Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Der Tag nach dem Anruf ist der Tag, an dem die bohrenden Fragen kommen. Hättest du es merken können? Hättest du es verhindern können? Hättest du es bemerken müssen?

Ich bin mir sicher, dass sich diese Fragen alle Angehörigen stellen. Fragen, auf die es keine Antworten gibt, auf die es nie Antworten geben wird. Der Mensch, der sie beantworten könnte, lebt nicht mehr. Er kann nicht mehr sagen, warum er diesen Weg gewählt hat. Er kann nicht mehr sagen, wie wir ihm hätten helfen können.

Sicher ist, dass der Entschluss nicht von jetzt auf gleich kam. Sicher ist auch, dass wir uns diese Gedanken viel zu spät machen. Warum haben wir eigentlich so wenig Zeit für einen Menschen, den wir lieben? Warum leben wir aneinander vorbei und nicht miteinander? Es waren ja nur ein paar Kilometer, vielleicht zehn oder zwölf. Warum sind wir, warum bin ich nicht mehrmals in der Woche zu ihm gefahren? Warum habe ich meinen kleinen Eric allein gelassen?

Der Tag danach ist der Tag, an dem du auf die Straße gehst und dich fragst, warum die anderen nicht genauso traurig sind wie du. Der Tag danach ist der Tag, an dem du die Menschen nicht ertragen kannst, die sich liebevoll Küssen, die Lachen und sich rege unterhalten. Warum geht es den Menschen nicht so wie dir, warum trauern sie nicht, wo doch gerade ein wundervoller Mensch diese Erde verlassen hat?

Klar, mein Verstand kennt die Antwort. Mein Verstand weiß, dass diese Menschen es gar nicht wissen, dass sie es gar nicht wissen können und das sie, wenn sie es wüssten, nicht so trauern könnten, wie wir, weil sie diesen wundervollen Menschen gar nicht kannten. Aber mein Herz kann das nicht verstehen. Mein Herz will, dass auch diese Menschen traurig sind, mein Herz will, dass auch sie um diesen wundervollen Menschen trauern, um den Menschen, den wir verloren haben. Und mein Herz tut weh, wenn diese Menschen nicht trauern, wenn diese Menschen sich küssen oder wenn diese Menschen einfach so lachen, wo lachen und küssen in dieser Situation doch total unangemessen ist.

Der Tag danach ist der Tag, an dem du verstehst, dass du diesen wundervollen Menschen nie wieder lachen sehen wirst. Der Tag, an dem du begreifst, dass du viel zu wenig Zeit mit diesem Menschen verbracht hast und das du wahrscheinlich auch einen Teil der Schuld daran trägst, dass er diesen Weg gewählt hat. Du begreifst, dass du nie erleben wirst, wie sich dieser Mensch das erste Mal richtig verliebt, wie er Vater wird, wie er sich eine Zukunft aufbaut.

Der Tag danach ist der Tag, an dem du die ganze Zeit mit den Tränen kämpfen musst. An dem dich die Erinnerungen überwältigen, weil du so viele gemeinsame Erlebnisse mit diesem Menschen hast, weil dein Gehirn nicht will, dass zu diesen Erlebnissen keine mehr dazu kommen, weil es will, dass die Zeit zurück gedreht wird, damit du es ändern kannst, damit du ihn abfangen kannst, ihn davon abhalten kannst. Aber der Verstand weiß natürlich auch, dass dieser Entschluss viel länger gereift ist, dass du viel weiter zurück in die Vergangenheit müsstest, um den Weg zu ändern, den dieser geliebte Mensch einschlägt.

Am Tag danach bist du einfach nur hilflos. Du möchtest Dragonball schauen, in der Hoffnung, dass der geliebte Mensch dazu kommt und mit dir zusammen Dragonball schaut. Du möchtest ein Buch kaufen, in der Hoffnung, dass du es dem geliebten Menschen schenken kannst. Aber das ist nicht möglich, er wird mit dir nie wieder Dragonballs schauen, du wirst ihm nie wieder ein Buch schenken können. Und dann kommen die Tränen, sie kommen immer wieder. Sicher, sie vergehen irgendwann, die Trauer wird irgendwann vergehen, der Schmerz wird irgendwann nachlassen, aber die Erinnerungen, die werden bleiben. Die Schönen und die Schmerzlichen. Der Tag danach ist einfach nur scheiße, und die Tage danach werden es auch sein.

Wenn ein Mensch sich entscheidet seinem Leben freiwillig ein Ende zu setzen, muss es schlimm in ihm ausgesehen haben. Nein, das ist nicht Feige, es gibt keine Vorwürfe, die irgendwer diesem Menschen machen kann. Es ist auch keine Wut vorhanden, es ist einfach nur Trauer.

Ich habe gehofft, niemals einen solchen Text schreiben zu müssen. Jetzt muss ich es, einfach um irgendwas zu tun. Ich muss es, weil die Gedanken, die mir seid dem Anruf durch den Kopf gehen, raus müssen. Ein Anruf, der das eigene Leben für immer verändert, es wird nie wieder so sein, wie es vor dem Anruf war. Schon deswegen nicht, weil ein Mensch aus meinem Leben verschwunden ist, einfach so, unerwartet.

Wäre es ein Unfall gewesen oder eine Krankheit, durch die dieser Mensch gestorben wäre, es wäre was anderes. Die Trauer wäre wahrscheinlich dieselbe, aber sie wäre dieselbe auf eine andere Art und Weise. Es war aber kein Unfall, es war ein Selbstmord – so sieht es zumindest derzeit aus. Und ein Selbstmord hinterlässt eine Leere, die andere Arten des Sterbens nicht hinterlassen. Auch die Frage, warum? Eine Frage, die wahrscheinlich nie wirklich beantwortet wird, die aber bleibt und die für Selbstvorwürfe sorgt und wahrscheinlich auch für Vorwürfe an andere.

