Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Routinen. Erst vor Kurzem hatte ich in meinem Forum eine Diskussion darüber, was ich von der Routine im Job halte. Um es kurz zu sagen, ich halte nicht viel von Routine und somit auch nicht von Routinen.

Wenn es wieder Langweilig wird

 

Wenn ein Job zur Routine wird, wird er Langweilig. Wenn alle Arbeitsprozesse einmal durchgespielt sind, und es kein Potential mehr gibt, um sich zu verbessern, dann verliert der Job für mich an Herausforderung. Deswegen kann ich es mir auch nicht vorstellen, mein ganzes Arbeitsleben lang nur in einem Unternehmen zu arbeiten. Ich möchte es mir auch gar nicht vorstellen, denn es wäre ein Langweiliges Leben.

Ich weiß natürlich, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das für ihr Leben wünschen. Es gibt viele Menschen, die lieben es, Routinen zu entwickeln und diese dann ihr ganzes Leben lang auszuführen. Sie wollen das Gefühl von Sicherheit, was ich ihnen nicht übel nehmen kann. Im Gegenteil, ich glaube, dass Gefühl von Sicherheit möchte jeder. Auch ich würde mich freuen, wenn ich auf meinem Konto eine gewisse Reserve hätte, aber das ist eben etwas anderes als die Routine im Job.

Hinzu kommt, dass ich davon ausgehe, dass ich meinen Job nicht wirklich gut ausüben würde, wenn ich mich in diesem Langweile. Ich glaube, darunter würde meine Arbeit leiden und das wäre dann auch dem Arbeitgeber gegenüber Unfair, obwohl es da natürlich auch Gründe gibt, die mein Mitleid gegenüber dem Arbeitgeber in Grenzen hält. Aber ich wäre auch selbst nicht glücklich, wenn ich meine Leistung nicht mehr zu hundert Prozent der Arbeit widmen könnte.

Ich liebe Herausforderungen, ich brauche Herausforderungen, um mich selbst weiter zu entwickeln, um mich lebendig zu fühlen. Deswegen wären Routinen im Beruf tödlich für mich, deswegen halte ich nichts von Routinen im Job, deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen, ein ganzes Leben lang in einem Unternehmen zu arbeiten.

Routinen im Alltag

 

So wie ich Routinen im Arbeitsleben nicht mag, mag ich sie auch im Alltag nicht. Dennoch habe ich Routinen, da muss ich ehrlich sein. Mein Lauftraining zum Beispiel. Ja, mein Lauftraining ist eine Routine, ich habe sogar eine Standard-Laufstrecke, die ich meistens laufe. Ich muss zugeben, die Laufstrecke ist inzwischen ziemlich langweilig geworden, aber da ich die mit meinem Laufpartner zusammen laufe, sind es die Gespräche, die Abwechslung rein bringen. Wenn ich alleine Laufe, laufe ich meistens einfach spontan irgendwo durch die Stadt, ohne zu wissen, wie lang der Lauf wohl wird und auch ohne zu wissen, wo er mich lang führt. Das ist dann so ein wenig mein Ausbruch aus der Routine, aber das Laufen selbst ist natürlich auch eine Routine, aber diese lässt sich eben nicht vermeiden.

Ich habe noch andere Routinen im Alltag. Der Wochenrückblick zum Beispiel, den ich regelmäßig hier im Blog veröffentliche oder das Zähneputzen, aber ich versuche, mein Leben nicht zu einer einzigen Routine werden zu lassen. Ich versuche neugierig zu bleiben, neues zu entdecken, neues zu erleben. Wer nicht mehr neugierig ist, hat einen wichtigen Antrieb im Leben verloren, wer nichts Neues mehr im Leben erleben möchte, wird sich auch nicht mehr weiterentwickeln können. Wer sein Leben durch Routinen bestimmen lässt, wird Langweilig. Langweilig für sich selbst und auch Langweilig für andere Menschen. Viel schlimmer ist aber die Berechenbarkeit, die sich durch Routinen ergibt.

Ja, Routinen sind nicht zu vermeiden, aber sie sollten auf ein Minimum beschränkt werden. Nur wer sich sein Leben nicht durch Routinen diktieren lässt, wird nicht irgendwann in Langeweile ersaufen. Nur wer Neugierig bleibt, wird sein Leben bis zum letzten Atemzug genießen können. Also gestaltet euer Leben so, dass es nur ein Minimum an Routinen enthält, damit maximaler Platz für Neugier bleibt, fürs Leben, fürs Erleben.

