Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Ich stehe nun schon seit vielen Jahrzehnten hier – immer an dieser Stelle und zu jeder Jahreszeit. Im Sommer genauso wie im Winter, auch wenn es schneit, regnet und stürmt. Das ist auch kein Wunder, denn ich bin fest verwurzelt mit dieser Erde.

Schon seit einigen Jahren läuft hier jeden Abend eine Joggerin lang, nein das ist falsch, es laufen hier jeden Abend zwei Joggerinnen lang. Ich kann sie immer schon aus der Ferne sehen, die Menschen, wie sie sich mit ihren beiden Beinen fortbewegen. Das ist durch meine Größe möglich, und ich bin immer neidisch auf die Menschen. Ich würde mich auch gerne fortbewegen können, würde auch gerne die Welt sehen, dass Meer, von welchem mir die Vögel immer berichten. Jedes Jahr erzählen sie mir davon, immer wenn sie hier vorbeikommen, hier einen Halt machen.

Heute war die Joggerin nicht mit ihrer Freundin unterwegs. Ich weiß, nicht warum, denn sie waren immer zu zweit. Aber sie war auch nicht alleine, jemand folgte ihr. Ich konnte ihre Angst spüren, konnte sehen, wie sie schneller wurde. Leider konzentrierte sie sich nicht auf den Weg, denn dann hätte sie meine Wurzel sehen können. Wenn mich die Menschen verstehen würden, dann hätte ich ihr noch zugerufen, dass sie dort ist, dort wo sie schon immer ist. Leider kann ich meine Wurzeln nicht bewegen, ich kann mich leider überhaupt nicht bewegen. Wenn ich das könnte, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Da ich es aber nicht kann, musste ich mitansehen, wie die Joggerin das erste Mal über meine Wurzel fiel. Das ist ihr bisher noch nie passiert und das, obwohl sie schon so lange hier langläuft. Als sie sich mit ihren Händen abfing, um nicht mit dem Gesicht auf den Boden aufzuschlagen, viel ihr etwas vom Armgelenk. Viele Menschen laufen damit herum, wozu es da ist, dass weiß ich leider nicht.

Auf einmal war er da, die zweite Person, die ihr folgte. Er war schnell, der zweite Mensch. Er trat von hinten an ihr heran, griff nach ihr, ein Knacken folgte und in der ferne lachte eine Ente. Auf einmal war die Joggerin ganz ruhig, sie bewegte sich nicht mehr, atmete nicht mehr, sie war tot. Ihr Verfolger packte den leblosen Körper und brachte ihn weg, aber nicht weit weg, sondern in ein Haus, in welchem schon seit Jahren kein Mensch mehr lebte. Er verschwand mit ihr in diesem Haus und tauchte erst am frühen Morgen wieder auf, ohne die Joggerin. Er schaute sich kurz um und ging vom Haus weg. Irgendwann konnte ich ihn dann nicht mehr sehen.

Später kamen dann viele andere Menschen hierher. Sie suchten die Joggerin und fanden nur das Teil, welches ihr gestern vom Armgelenk gefallen ist. Auch den vielen Menschen konnte ich bei ihrer Suche nicht helfen, obwohl ich wusste, wo die Joggerin ist. Aber die Menschen verstehen mich leider nicht!

Hier findet ihr den zweiten Teil von der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 2

Und hier findet ihr den ersten Teil der Kurzgeschichte : Die lachende Ente – Teil 1

Hatte sie ihn gesehen? Er war gerade dabei in ein leer stehendes Haus einzusteigen, in welchem er die Nacht verbringen wollte. Genau in diesem Moment lief die Joggerin an dem Grundstück vorbei und er hätte schwören können, dass sie ihm genau in die Augen gesehen hat. Wenn sie ihn wirklich gesehen hatte, dann würde die Joggerin wahrscheinlich die Polizei rufen und dieses Risiko konnte er nicht eingehen. Nicht er, wo seine DNA doch bundesweit gesucht wird. Wer weiß, ob die Polizei nicht auf die Idee kommen würde, eine DNA-Probe von ihm zu nehmen, sobald sie ihn wegen Einbruchs verhaftet hatte? Dieses Risiko war ihm einfach zu groß. Sicher könnte es auch Einbildung sein und die Joggerin hatte ihn gar nicht gesehen. Aber das wusste er nicht und sollte es so sein, dann war die Joggerin eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie hätte ja fünf Minuten vorher hier langlaufen können, oder fünf Minuten später. Dass sie es genau in diesem Moment getan hatte, das war nicht sein Problem, das war ihres.

Er machte sich auf dem Weg, leise, fast unsichtbar schlich er durch die Nacht. Die Joggerin hatte er immer im Auge. Er merkte, dass sie immer nervöser wurde, irgendwas hatte sie. Wahrscheinlich hatte sie ihn wirklich gesehen und hatte nun Angst, dass er sie verfolgt. Was er ja auch tat, aber das wusste sie nicht. Sie wurde immer schneller, er konnte förmlich hören, wie ihr Puls explodierte und sehen konnte er, dass sie sich nicht mehr auf den Weg konzentrierte.