Nein, ich möchte nicht über Vorwürfe schreiben. Du kannst niemanden Vorwürfe machen, auch dann nicht, wenn du dir die Frage nach dem warum stellst. Das wäre falsch, das würde andere Menschen verletzen und das würde auch die Frage danach aufwerfen, warum du selbst nicht geholfen hast, wenn du diese Probleme gesehen hast. Natürlich machst du dir Gedanken, aber es sind alles nur Spekulationen, es ist nichts greifbares, es ist eine Fragen, die sich vor die Leere stellt, die dich angrinst und die dir dann wieder den Blick auf diese Leere freigibt.

Diese Leere ist sofort da, und sofort ist auch diese Frage da. So war es zumindest bei mir, als ich heute den Anruf bekam, dass sich mein Neffe umgebracht hat.

Ich bin zusammen mit ihm aufgewachsen! Wir haben damals zusammen Dragenballs geschaut, er wusste immer besser Bescheid als ich. Ich habe ihn aus dem Kindergarten abgeholt, war bei seiner Einschulung dabei. Dann der Tag, an dem er von einem Auto angefahren wurde. Zuerst der Schock, dann schnell die Erleichterung, es war nur ein Beinbruch. Nur, denn es war nichts, woran er hätte sterben können. Ich habe ihn aufwachsen sehen und jetzt soll er plötzlich nicht mehr da sein, nur noch sein Körper.

Ich weiß noch, wie er mit einem Marmeladengesicht durch die Wohnung rannte und dabei lachte, wie er mit der Katze spielte – die Anfang des Jahres auch gestorben ist. Wie sie ihn an hüpfte und ihn fangen wollte. Sein lachen, seine Freude. Alles nicht mehr da!

Da war der Tag, an dem er in die Oberstufe kam. Ich sollte ihn damals hinbringen, ich habe ihn auch hingebracht, aber wir sind leider ein paar Minuten zu spät gekommen, weswegen es im Sekretariat gleich erst einmal gemecker gab. Aber er hat die Schule gemacht, hat sein Fachabitur gemacht und war auch im Studium verdammt gut. Ich war so stolz auf ihn und jetzt ist er einfach nicht mehr da!

Keiner wird mir sagen können warum. Warum er freiwillig gegangen ist.

Ja, der Kontakt war in letzter Zeit eher spärlich. Er hatte sein Handy kaum an, sodass er kaum telefonisch erreichbar war. Das letzte Mal habe ich ihn im Januar gesehen, er war bei uns, hat mit uns zusammen Silvester gefeiert. Hätte ich es da sehen können? Hätten wir da schon sehen MÜSSEN, dass er unglücklich ist? Das er mit seinem Leben nicht zufrieden ist?

Da sind sie wieder, diese Fragen. Es wird keine Antworten darauf geben. Was bleibt, ist die Trauer um einen wundervollen Menschen. Einen Menschen, der als Kind soviel Energie und Freude ausgestrahlt hat, von dem ich gedacht habe, dass er es weit im Leben bringt. Jetzt hat er einen anderen Weg eingeschlagen. Ein Weg, der ihn hoffentlich Glücklich macht, wenn es denn nach dem Leben tatsächlich noch etwas geben sollte. Ein Weg, der hier viele Menschen traurig zurück lässt. Sein Weg. Mach’s gut Eric. Solange wir Leben, solange werden wir dich nicht vergessen.

Wenn ich mir so überlege, wie wenig uns die Kinder von armen Menschen wert sind. Ein wenig was über 260,- Euro, damit müssen sie einen ganzen Monat lang versorgt werden. Essen, Trinken, Kleidung, alles muss davon gezahlt werden. Natürlich klappt das, weil es Kleidung aus zweiter Hand gibt und weil ungesundes Essen eben günstig ist, aber so wird schon früh der Grundstein gelegt für die Ausgrenzung der Kinder. Wer keine vernünftige Markenkleidung trägt, wer nicht die finanzielle Möglichkeit hat, am sozialen Leben teilzunehmen, wird von den anderen in der Gruppe nicht akzeptiert. Eine Mitgliedschaft in Vereinen? Für Kinder und Jugendliche aus Hartz4-Familien unmöglich. Vernünftige Förderung von Talenten? Wovon soll diese denn gezahlt werden?

Dem Staat ist es relativ egal, denn die Leistungsträger von Morgen kommen aus anderen gesellschaftlichen Schichten. Warum sollte er daran etwas ändern? Warum sollte er Chancengleichheit schaffen? Wer keine Perspektive hat, braucht nicht darauf hoffen, dass der Staat diese Perspektive schafft. Obwohl gerade Kinder diese Perspektive brauchen! Wozu sollten sie sich in er Schule anstrengen, wenn sie schon früh mitbekommen, dass diese Anstrengung überhaupt nichts bringt? Warum sollten sie Ziele entwickeln? Ziele, die sie eh nicht erreichen können, weil der Staat bei der Förderung versagt, weil er im schlimmsten Fall sogar darauf besteht, dass der Mensch diese Ziele aufgibt, damit er dem Niedriglohnsektor zur Verfügung steht.

Perspektivlosigkeit schafft Gewalt und Hass. Hass auf den anderen, auf das Fremde. Der Staat fördert diese Perspektivlosigkeit, fördert diesen Hass und wundert sich dann, wo dieser Hass und die Wut herkommen, die die jungen Menschen in sich tragen. Dass sie den Zusammenhang nicht sehen, ist nicht verwunderlich, verstecken sich die Politiker doch meist in ihren eigenen Lebensrealitäten, in denen sie sich ihre eigene schöne Welt zusammen bauen. Wer die Realität nicht sieht, braucht sich über seine eigene Verantwortung keine Gedanken zu machen. Wer nicht sieht, dass er Kindern und Jugendlichen die Zukunft verbaut, braucht bei sich nicht die Schuld zu suchen, wenn diese Kinder und Jugendlichen voller Hass durch die Welt laufen. Wenn aus diesen Kindern und Jugendliche junge Erwachsene werden, die ihre eigene Perspektive nur darin sehen, dass Fremde zu bekämpfen, weil sie diesem Fremden die Schuld für ihre eigene Perspektivlosigkeit geben.

