an den Pranger zu stellen, weil dessen Lebensweise eben nicht der entspricht, die ein Mensch mit westlicher Prägung erwartet, dann ist es einfach nur zum Kotzen und zeigt deutlich, worauf diese Sendung aus ist. Diese Sendung möchte, dass Menschen scheitern! Diese Sendung möchte nichts Neues erschaffen, diese Sendung will, dass Menschen zerbrechen und die Sendung möchte, dass die Alternativlosigkeit des westlichen Gesellschaftssystems in den Köpfen verankert wird.

Baumreihe

Da schalte ich nachts auf Deutschlandradio Kultur um, weil ich mich ein wenig berieseln lassen will, und stolpere dabei in eine Sendung, die mich, obwohl ich erst am Schluss eingeschaltet habe, doch ziemlich sprachlos machte. Ich habe keine Ahnung wie diese Sendung heißt und ich weiß auch nicht genau, was das Thema war, aber die Anrufer, die dort in der Sendung ihre Meinung gesagt haben, lassen mich immer mehr an dieser Gesellschaft zweifeln.

Da ruft eine Dame an, die schon über 80 Jahre alt ist, um sich darüber zu beschweren, dass sie sich nicht einschläfern lassen kann. Sie will sich einschläfern lassen, damit sie nicht auf Kosten anderer lebt und damit sie ja nicht zu einem Pflegefall wird. Das erschüttert mich, weil ich mich frage, in was für einer Gesellschaft wir leben, in der Menschen Angst davor haben alt zu werden?

Ich kann durchaus verstehen, dass jemand sterben will, weil er eine schwere Krankheit hat, oder weil er sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen kann, aber die Angst davor, auf Kosten anderer zu leben, sehe ich nicht als Grund für aktive Sterbehilfe. Und doch wollte führte diese ältere Dame genau das an. Sie möchte nicht auf Kosten anderer leben! Das ist gute kapitalistische Erziehung! Wer nicht produktiv ist, der fällt, so die kapitalistische Lehre, dieser Gesellschaft nur zur Last. Viel besser wäre es doch, wenn es nach den Kapitalisten geht, wenn die Leute sofort sterben, wenn sie für die Produktion nicht mehr zu gebrauchen sind. Sie sollen, so wie Maschinen auch, sofort auf dem Schrottplatz landen, ohne weitere Kosten zu verursachen.

Es ist traurig, dass genau dieses Denken bei uns so weit verbreitet ist. Es ist traurig, wenn alte Menschen denken, dass sie auf Kosten anderer Menschen leben, und noch trauriger ist es, dass sie der Meinung sind, dass das Sterben dann ein besserer Weg ist. Aber es ging ja nicht nur um die Kosten, sondern auch um die Pflege. Denn sie möchte auch nicht zum Pflegefall werden. Warum? Weil die Pflege bei uns, wenn man auf die Bezahlung schaut, zu einem Bereich mit wenig Anerkennung gehört. Auch der Pflegebereich muss sich in das kapitalistische System einfügen und somit möglichst große Profite erwirtschaften. Das geht sogar soweit, dass die Pflegekräfte nur wenige Minuten Zeit haben, um einen Menschen zu versorgen. In dieser Zeit müssen sie aber auch noch den Schriftkram machen. Das müsste sich ändern! Es müssten sehr viel mehr Menschen im sozialen Bereich arbeiten, was aber nur möglich ist, wenn dieser Beruf auch finanziell endlich den Status erhält, den er in unserer Gesellschaft verdient. Der soziale Sektor, also auch die Pflege, gehört zu dem wichtigsten Dienstleistungsbereich in unserer Gesellschaft – nur leider gehört er auch zu dem Bereich, mit dem man nicht wirkliche große Profite machen kann. Und gerade der letzte Punkt ist auch ein Grund dafür, warum wir den Kapitalismus überwinden müssen, denn in den Mittelpunkt der Wirtschaft gehört der Mensch und nicht der Profit!