Er erinnerte sich an sein erstes Opfer. Sie war zwar keine Joggerin, aber als sie erkannte, was er vorhatte, da fing auch sie an, zu laufen. Damals konnte er ebenfalls fühlen, wie ihr Puls explodierte, wie das Adrenalin durch ihre Adern schoss und wie sie sich nicht auf den Weg konzentrierte. Er konnte ihren Instinkt verstehen, sie wollte weg, wollte noch nicht sterben aber er hatte sie auserwählt. Sie sollte sein erstes Opfer sein, er wollte sie und niemand anderen. Dass sie weglief, das erregte ihn nur noch mehr. Er wollte sie haben und er bekam sie auch, damals.

Inzwischen waren es schon sehr viel mehr Opfer geworden, alle sahen sie sich ähnlich, alle gefielen sie ihm und alle wollte er haben. Und er bekam sie alle, hatte Macht über sie, sie mussten machen, was er von ihnen wollte und das in den letzten Minuten ihres Lebens.

Heute war es aber anders, diesmal wollte er sie gar nicht, sie sieht zwar nicht schlecht aus, aber sie ist nicht die Art Frau, welche er begehrt. Sie war einfach nur zur falschen Zeit an ihm vorbei gelaufen. Plötzlich sah er sie stolpern, sie fiel über eine Baumwurzel, ihr Trainingscomputer fiel ihr vom Handgelenk. Er würde es für sie kurz machen, schmerzlos, nicht so wie bei seinen eigentlichen Opfern. Während er seine Tat ausführte, hörte er eine lachende Ente. Ob sie das wohl auch getan hätte, wenn sie wüsste, was hier gerade geschah?

Am nächsten Tag war er schon weit weg. Die Leiche der Frau lag in seinem Versteck, und bevor die Polizei sie finden würde, ist er schon wieder mehrere Hundert Kilometer entfernt. Die Joggerin tat ihm leid, sie hätte nicht sterben müssen. Als er an einem kleinen Laden vorbeikam, konnte er kurz den Nachrichten lauschen. Die Polizei sucht schon nach ihr, Sabrina hieß sie. Sie bittet um Hilfe bei der Suche nach der Vermissten. Vielleicht würde er am Abend kurz anrufen, und einen anonymen Tipp geben.

Teil 1 der Kurzgeschichte findet ihr hier: Die lachende Ente – Teil1 – Kurzgeschichte

Wie jeden Abend machte sich Sabrina für ihr Lauftraining bereit. Sie befüllte ihre Trinkflaschen mit warmen Tee, steckte die Flaschen in ihren Gürtel und startete ihren Trainingscomputer. Danach nahm sie ihren Schlüssel, öffnete die Tür und betrat den Flur. Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, trat sie ins Freie, atmetet einmal tief ein und genoss die frische, kalte Luft, welche sich in ihren Lungen ausbreitete. Danach lief sie los, nachdem der Trainingscomputer den Satelliten gefunden hatte und sie die Aufzeichnung ihrer Daten gestartet hatte.

Heute lief sie das erste Mal alleine, nachdem sich am Vortag ihre Freundin verletzt hatte. Sie stolperte über einen Stein und verstauchte sich dabei den Knöchel. Für Sabrina war das kein Grund mit dem Training auszusetzen. Es war zwar Winter, und somit schon ziemlich dunkel, als sie loslief, aber davor hatte sie keine Angst, denn in ihrer Gegend war bisher noch nie etwas passiert.

Ihre Laufstrecke führte an einem Fluss entlang. Sie liebte diese Strecke, denn hier lag noch ein besonderer Geruch in der Luft. Außerdem beruhigte sie der Anblick des Wassers, die kleinen Wellen, welche die Oberfläche des Wassers bedeckten. Ebenso liebte sie es, den Enten nachzusehen, wie sie langsam über das Wasser schwammen, oder den Schwänen, wenn sie ihren Kopf zwischen ihren Flügeln steckten. Sie liebte es auch, wenn die Lichter der Häuser, welche auf der anderen Seite des Ufers standen, vom Wasser reflektiert werden. Eigentlich liebte sie alles an der Strecke! Die Bäume, die Blätter, der Boden, der ziemlich weich war, da es keinen Beton gab, der ihn zupflasterte.

Doch an diesem Abend war etwas anders. Nachdem sie die Hälfte der Strecke hinter sich hatte, fühlte sie sich plötzlich beobachtet. Sie schaute sich um, doch da war nirgendwo jemand. Sie wurde schneller und schneller, wusste aber nicht wieso. Irgendetwas war da, irgendwer folgt ihr, machte ihr Angst. Überall sah sie jetzt jemanden, der Baumstamm, den sie schon hundert Mal gesehen hatte, sah plötzlich aus wie ein Mensch. Hinter jedem Baum, der sich bewegte, sah sie einen Menschen, der auf sie zukam. Sabrina wurde immer nervöser, ihr Puls ging noch weiter in die Höhe, Adrenalin schoss durch ihren Körper und plötzlich stolperte sie über eine Baumwurzel, an die sie überhaupt nicht mehr gedacht hatte, obwohl sie schon seit Jahren an dieser Stelle ist.

Das Lachen einer Ente war das letzte was sie hörte.

Am nächsten Tag suchte ein Polizeiaufgebot nach Sabrina, nachdem sie in der Nacht nicht nach Hause gekommen war. Ihr Mann hatte sie als vermisst gemeldet und hoffte nun, dass sie nur etwas Abstand brauchte und sich irgendwo ein Hotelzimmer genommen hat. Doch als die Polizei neben einer Baumwurzel den Trainingscomputer von Sabrina fand, war ihrem Mann sofort klar, dass sie kein Hotelzimmer genommen hat.