Nein, es werden nicht alle Kinder aus Hartz4-Familien so, aber das ist nicht der Verdienst der Gesellschaft, das ist allein der Verdienst der Eltern, die es schaffen, ihren Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Eltern, die es schaffen, dass die Kinder Kind sein dürfen, dass sie spielen können, dass sie Zugang zu einer sozialen Gruppe erhalten. Aber nicht alle Eltern schaffen das! Und wenn der Staat und die Gesellschaft sie nicht wirklich unterstützt, ist das auch nicht verwunderlich. All die Sorgen, die die Eltern haben, färben irgendwann doch auf die Kinder ab.

Anstatt diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen, helfen wir lieber denen, deren Eltern es sich auch ohne staatliche Unterstützung leisten könnten, ihre Kinder zu fördern. Der Vorsprung dieser Familien wird also immer weiter ausgebaut, vollkommen ohne Not.

Das bedeutet jetzt nicht, dass die Förderung von Kindern aus gut verdienenden Familien eingestellt werden soll, es bedeutet nur, dass die Förderung von Kindern aus armen Familien verbessert werden muss. Dazu gehört auch, dass die soziale Teilhabe verbessert wird. Die Mitgliedschaft in einem Verein bezahlt wird, die Teilnahme an Freizeitaktivitäten ermöglicht wird und vieles, vieles mehr.

„Entschuldigen Sie, natürlich finde ich es scheiße das Menschen sich Wohnraum nicht mehr leisten können, aber daran bin doch ich nicht Schuld und nein, es gibt natürlich auch kein Recht darauf, dass sich die Stadt nicht verändert. Schuld ist doch nur der Vermieter und nicht ich, obwohl ich es bin, der die hohen Mieten zahlt und ich auch bereit bin, diese hohen Mieten zu zahlen. Und warum sollte ich den Vermieter an sein soziales Gewissen erinnern? Dafür ist doch die Politik da! Und alle, die dies eben doch tun, tun dies nur aus Eigennutz …“

Nein, das ist natürlich nicht meine Meinung, so liest sich allerdings die Kolumne von Özlem Topcu, welche in der „Zeit“ veröffentlicht wurde. Sie spricht von autoritären und selbstgerechten Protest der linksautonomen Szene gegen die Gentrifizierung. Davon, dass der Zorn die falschen trifft, die Menschen die „hart Arbeiten“, um sich ihr Auto und ihre Wohnung finanzieren zu können. Was bedeutet das? Das die, die mit den steigenden Mieten nicht mehr mithalten können und deswegen aus ihrem sozialen Umfeld vertrieben werden, nicht „hart Arbeiten“? Ist diese Aussage in sich nicht schon wieder selbstgerecht?

Es gibt viele Menschen, die arbeiten genauso hart oder noch sehr viel härter als Frau Topcu, können sich aber die hohen Mieten nicht leisten, geschweige denn von einem Auto. Menschen, die Jahrzehnte in einem Kiez gelebt haben, ihn teilweise mit geprägt haben, ihn zu dem gemacht haben, was er ist und die dann verdrängt werden, weil es andere Menschen gibt, die bereit sind eine bedeutend höhere Miete zu zahlen, um ein Teil von diesem Kiez zu werden, den die Menschen, die verdrängt werden, aufgebaut haben.

Ja, diese Bereitschaft höhere Mieten zu zahlen, ist Teil des Problems. Frau Topcu macht es sich zu einfach, wenn sie fordert, dass die Politik die Vermieter an ihr soziales Gewissen erinnern soll. Frau Topcu selbst muss dies tun! Frau Topcu natürlich nicht allein, sondern alle, die in der Lage sind solch hohe Mieten zu zahlen. Erst wenn die Bereitschaft sinkt, immer höhere Mieten zu zahlen, erst dann wird ein Prozess der Veränderung starten. Die Politik kann natürlich mit dem Zeigefinger auf den Vermieter zeigen, nur den wird es kaum interessieren, solange es Mieter gibt, die bereit sind, noch höhere Mieten zu zahlen.

Frau Topcu vergisst also, dass sie Teil des Problems ist, und als Teil des Problems, bekommt sie natürlich auch den Protest gegen Gentrifizierung zu spüren. Nicht, weil sie „so hart arbeitet“, sondern weil sie bereit ist, so hohe Mieten zu bezahlen. Sie könnte dies aber ändern. Wenn sie bereit wäre, sich mit den Menschen zu solidarisieren, die aus ihrem sozialen Umfeld verdrängt werden sollen. Wenn sie wirklich der Meinung ist, dass etwas gegen diese Verdrängung gemacht werden muss, dann muss sie dies auch Zeigen. Sie wird dann auch sehr schnell verstehen, dass sie nicht zum Gegenstand des Protestes wird, weil sie ein wenig mehr Geld verdient, sondern weil sie eben bereit ist, Menschen zu verdrängen. Der Protest entsteht nicht, weil die Menschen vor Neid schäumen, er entsteht, weil die Menschen ihr zu Hause verlieren, ihr soziales Umfeld. Dies ist Frau Topcu aber anscheinend nicht wirklich bewusst, denn wenn dem so wäre, würde sie nicht versuchen, den Protest durch eine Neiddebatte zu delegitimieren.

Vielleicht sollte sich Frau Topcu einmal darüber Gedanken machen, ob es nicht falsch ist, den Forderungen der Vermieter nachzukommen, nur weil sie es kann. Vielleicht sollte sie sich einmal überlegen, ob sie diese Spirale nicht durchbrechen möchte und kann, indem sie sich eine Grenze bei der Miethöhe setzt und sie eben nicht in den Szene-Bezirk zieht, wenn die Vermieter dort mehr verlangen als sie bereit ist zu bezahlen. Wenn niemand mehr bereit ist, immer höhere Mieten zu zahlen, dann wird der Vermieter sich dem Markt sehr schnell anpassen müssen, was bedeutet, dass er seine Mietpreise nach unten korrigieren muss. Nur so kann der Prozess der Verdrängung durchbrochen werden – die Politik selbst kann da relativ wenig machen.