Wie oben schon erwähnt, bin ich sprachlos. Ich bin sprachlos über die Gesellschaft, in der wir leben. Ich bin sprachlos über die Denkweise, die sich in unserer Gesellschaft etabliert hat. Ich bin sprachlos darüber, dass alte Menschen Angst davor haben noch älter zu werden und das sie aus dieser Angst heraus ihr Leben nicht genießen können, obwohl sie sich das verdient haben. Sie haben Jahrzehnte lang dafür gesorgt, dass dieses System funktioniert, dass es Profite abwirft, dass der Nachwuchs gegeben ist und vieles mehr. Sie haben soviel für diese Gesellschaft getan und dann haben sie am Ende ihres Lebens auch recht auf Würde, auf Spaß, auf Luxus, um es mal deutlich auszusprechen. Und ja, auch wenn sie 100 werden, sind sie immer noch Menschen, die, zumindest in der Gesellschaft, in der ich leben möchte, einen Platz verdient haben. Menschen, die sich keine Gedanken darüber machen müssen, wer für die Kosten aufkommt, die sie verursachen und die auch wissen, dass sie, wenn sie Pflege brauchen, liebevolle Menschen haben, die sich um sie kümmern, und zwar nicht deswegen, weil sie Profite machen wollen, sondern weil sie dem Menschen helfen wollen.

Und wenn man am Ende dann wirklich nur noch Schmerzen hat und sich nicht mehr bewegen kann, dann sollte es auch die Möglichkeit geben, dass dieser Mensch in Würde die Erde verlässt, indem er sich bewusst für den Tod entscheidet.

Kalt ist es draußen und dunkel. Der Regen fällt unbeeindruckt vom Himmel und die Autos fahren unbeirrt durch die Stadt. Es ist 18 Uhr, vor einem Lidl am Berliner Ostkreuz sammelt sich langsam eine kleine Gruppe von Menschen, nicht zufällig, nein diese Menschen haben an diesem Abend ein gemeinsames Ziel. Einige haben schwere Tüten bei sich, andere wollen einfach nur mithelfen und wieder andere gehen noch einmal in die Kaufhalle, um noch die letzten Zutaten für das Essen zu kaufen, welches sie gleich gemeinsam kochen werden.

Danach zieht die Gruppe weiter, in einen kleinen Unterschlupf, wo sie gemeinsam kochen können. Einige schnappen sich die Zwiebeln, andere die Karotten, um diese vorzubereiten. Gemeinsam macht kochen viel mehr Spaß und in der Gesellschaft vergeht auch die Zeit schneller, bis das Essen fertig ist. In der Zwischenzeit werden noch interessante Gespräche geführt, dann wird das Essen probiert, bevor es an die Obdachlosen in Berlin verteilt wird.

All dies geschieht jeden Mittwoch in Berlin. Organisiert wird das Ganze über Facebook, wobei die Kältenothilfe Berlin schon einen festen Kern hat. Aber natürlich sind auch neue Mitglieder immer willkommen – warme Klamotten und Zutaten für das Essen natürlich auch.

Nachdem das Essen gekocht ist, ziehen die Leute los. Im Gepäck haben sie das frisch gekochte Essen, warmen Tee, ein paar Brötchen und Kuchen, die ebenfalls gespendet wurden, und natürlich auch warme Klamotten und Decken, wenn welche gespendet wurden. Gemeinsam setzt sich die Gruppe der Kältenothilfe Berlin dann in die S-Bahn, mit welcher sie dann zum Beispiel zum Ostbahnhof fahren. Hier beginnt dann die Tour, obwohl es regnet und obwohl es verdammt kalt ist. Unterwegs verteilen sie das Essen dann an die Obdachlosen, die sie treffen. Ab und zu wird auch ein Gespräch geführt, denn ausgegrenzt werden Obdachlose schon von anderen.

Jeden Mittwoch bringen die Jungs und Mädels von der Kältenothilfe Wärme zu den Obdachlosen. Sie kümmern sich um diese Menschen, geben ihnen Zeit und Essen. Sie zeigen, dass auch im Kapitalismus sich Menschen noch um andere Menschen kümmern können – dass der Egoismus noch nicht gesiegt hat.

Ich finde es immer wieder lustig, wenn Nacktheit zum Verbrechen gemacht wird. Ich meine, Nacktheit ist das normalste auf der Welt. Wenn Menschen sich aber nackt in der Öffentlichkeit bewegen, wird das gleich zu einem Verbrechen und unanständig. Versteht mich nicht falsch, ich rede jetzt nicht von Menschen, die sich vor anderen hinstellen und ihre Geschlechtsteile zeigen, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich rede von denen, die einfach nur nackt draußen herumlaufen wollen, weil sie das natürlich finden, weil sie Kleider ablehnen.

Sicher ist das ein ungewohnter Anblick, aber ist er wirklich so schlimm?

