Svens kleiner Blog

Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm, nicht wegen Aufmerksamkeit sondern einfach nur so ;-)

Gestern hat Melvenue in ihrem Blog einen anderen Blog vorgestellt. Der erste Artikel, den ich dort gelesen habe, war „Depression durch Hartz4“. Ich konnte nur noch den Kopf schütteln, nicht über die Autorin, welche ja nur schreibt, was sie fühlt und erlebt. Vielmehr über die Medien, die genau ein solches Bild immer wieder vermitteln. Sind wir doch einmal ehrlich, wann sehen wir im Fernsehen wirklich einmal Hartz4-Empfänger die Arbeiten wollen, wann sehen wir die, die sich nicht aufgegeben haben und ehrenamtlich in einem Verein mitarbeiten, damit sie sich wenigstens noch ein wenig als Teil dieser Gesellschaft fühlen? Wir sehen diese Menschen nicht, denn das Fernsehen will Quote machen, andere Medien natürlich auch. Und so nutzt man eben die Vorurteile die die breite Gesellschaftsschicht hat und macht daraus dann ein Programm, was die Vorurteile noch mehr nährt und die Distanz immer größer werden lässt, welche zwischen den einzelnen Gruppen der Bevölkerung besteht.

Ich kann Linny verstehen, wenn sie schreibt, dass sie für Hartz4-Empfänger kein Mitleid empfinden kann, dass sie selbst auch Zukunftsängste hat, dass sie soviel Einsatz zeigen muss, damit sie ihre Arbeit behält. Aber auf der anderen Seite sollte Linny auch die Arbeitslosen verstehen, die Menschen also die wirklich Arbeiten wollen, nicht die, die sich durch unser Sozialsystem schmarotzen. Es gibt sie nämlich, die Schmarotzer, da stimme ich Linny gerne zu, aber es sind die wenigsten, es sind eben genau die, die wir im Fernsehen sehen, damit die ihre Quote machen können. Und nein Kalliey, es sind nicht mehr als 10 Prozent, es sind deutlich weniger.

Die meisten Arbeitslosen bekommen einfach keine Arbeit mehr, sie sind entweder zu alt, nicht gut genug qualifiziert oder entsprechen eben irgendwelchen anderen Ansprüchen nicht, welche die Arbeitswelt an sie stellt. Dies Menschen wollen Arbeiten, sie wollen auch ein Teil der Gesellschaft sein, wollen dazu beitragen, dass es dem Staat besser geht – das Problem ist eben nur, dass sie nicht teilnehmen dürfen. Die Wirtschaft sagt, ihr seid nicht qualifiziert genug, ihr seid zu Alt, ihr passt nicht in das Bild der Unternehmen. Und dann kann ich verstehen, dass diese Menschen irgendwann in Depressionen verfallen. Irgendwann haben sie eben keine Hoffnung mehr, wie auch, wenn 500 Bewerbungen und mehr zu überhaupt keinen Erfolg geführt haben. Die einen Jammern dann, die anderen suchen ihren Halt im Alkohol und in Feiern, viele aber geben nicht auf, sie kämpfen weiter und versuchen alles, um wieder ein Teil der Gesellschaft zu sein.

Und dann kann ich eben nicht sagen „Arsch hoch“, weil das machen die Menschen ja. Nein, dann muss ich eben doch Mitleid mit denen haben, denn sie dürfen nicht Teil unserer Gesellschaft sein, sie dürfen nicht Arbeiten gehen und sie dürfen nicht ihr eigenes Geld verdienen. Sie dürfen also nicht stolz auf sich sein.

Das wird aber in den Sendungen nicht gezeigt, es wird nicht darauf hingewiesen, dass vielen die Teilnahme an unserer Gesellschaft verwehrt bleibt.

Dass man auch als Arbeitnehmer seine Probleme hat, dafür kann der Arbeitslose nicht wirklich was. Er geht nicht zu eurem Chef und sagt dem „Hey ärgere Mal die Linny“. Nein, für das Leid der meisten Arbeitslosen ist genau derselbe Bereich verantwortlich, der auch den Arbeitnehmern diese Probleme macht. Es sind nicht die Arbeitslosen die damit drohen euch die Arbeit wegzunehmen, wenn ihr nicht 120 Prozent an Leistung bringt, es sind auch nicht die Arbeitslosen, die euch keine Gehaltserhöhungen geben, welche wenigstens die Inflation ausgleichen würde. Das sind alles die Arbeitgeber, die Wirtschaft also, die immer mehr Profite einfahren möchte und dem der Faktor Arbeit dabei nämlich am meisten stört. Aber die Wirtschaft kann dafür auch nichts, denn es gibt ja etwas, was viel höher steht als die Wirtschaft, und zwar das Gesellschaftssystem. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form nämlich. Der ist es, der uns diese Probleme bringt, den Arbeitslosen genauso, wie den Arbeitnehmern und zum Teil auch den Arbeitgebern.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass man sich doch bitte nicht immer die Arbeitslosen als Feindbild nehmen sollte. Die Menschen, die wirklich nicht arbeiten wollen, die sind in der Unterzahl und Schwarze Schafe gab es ja nun einmal schon immer und es wird sie auch immer geben.




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12 Comments

  1. Melvenue (20 comments)
    15:27 on Januar 12th, 2011

    Natürlich gibt es genug Hartz IV Empfänger die arbeiten wollen, es aber auf Grund von verschiedensten Umständen nicht können. Ist dir aber mal aufgefallen, dass das die Hartz IV Empfänger sind, die am wenigsten jammern? Die sind nämlich froh, dass sie überhaupt was bekommen und versuchen mit allen Mitteln hier und da noch einen Cent zusätzlich zu machen.