Donnerstag, kurz nach fünf, noch viel zu früh, um sich mit irgendjemanden zu streiten. Es ist der dritte Tag, an dem ich meinem Auftraggeber erklären muss, dass der Verein immer noch nicht telefonisch erreichbar ist und das auch die Internetleitung noch nicht steht. Dabei hängt das eine vom anderen ab, denn der Telefonanschluss sollte am Dienstag auf Voice over IP umgestellt werden, der nächste heiße Scheiß, so scheint es jedenfalls, wenn du dem Gerede der Telekommunikationsunternehmen glaubst. Allerdings scheint das Umschalten auf diese Technologie gar nicht so einfach zu sein, und so ist der Verein jetzt schon seit Dienstag nicht telefonisch erreichbar. Der Horror! Im schlimmsten Fall gehen Aufträge verloren und somit auch Gelder, kein schöner Gedanke.

Aber ich weiche ab, denn um kurz nach fünf musste ich heute wieder den Support anrufen. Nachdem auch die Internetleitung nicht funktioniert, musste dafür am Mittwoch eine Lösung gefunden werden und diese Lösung war ein Surfstick, der eventuell, wenn etwas Glück im Spiel ist, mit der nächsten Rechnung verrechnet wird. Aber das liegt in der Zukunft, keiner weiß, wie viel Spaß ich bis dahin noch mit dem Support haben werde.
Nein, es geht jetzt noch nicht um die Zukunft, es geht noch um die Vergangenheit, denn nachdem ich am Mittwoch nun diesen Stick gekauft hatte, rief ich erneut beim Support an, denn dieser wollte mit kostenloses Datenvolumen auf den Stick buchen, damit das Unternehmen wieder online ist. Die Bearbeiterin war freundlich, versicherte mir auch, dass sie das Datenvolumen aufgebucht hätte und wünschte mir noch einen schönen Tag.

Heute um kurz nach fünf komme ich dann in das Büro, schalte das Internet ein und bekomme die Nachricht, dass das Datenvolumen bereits aufgebraucht wäre. Wir reden hier von 50 GB. Da das natürlich nicht sein konnte, rief ich also kurz nach fünf beim Support an, einfach um kurz nachzuhören, was da wohl passiert sei. Eigentlich hatte ich vor freundlich zu bleiben, aber wie willst du freundlich bleiben, wenn dir um kurz nach fünf schon eine unfreundliche Dame die Schuld geben will? Schuld an eine Situation, die der Telekommunikationsanbieter verschuldet hat, weil er den Anschluss nicht umgeschaltet sondern stillgelegt hat und die wohl noch ein paar Tage anhält, weil er einen Fehler im System nicht sofort beheben kann, obwohl er ihn selbst produziert hat.

Ich musste mir also anhören, dass wir das Datenvolumen von 50 GB innerhalb von 12 Stunden verbraucht hätten – mit einer Leitung, die maximal 2 Mbit/s hergibt. Schuld daran sollte sein, dass ich den Stick nicht nach jeder E-Mail, die im Büro abgerufen wird, vom Netz getrennt habe. Ich stelle mir gerade vor, wie ich jedes mal das mobile Datennetz meines Smartphones deaktiviere, nachdem ich eine Mail abgerufen habe und schlage in Gedanken meinen Kopf gegen die Wand.

Auf die Idee, dass die Mitarbeiterin, die ich am Tag zuvor in der Leitung hatte, um den Stick mit dem Datenvolumen bestücken zu lassen, einen Fehler gemacht hat, weshalb das Datenvolumen gar nicht gebucht wurde, kam die nette unfreundliche Support-Mitarbeiterin um kurz nach fünf natürlich nicht und ich hatte nicht wirklich die Lust dazu, mit ihr darüber zu diskutieren, nachdem ich, weil der Telefonanschluss im Büro nicht funktionierte, gerade einmal 4 Stunden geschlafen hatte. Ich wollte nicht über eine Leitung diskutieren, die im Büro gerade einmal dazu reicht, um wenigstens die Mails abzurufen und zu beantworten, wenn schon das Telefon nicht funktioniert. Über eine Leitung, die nicht dazu geeignet ist, um sich irgendwo Videos anzusehen, mit der ich gar keine Trafficintensiven Dienste nutzen könnte, die ich bräuchte, um 50 GB Traffic zu erzeugen. Mal davon abgesehen, dass ich hier zu Hause nicht einmal auf 50 GB Traffic im Monat komme, obwohl ich hier Spotify und Youtube regelmäßig nutze und auch mein Linux regelmäßig Updates herunter lädt. Und ich wollte auch nicht unfreundlich werden, nicht so früh am Tag.

Diesen Part übernahm dann mein Auftraggeber, als er später am Tag erneut die Hotline anrief, nachdem der Telekommunikationsanbieter nicht einmal in der Lage war mitzuteilen, ab wann denn der Telefonanschluss wieder funktioniert. Um es noch einmal zu erwähnen, es geht hier nicht um einen privaten Anschluss, es geht um den Anschluss eines Vereins. Hier hängen also auch Existenzen dran, Mitarbeiter, die darauf angewiesen sind, dass die Kommunikation nach außen funktioniert. Und ja, zur Kommunikation eines Vereins oder Unternehmens gehört auch heute ncoch das klassische Telefon, aber eben auch das Internet, weswegen zumindest der Surfstick funktionieren muss.