Nacktheit wird in unserer Gesellschaft weggesperrt. Es gibt Nacktwanderwege und Nacktbadestrände, aber all diese Dinge sind „hinter Gittern“, damit die bekleideten Menschen, und vor allem die Kinder dieser Menschen, die Nacktheit nicht mitbekommen. Es scheint etwas Unnatürliches zu sein, der Körper scheint etwas Unnatürliches zu sein und er scheint etwas abstoßendes zu haben, denn ansonsten würden sich die Menschen nicht so darüber aufregen.

Ich selbst würde auch nicht nackt draußen rumlaufen, ich würde mich unwohl fühlen, weil ich es so gelernt habe. Aber das bedeutet ja nicht, dass Nacktheit abnormal ist..

Im Gegenteil, der Mensch wird nackt geboren und hätte der Mensch keine Kleidung erfunden, würde er auch nackt durchs Leben gehen. Warum wird Nacktheit also zum Verbrechen gemacht? Weil es gegen Normen verstößt? Weil es mit unserer Moral nicht zu vereinbaren ist? Weil Nacktheit mit Sexualität gleichgestellt wird? Ich verstehe es nicht!

Wie sieht es bei euch aus? Würdet ihr gleich die Polizei rufen, wenn ihr draußen jemanden nackt herumlaufen sehen würdet? Ist Nacktheit für euch auch etwas unnatürliches? Wenn ja, warum?

Ich würde ja gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Was bringt es, wenn ich von Obdachlosen schreibe, die nachts unter der Brücke schlafen, weil sie keine Unterkunft haben? Was bringt es, wenn ich davon schreibe, dass diese Menschen im Winter frieren und einige sogar erfrieren? Dass sie dies tun in einem der reichsten Länder der Welt! Was bringt es? Was bringt es, wenn man als Antwort bekommt, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss, weil wir ein super Sozialsystem haben, das alle Bürger mit deutschem Pass auffängt?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, aber was bringt es?

Wenn ich schreiben würde, dass es vielen Menschen auf dieser Welt schlecht geht, weil es uns gut geht, was würde das bringen? Wenn ich von Ausbeutung schreiben würde und von Armut und Hunger, was bringt das schon? Es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, dass wir den Menschen Arbeit bringen, dass sie deswegen dankbar sein müssten und dass sich diese Menschen selbst aus ihrer Armut und aus ihrem Hunger befreien sollen.

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch ich wüsste nicht was, denn es bringt nichts!

Deutschland exportiert Waffen in andere Länder und wundert sich, wenn Krieg ist. Sollte ich vielleicht schreiben, dass Waffen Menschen töten, weil sie genau dafür gebaut wurden? Ich weiß, Waffen töten nicht, würdet ihr sagen, sondern der Mensch tötet. Also was würde es bringen, wenn ich was dazu schreibe?

Es bringt nichts!

Ich würde gerne etwas schreiben, doch alles, was ich bisher schrieb, wurde nur ausgelacht! Ich würde gerne, aber es bringt nichts!

Eine bessere Welt, dass wollen viele, aber was bedeutet eine bessere Welt? Besser für mich? Besser für Deutschland? Besser für die ganze Welt? Und warum besser, wenn es mir doch gut geht? Sollen sich die anderen doch anstrengen, damit es ihnen gut geht! Solange ich nichts abgeben muss, solange zeige ich sogar meine Solidarität, aber nur dann und auch nur, wenn ich diese verdammten Probleme nicht direkt vor meiner Haustür erleben muss! Und wenn die Omi Brot klaut, weil die Rente nicht reicht, dann gehört sie in den Knast, weil das geklaute Brot keinen Profit generiert. Nicht in den Knast gehört dagegen ein Fußballmanager, der Steuern hinterzieht, weil er doch soviel gutes für die Gesellschaft gemacht hat.

Ich würde gerne etwas schreiben, aber es bringt nichts! Ich könnte heulen, wenn ich die Welt sehe, aber es bringt nichts!

Ich bin sprachlos, ich werde immer sprachloser und ich weiß gar nicht, wie man diese Sprachlosigkeit noch steigern soll. Ich surfe durchs Web, lese Kommentare, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich lese Zeitungsartikel, lese Kriegshetze, schüttel mit dem Kopf und bin sprachlos. Ich sehe massenweise Essen, welches vernichtet wird, sehe Menschen hungern, sehe die Zerstörung von Nahrung und bin sprachlos. Ich sehe diese Welt und bin sprachlos.

Ich würde gerne etwas schreiben, hab es lange versucht, doch es bringt nichts!