Die Burn-out-Erkrankungen häufen sich, immer mehr Menschen kommen mit dem Druck nicht mehr klar, der auf ihren Schultern lastet. Einfach Aussteigen, einmal nicht mehr an diesem Leben teilnehmen und durch die Welt wandern, das ist es was viele wollen, aber sich nur die wenigsten leisten können. Nicht jeder hat genügend Ersparnisse auf dem Konto, um den Beruf für ein Jahr hinter sich zu lassen und neue Kraft und Kreativität zu sammeln. Wenn man einfach mal losgehen könnte, wie Hape Kerkeling, um den Jakobsweg zu erkunden, würden das viele sicher einmal machen. Die Realität sieht aber anders aus! Wer heute noch etwas erreichen will, muss sich voll und ganz seiner Arbeit hingeben. Man muss der Beste sein, der die Stelle besetzen kann, ansonsten wird man schnell ausgetauscht.

Das Ganze beginnt aber schon sehr viel Früher, in der Schule, wo die Kinder Leistung bringen müssen, damit sie es in ihrem späteren Leben zu etwas bringen. Ein Hauptschulabschluss bringt einen nicht mehr weiter, ein guter Realschulabschluss muss es schon sein, wenn man es beruflich zu etwas bringen möchte. Das Problem daran, man muss funktionieren, muss dem entsprechen, was auf der Schule gefordert wird. Besondere Ansprüche an das Lernumfeld darf man nicht stellen, auch nicht an die Art und Weise, wie an den Schulen unterrichtet wird. Das bedeutet Stress und Druck, schon in der Schule.

Ich möchte nicht sagen, dass dies nicht schon früher so war. Aber wenn man in der Schule versagt hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass man keine Zukunft hat. Früher wurde nicht nur auf die Schulnoten geschaut, sondern auch auf das handwerkliche Können eines Bewerbers. Hinzu kommt, dass es nach dem Krieg auch genügend Arbeit zu verteilen gab und jeder, der arbeiten wollte, auch eine Arbeitsstelle bekommen hat. Wenn man gut qualifiziert war, konnte man sich seine Arbeitsstelle aussuchen und musste sich keine wirklichen Sorgen machen. Man konnte es schon etwas entspannter angehen – das Leben.

Heute ist das nicht mehr der Fall. Man muss gut qualifiziert sein, um eine Chance auf einen Sozialversicherungspflichtigen Job zu haben. Selbst Menschen mit einem Studium müssen zum Arbeitsamt gehen, um von diesem Geld zum Leben zu bekommen.Der Druck auf den einzelnen Arbeitnehmer steigt, er muss funktionieren, muss besser sein als der Rest und darf sich kaum Fehler erlauben. Dieser Druck kann nicht gesund sein, er engt die Kreativität ein und hindert einen daran, seine volle Leistungsfähigkeit zu entfalten. Dieser Druck kann eigentlich nur dazu führen, dass man krank wird. Wie sich das dann bei einer Einzelperson zeigt, ist unterschiedlich. Der eine findet seinen Ausgleich, indem er jeden Tag Alkohol trinkt, der andere geht joggen oder versucht sich in der Freizeit zu verwirklichen. Es gibt aber auch Menschen bei denen geht irgendwann gar nichts mehr! Diese Menschen sind durch den Druck innerlich ausgebrannt, sie sind leer und orientierungslos. Das Schlimme ist, dass es immer mehr Menschen gibt, die am Burn-out-Syndrom erkranken.

Meiner Meinung nach wird das die neue „Volkskrankheit“ werden. Es werden immer mehr Menschen daran erkranken, sie werden nicht mehr in der Lage sein in ihren Beruf zu arbeiten, weil sie einfach schon zu sehr unter Druck gesetzt wurden, damit eine Minderheit sich von den Gewinnen ein Vermögen aufbauen kann. Wenn es nicht bald wieder menschlicher zugeht in Unternehmen, was im Kapitalismus in seiner heutigen Form nicht möglich ist, wird es immer mehr Menschen geben, die diesem Druck nicht mehr gewachsen sind. Früher ging es familiär in Unternehmen zu, man kannte sich, man respektierte sich, unternahm vieles miteinander und arbeitete miteinander. Heute ist das nicht mehr der Fall. Sicher trifft man sich immer noch miteinander und unternimmt einiges zusammen, aber wenn es um die eigene Arbeitsstelle geht, da ist man Einzelkämpfer, immer um seine eigenen Vorteile bedacht.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung zu dem Thema? Gibt es das Burn-out-Syndrom überhaupt?