Es gibt ja so Bücher, die benutzen bestimmte Aussagen und Sprüche, um den Leser zu provozieren. Es gibt aber auch Bücher, die benutzen diese Aussagen und Sprüche viel zu oft, sie wollen wahrscheinlich auch provozieren, aber durch die Häufigkeit der Wiederholung, wird es dann einfach nur noch nervig. Auf „Das Schweigen der Männer“ trifft der zweite Fall zu – jedenfalls bei mir, obwohl ich gerade einmal die Hälfte des Buches gelesen habe.

Dasa Szekely, die Autorin des Buches, möchte den männlichen Leser anscheinend bei der Ehre packen, nein, eigentlich bei den Eiern, denn die werden auf den ersten hundert Seiten sehr oft erwähnt. Der eine Mann hat „zu viele Eier“, der andere Mann „zu wenige Eier“ und den, der genau die „richtige Anzahl von Eiern“ hat, den sucht sie in ihrem Buch. Variiert wird diese Aussage dann noch mit dem Spruch von „kastrierten Männern“.

Ganz ehrlich, wenn das ein, zwei, vielleicht auch drei Mal im Buch vorkommt, dann ist das Okay, dann wird es das Ziel der Provokation erreichen, aber so ist es ja leider nicht. Es wird eher als eine Art Kategorie für Männer genutzt und genau das finde ich schwierig, besonders weil es dazu beiträgt, dass sich Geschlechterrollen weiterhin in der Gesellschaft durchsetzen. Waren es aber nicht genau diese Geschlechterrollen, die wir endlich durchbrechen wollten? Wie soll das gelingen, wenn Dasa Szekely Männer wieder in genau drei Schubladen steckt? Schublade eins für die Männer, die ihrer Meinung nach zu wenig Eier haben, Schublade zwei für die, die zu viele Eier haben und die dritte Schublade für die, die genau richtig viele Eier haben. Was soll diese Kategorisierung? Aber nehmen wir an, dass diese Kategorisierung eine Berechtigung hat, ist diese dann nicht von Mensch zu Mensch individuell und kann sehr stark variieren und werden die Kategorien nicht schon dadurch wieder hinfällig?

Aber Dasa Szekely reicht diese erste Kategorisierung nicht. Sie zeigt auf den folgenden Seiten noch eine andere Beschriftung für die Schubladen, in die Männer gesteckt werden können. Da ist der Old-School-Mann, der Patriarch, der moderne Despot, der ewige Junge, der zahnlose Tiger und der alte Wolf. Die einen haben zu viele Eier, die anderen zu wenige und die, mit der richtigen Anzahl an Eiern, die sucht Dasa Szekely noch.

Fördert dieses Schubladendenken die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Fördert ein solches zuweisen von Rollenbildern die Akzeptanz von Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet fühlen? Menschen, denen bestimmte die Label „männliche Eigenschaft“ oder „weibliche Eigenschaft“ egal sind? Ich vermute, dass wird eher nicht der Fall sein.

Was ist Reife?

 

„Ein reifer Mensch übernimmt Verantwortung für sich selbst, seine ihm Anvertrauten und die Gesellschaft. Es ist weitestgehend autonom in Bezug auf seine Entscheidungen, die auf seinen ethischen Grundsätzen basieren. Seine Werte verleihen ihm die nötige Stabilität, engen ihn aber keineswegs derart ein, dass er sich nicht mehr bewegen kann. Ein reifer Mensch ist insofern gleichermaßen ausreichend stabil und flexibel. Je nach Kontext ist er entweder seiner selbst oder seiner Meinung sicher, bezieht, wenn nötig, Position und reagiert flexibel auf die unterschiedlichsten Gegebenheiten und Situationen.“

Zitat aus dem Buch „Das Schweigen der Männer“ von Dasa Szekely – Seite 41
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Ich stellte oben die Frage, was Reife ist. Dasa Szekely hat eine klare Definition von Reife, diese habe ich euch oben wiedergegeben. Ja, sie hört sich schon ganz Vernünftig an, diese Definition, aber halt, was sind autonome Entscheidungen? Ist es tatsächlich unreif, wenn ich mich mit anderen Menschen berate, bevor ich eine Entscheidung treffe? Es könnte ja schließlich sein, dass sich meine Entscheidung auf andere Menschen auswirkt.

Und sind Werte nicht immer so etwas wie rote Linien, die ein Mensch nicht überschreiten möchte? Sind sie dann nicht schon per Definition einengend? Wäre eine Bewegung nicht auch immer eine Veränderung der eigenen Werte? Und wenn ja, wie können diese Werte, die ständig durch Bewegung verändert werden könnten, Stabilität bieten?

Was ist eigentlich mit älteren Menschen, die auf bestimmte Situationen und Gegebenheiten nicht flexibel reagieren können? Sind die unreif? Und überhaupt, könnte dieses „Flexibel“ nicht sogar dazu führen, dass wir die Stabilität unserer Werte untergraben und wir so unser stabiles Wertegerüst zum einstürzen bringen?

Ich finde diese Definition etwas schwammig, vielleicht will ich sie auch schwammig finden, vielleicht habe ich – durch die ersten 40 Seiten des Buches, schon eine zu große Distanz zum Buch aufgebaut.

Wer waren diese Vorkriegsväter?

 

Die Autorin nimmt auch immer wieder Bezug auf die Vorkriegsväter, gemeint sind also die Männer, die vor dem ersten und zweiten Weltkrieg Kinder erzogen haben. Diese haben den Jungen der Nachkriegsgeneration gefehlt, so ihre Aussage. Soweit gehe ich sogar noch mit, aber warum sollte die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau heute schon weiter sein, wenn diese Väter ihre Söhne hätten erziehen können? Dieser Zusammenhang ergibt sich mir noch nicht. Waren die Männer vor den Kriegen schon weiter in Sachen Gleichberechtigung? Oder hat nicht gerade das fehlen dieser Männer dazu geführt, dass sich die Frauen emanzipieren konnten, weil sie nicht mehr durch das „Familienoberhaupt“ unterdrückt werden konnten? Und was ist mit den Kriegen, die es vor den beiden Weltkriegen gab? Haben die Männer, die in diesen Kriegen gestorben sind, ihren Söhnen nicht auch gefehlt? Und wenn ja, welche Auswirkungen hatte dieses Fehlen auf die Vorkriegsväter?

Ich kann also tatsächlich mit diesem Bezug nicht viel anfangen. Was ich nicht bestreite, ist, dass der Krieg für ALLE die ihn erleben mussten, ein traumatisierendes Erlebnis war, aber das daraus „das Schweigen der Männer“ entstanden sein soll, das wage ich dann doch zu bezweifeln. Besonders fehlt hier der Beweis, dass die Vorkriegsmänner weniger geschwiegen haben.

Natürlich hat Dasa Szekely recht, wenn sie sagt, dass Gleichberechtigung nur dann erreicht werden kann, wenn beide Seiten miteinander reden. Diese Kommunikation wird aber schon durch die Schubladen erschwert, die sie für Männer entwirft. Diese werden nämlich den vielen unterschiedlichen Facetten und Eigenschaften der Menschen nicht gerecht und die Vorkriegswerte, die die Unterdrückung der Frauen über Jahrhunderte gefördert haben, sind auch nicht das, was Jungen oder Männer als Leitbild brauchen – ja, sie brauchen nicht einmal die Rituale, die die westliche Gesellschaft und die Unterdrückung der Frau ebenso gefördert haben.

Dieser Artikel gibt jetzt noch kein vollständiges Bild über das Buch wieder, dieses kann er auch nicht vermitteln, denn ich habe das Buch noch nicht vollständig gelesen. Es ist erst einmal nur eine Aufarbeitung meiner kritischen Gedanken, die – und das möchte ich betonen – noch keineswegs gefestigt sind. Ebenso möchte ich anmerken, dass das Buch durchaus auch Aspekte angesprochen hat, denen ich positiv gegenüber stehe. Einen vollständigen Lesebericht findet ihr dann auf lesensiegut.de.

Abschiede kommen manchmal ziemlich überraschend. Wenn das Haustier stirbt, welches dich 21 Jahre begleitet hat, dann ist das so ein überraschender Abschied. Diesen Abschied musste ich heute leider auch erleben, denn meine nervige Mietzekatze ist heute gestorben.

nervige Mietzekatze

Ich weiß, diese ersten Sätze sind ziemlich holprig, aber wie sollte ein Artikel sonst beginnen, in dem es um einen Abschied geht? Mir fiel tatsächlich nichts besseres ein, aber vielleicht gelingt es mir im weiteren Verlauf des Artikels, noch richtig Abschied zu nehmen.

Eigentlich war es ja gar nicht meine Mietzekatze, da sie aber knapp 20 Jahre bei mir im Haushalt lebte, und sie auch immer wieder zu mir kam, um gestreichelt zu werden oder um zu kämpfen, ist dieser Fakt eher unbedeutend. Sie war halt die Mitbewohnerin, die keine Miete zahlte, die aber bedient werden wollte. Eine Katze halt.

Eine Katze, die zeigte, wenn er etwas nicht gefiel. Und das machte sie so, dass es auch gar nicht übersehen werden konnte. Wenn wir sie mit irgendwas geärgert haben, konnten wir uns sicher sein, dass sie demnächst wieder eine Racheaktion starten wird. Und Rache, dass bedeutete für sie, dass sie auf unsere Kleidung pinkelte. Und das machte sie nicht irgendwie heimlich, das machte sie dann, wenn wir hinsahen.

Und wenn ihr ihr Fressen nicht passte, dann holte sie sich eben welches von uns. Ich sehe es noch vor mir, wie sie sich langsam an den Teller mit den Bratwürsten heran schlich, um sich dort, ganz vorsichtig, mit ihren Pfoten eine Bratwurst zu erbeuten. Mit der Bratwurst im Maul, rannte sie dann ganz schnell durch die Wohnung, um sich mit ihrer Beute irgendwo zu verstecken, wo sie diese dann in Ruhe fressen konnte. Und das machte sie nicht nur mit Bratwürsten, sondern auch mit anderen Lebensmitteln, die sie besser fand, als das Katzenfutter, welches wir ihr hinstellten.

Fressen war bei der nervigen Mietzekatze eh ein Thema für sich. Ich nannte sie auch Magerkatze, weil sie ziemlich auf ihre Figur achtete. Ich hätte ja gerne eine dicke Mietzekatze gehabt, aber dagegen hatte die Mietzekatze etwas. Ich war mit ihr deswegen auch beim Tierarzt, aber der konnte leider nichts feststellen und wahrscheinlich hatte sie auch nix, denn sonst wäre sie nicht 21 Jahre alt geworden.

Ansonsten war sie aber eigentlich gar nicht so nervig. Sie schlief viel, was Mietzkatzen halt so tun. Oder sie schaute aus dem Fenster, war aber zu feige, die Wohnung zu verlassen. Oder sie versteckte sich, oder sie griff uns an, oder sie kam, um gestreichelt zu werden. Eine typische nervige Mietzekatze halt.

In den letzten Monaten ging es dann aber doch ziemlich schnell abwärts mit ihr. Erst erblindete sie, dann fing sie sich noch Flöhe ein, obwohl sie eine reine Hauskatze war und nun ging sie von uns. Wahrscheinlich waren die Flöhe schon ein Zeichen dafür, dass die nervige Mietzekatze nicht mehr wirklich Fit war, aber der Abschied kam heute dann doch ziemlich überraschend.

Nun ist sie, wenn es denn tatsächlich einen Himmel geben sollte, genau dort. Wahrscheinlich gibt es aber gar keinen Himmel und ich möchte jetzt auch nicht anfangen an einen Himmel zu glauben. Viel mehr wird sie irgendwann wieder in neues Leben übergehen. Vielleicht wird sie ja Teil eines Baumes. Wobei, sie war jetzt 21 Jahre lang eine Hauskatze, es wäre doch viel schöner, wenn sie irgendwann als teil eines Vogels durch die Welt reisen könnte.

Terror ist schrecklich! Ich möchte den Terror hier nicht klein reden. Es ist schrecklich, wenn in Belgien Menschen aus dem Leben gerissen werden, es ist schrecklich, wenn im Libanon eine Bombe explodiert, es ist schrecklich, wenn in Frankreich mit Gewehren auf feiernde Menschen geschossen wird, aber unsere derzeitigen Reaktionen werden daran nichts ändern.

Der Terror wird nicht verschwinden, wenn wir das Brandenburger Tor zum zehnten Mal in irgendeiner Landesflagge erstrahlen lassen, er wird nicht verschwinden, wenn wir davon sprechen, dass wir unsere Werte verteidigen müssen und er wird auch nicht durch Demonstrationen oder durch Nationalismus verschwinden.

Wenn wir Terror bekämpfen wollen, dann müssen wir die Ursachen angehen. Wenn wir von Werten sprechen, dann darf das nicht nur meinen, dass wir die ungerechte Verteilung von Vermögen verteidigen wollen. Terror entsteht durch Armut und Gewalt. Gewalt wie Ausbeutung, Bomben und Krieg. Wenn wir den Terror bekämpfen wollen, dann müssen wir gegen Armut kämpfen. Dann müssen wir aufhören andere Menschen auszubeuten, damit im „Westen“ der Wohlstand erhalten werden kann und dann müssen wir aufhören Infrastruktur zu zerstören, was am Ende nur dazu führt, dass die Perspektivlosigkeit der Menschen noch größer wird und damit auch die Armut dieser Menschen.

Sicher wird es immer Menschen geben die nach Macht streben, aber für diese Menschen wird es schwieriger Anhänger zu finden, wenn die Menschen ein gutes Leben führen. Ein gutes Leben bedeutet dabei übrigens nicht, dass jeder eine Yacht hat. Ein gutes Leben bedeutet, dass die Menschen keine Existenzängste mehr haben müssen, dass sie etwas zum Essen haben, wenn sie Hunger haben, dass sie sauberes Wasser haben und noch so Einiges, was im Westen für viele Menschen als selbstverständlich erscheint.

Es kotzt mich so langsam an, wenn in allen Medien sofort die geflüchteten Menschen ins Spiel gebracht werden, sobald es irgendwo wieder zu Terroranschlägen kommt. Es kotzt mich an, wenn Parteien wie die AfD von solchen Terroranschlägen profitieren, weil die linken Parteien es nicht schaffen, über die wirklichen Gründe für Terror – durch die Verwendung von einfachen Bildern – aufzuklären. Genauso kotzt es mich an, wenn dann wieder Mitglieder der Regierung nach der Verschärfung von Sicherheitsgesetzen rufen, wenn sie durch die Vorratsdatenspeicherung weiter die Freiheit der Menschen einschränken wollen, weil sie nicht den Willen haben, die wirklichen Gründe für Terror anzugehen.

Terror ist schrecklich! Ich möchte den Terror nicht klein reden, aber auch der zwanzigste Trauermarsch bringt überhaupt nichts, solange wir nicht bereit sind, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssystem umzubauen. Solange wir auf Terror nur mit Bomben reagieren, wird sich nichts ändern. Genauso wie Abschottung und der Ausbau von Überwachung nichts bringen wird. Nur die gerechte Verteilung von Vermögen, die Bekämpfung von Armut und Hunger und das Schaffen von Perspektiven wird Terror auf lange Sicht bekämpfen können.

Jeder Trauermarsch muss eine Kritik an unser westliches Gesellschaftssystem sein, denn durch unser Handeln tragen wir dazu bei, dass der Terror in dieser Welt entsteht.

Chaotisch, vollkommen ohne Plan über die Buchmesse schlendern. Von Halle zu Halle, ohne Idee, was ich eigentlich entdecken möchte. Internet, um die chaotischen Zustände etwas zu ordnen, gibt es nicht. Oder gibt es vielleicht doch, denn am Eingang stand etwas vom kostenlosen WLAN.

WLAN wäre auch die einzige Möglichkeit, denn das Netz meines Mobilfunkanbieters ist auch an diesem Ort wieder überlastet. Das es hier viele Menschen geben könnte, was bei einer Messe ja durchaus nicht abwegig ist, scheint meinem Mobilfunkanbieter nicht bekannt zu sein, und so wäre WLAN die Rettung gewesen. Doch ich habe absolut keine Ahnung, wie ich an dieses WLAN komme.

Ich habe übrigens auch keine Ahnung, wie ich auf dieser Messe an Geld komme. In Berlin gibt es Geldautomaten auf dem Gelände der Messe, hier gibt es nur eine Sparkasse. Dieser möchte ich aber keinesfalls Gebühren für eine Abhebung bescheren, waren doch die Nachrichten, die ich letztens lesen durfte, nicht wirklich Werbung für dieses Institut. Gewinne von 2 Milliarden sorgen dort dafür, dass die Gebühren für die Kunden erhöht werden müssen.

Es ist nicht mein erster Besuch auf der Buchmesse, um genau zu sein, ist es mein zweiter Besuch. Beim ersten Mal war ich nicht alleine hier, und so habe ich vielleicht gar nicht gemerkt, was die Buchmesse eigentlich mit mir macht, oder ich war von zu vielen Reizen umgeben. Der zweite Besuch jedenfalls macht mich fertig.

Die Buchmesse treibt mich. Der Lärm, die Hektik. All das hat mit Lesen nichts mehr zu tun. Es ist eine Jagd! Entdecken? Fallen lassen? Ist nicht möglich. Der Lärm treibt einen vor sich hin und wer das nicht möchte, der fällt tot um, wie die Meise, die leblos im Wasser im Hof der Messe schwimmt. Ob es zu viel Stress war? Verstehen könnte ich es.

Auf einer Insel habe ich Internet gefunden. Eine WLAN Insel. 1.000 MB für lau, wenn ich meinen Namen und meine Adresse heraus gebe. Ich mache es, ich hoffe immer noch auf Ordnung in meinem Chaos, ich hoffe, dass ich noch die eine Entdeckung mache, dass ich den Grund für diesen Ausflug doch noch finde. 1.000 MB kosten sonst wohl 25,- Euro für 24 Stunden, dass ist es jedenfalls nicht, warum ich zur Buchmesse gefahren bin.

Das Rauschen, welches den Besuch der Buchmesse begleitet, verhindert in mir die Neugierde auf die vielen Bücher, die nur eine Armlänge von mir entfernt stehen. Ich frage mich, warum für so viele Buch- und Literaturblogger die Messen solch wichtige Terme sind. Schaffen diese es wirklich, das Rauschen abzustellen? Schaffen sie es wirklich, die Neugierde auf die Bücher zu wecken? Ich kann es fast gar nicht glauben, ich irre über die Buchmesse, schlendere zum dritten Mal an den Buchständen vorbei, durchquere das vierte Mal die Halle mit der Bloggerlounge, ohne mich hinzusetzen. Ich fühle den Kopfschmerz, der sich langsam in meinem Kopf ausbreitet.

Vielleicht bin ich zu sehr Leser. Vielleicht habe ich eine andere Vorstellung davon, mich einem Buch zu nähern, vielleicht brauche ich die Intimität der Stille, um die Neugierde auf ein Buch aufzubauen. Diese Intimität gibt es hier nicht. Hier werde ich beobachtet, von den Besuchern, von den Standbesitzern, von den Büchern. Ich möchte die Bücher beobachten, ich schaffe es nicht. Sie beobachten mich, beäugen mich, lachen mich von überall an und doch sind sie für mich nicht greifbar, sie interessieren mich nicht. Ich siehe durch die Hallen, suche die Geschichte, die ich in meinem Literaturblog verarbeiten kann – ich finde sie nicht.

Ein heimlicher Besuch in der Nacht könnte die Lösung sein. Allein durch die Hallen der Messen schlendern, sich von den Buchcovern anlächeln lassen, sich verführen lassen, vom Klappentext, der durch das Rauschen soweit entfernt ist. Unerreichbar durch das Desinteresse der Schüler, die nur hier sind, weil die Lehrer es für eine gute Idee halten, nicht aber, um ein gutes Buch zu entdecken. Durch die Hallen schwärmend, um die Zeit zu überbrücken, bis sie wieder nach Hause dürfen.

Es ist spät geworden, 17 Uhr. Die Messe schließt bald, der erste Tag ist fast vorbei. Ich habe nichts! Ich weiß nicht einmal wirklich, warum ich auf der Messe war. Ich habe kein Buch kennen gelernt, habe mich in keine Geschichte verliebt. Ich war auf der Messe, ja, aber eigentlich war ich auch nicht dort. Ich habe eigentlich keine Kraft mehr, eine letzte Runde. Mich spricht ein Mann an, ein Autor, ein Standbetreiber. Wofür ich schreiben, möchte er wissen, ich stottere, kann es dann aber doch in Worte fassen. Ob ich ein Buch von ihm rezensieren möchte? Klar, eine Rettung, wenigstens ein Artikel für meinen Literaturblog. Dankbar nehme ich das Buch an. Ich glaube, er ist auch ein wenig überfordert von der Messe, ich weiß es aber nicht. Ich bin überfordert, kann es aber nicht in Worten fassen. Ich lasse meine Karte da, schreibe noch schnell die Adresse meines Literaturblogs drauf, denn für diesen habe ich keine extra Karte. Ich verschwinde.

Ich lande noch einmal auf der Internetinsel. Ich checke noch einmal meine Mails, schaue noch einmal bei Twitter nach. Die Ordnung, die ich gesucht habe, habe ich nicht gefunden. Die Ordnung konnte ich auch nicht finden. Die Buchmesse lässt keine Ordnung zu, die Buchmesse ist das Chaos, und gegen dieses Chaos komme ich alleine nicht an.

Verwirrt und Verirrt verlasse ich die Buchmesse. Ich steige in die Straßenbahn, lasse mich fort tragen von diesem Ort. Ich könnte nicht erzählen, was ich gesehen habe. Habe ich etwas gesehen? Nicht einmal die Poesie, die es auf der Buchmesse gab, konnte mich festhalten, nicht einmal sie konnte mit Geborgenheit geben. Das Rauschen der Messe trieb mich auch hier fort, die Hektik steckte mich an, ich wollte doch den Grund finden, das Buch, die Geschichte, wegen der ich zur Buchmesse gekommen bin. Ich fand beides nicht. Ich war verloren, verloren auf der Buchmesse.

Wisst ihr, da bin ich in der letzten Woche drei Mal mit dem Rad gefahren. Nur kurze Strecken von maximal 5 Kilometer. Das lohnt sich, denn die Temperaturen sind wieder in einem Bereich, die sogar eine längere Radtour zulassen würden. Nur, weil es ja so schön hätte sein können, also das mit meinem Rad und mir, hatte ich nach der dritten kurzen Tour gleich wieder einen Platten, und das, obwohl ich ein Gel im Schlauch habe, welches genau das verhindern soll. Nun, das beste Gel ist natürlich machtlos, wenn sich der Gegenstand, der das Loch verursacht hat, noch im Mantel befindet und das Loch natürlich immer wieder auf sticht.

Nunja, nun werde ich mir nächste Woche wieder die Zeit nehmen müssen, um den Mantel vom Rad zu machen, den Gegenstand zu suchen, der das Loch verursacht und diesen dann zu entfernen. Danach werde ich dann wohl so ein Band aus Plastik in den Mantel legen, welches das Eindringen von spitzen Gegenständen verhindert.

Leute, ich sage euch, Radfahren in Berlin macht nur dann Spaß, wenn deine Räder nicht den Boden berühren …