    Die die den ganzen Tag jammern, dass sind die die keinen Bock haben und zu faul sind sich morgens die Schuhe zu binden um an den briefkasten zu gehen und die Zeitung nach Stellenanzeigen zu durchforsten.

    Und ich vertraue hierbei nicht auf die Medien, sondern auf meine eigenen Erfahrungen die ich im Umgang mit Menschen mache. Hartz IV empfangen, jammern aber das neuste iPhone besitzen und regelmäßig ins Kino und essen gehen.

    Und genau das sind die Menschen, über die sich eine Linny, ein Kalliey oder auch ich schon in diversen Beiträgen beschweren.

  2. Melvenue (20 comments)
    15:31 on Januar 12th, 2011

    Aber schön, dass du dich getraut hast mal über etwas politisches zu schreiben…. dein Bruder wird stolz auf dich sein 😉

  3. Teufel100 (673 comments)
    15:32 on Januar 12th, 2011

    Ja, aber das ist doch genau das was ich geschrieben habe. Die die Jammern und Quote bringen sind im Fernsehen. Aber es sind eben nicht mehr als 10 Prozent, so wie Kalliey es in einem Kommentar bei Linny geschrieben hat. Es sind sehr viel weniger, es kommt einem aber so viel vor, weil man sie im Fernsehen sieht. Gehen wir mal von 10 Prozent aus und von 3 Millionen Arbeitslosen, dann wären es 300.000 die nicht Arbeiten wollen und die Jammern. Das ist eine ganze Menge, aber es sind eben 2,7 Millionen die Arbeiten wollen und die nicht Jammern, die dann lieber ehrenamtlich in einem Verein arbeiten oder sonst wie versuchen, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Nur von denen hört man zu wenig, die werden nicht erwähnt und die können das negative Bild der Hartz4-Empfänger eben nicht aufbessern.

  4. Kalliey® (6 comments)
    17:05 on Januar 12th, 2011

    Guter Beitrag. Ich bleibe trotzdem bei meiner Aussage. Habe da schon zu viel LIVE gesehen um mich von meiner Meinung abbringen zu lassen. TV schau ich schon nicht mehr. da kann ich mich auch vor die nächste ARGE stellen, da erlebe ich das Gleiche live, was ich im TV sehen könnte.

  5. Kaddi (38 comments)
    18:31 on Januar 12th, 2011

    Hallöchen, ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass die Hartz IV Empfänger bemitleidet werden-im Gegenteil: sie werden zur Schau gestellt, dass man über sie lachen kann. Die wenigsten können auch nur einen Satz grammatikalisch richtig formulieren, sie stehen genau für das Klischee arbeitsloser Hartz IV Empfänger, der sich aber bombig in seinen Rechten auskennt.
    Aber man braucht nicht unbedingt gut rechnen können, wenn man die Menge der Arbeitslosen den zur Verfügung stehenden Jobs gegenüberstellt. Und da kann man sich dann erregen wie man will, es ist ganz klar, dass da eine Menge Menschen von der Allgemeinheit mitgetragen werden muss.
    Auch reden wir über einen großen Teil von Aufstockern, die in ihren Jobs gnadenlos ausgebeutet werden und dann einfach Hartz IV beantragen müssen. Allein bei uns im Havelland arbeiten über 40 Prozent im Niedriglohnbereich. Und ich erwähne das, weil auch das ein typisches Bild auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist und es dann ganz klar ist, dass so manch einer diesen Kampf einfach nicht kämpfen möchte.
    Ihr seid sauer, weil die IPhones haben? Das ist mir herzlich egal, denn ich bedaure sie dafür, dass diese Menschen nicht selbst etwas schaffen möchten und eben auch teilweise nicht können, Träume haben, sie leben in ständiger Abhängigkeit und Durchleuchtung. Das braucht niemanden zu ärgern. Tretet nicht nach unten-kuckt was oben passiert. Da haben die Gaunereien nur schickere Anzüge. LG Kaddi

  6. Linny (1 comments)
    18:35 on Januar 12th, 2011

    Danke für Deinen Kommi.

    Jeder hat doch seine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema und diesen Leuten gemacht. Mein Artikel ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wie ich immer wieder erwähne, möchte ich auch nicht ALLE über einen Kamm scheren. Sicher gibt es Ausnahmen, die unbeabsichtig in die Arbeitslosigkeit rutschen und damit auch irgendwie ins Abseits. Ich gebe Dir auch recht, das die Gesellschaft ihren großen Anteil an diesem Eklat haben, aber wie kann man sich als Hartz4 Empfänger ins Fernsehen setzen und sich dann so selbst noch mehr ins Aus schießen? Auch sehe ich in meinem Umfeld genug solcher Schmarotzer. Kinder von Hartz4 Empfängern rennen in der Schule mit nem iPhone rum, in der 1.Klasse und die Eltern saufen sich regelmäßig die Hucke voll. Aber es geht mir in den Medien einfach auf den Wecker, dass immer die Hartz4 Empfänger bedauert und bemitleidet werden und der brave Arbeiter, der teilweise weniger verdient, ist der Dumme und wird gar nicht erwähnt. Ist schon nervig von den Medien. 😉

  7. Melvenue (20 comments)
    20:56 on Januar 12th, 2011

    DIe 3 Millionen Arbeitslosen gehören lediglich zu der Statistik die auf der Agentur für Arbeit geführt werden und Arbeitslosengeld 1 beziehen. Hinzu kommen dann noch die die Arbeitslosengeld 2 beziehen und in der Statistik der JobKomm geführt werden. Das sind dann all together 9,5 Millionen. Da ziehen wir jetzt mal die 20% ab, die Aufstocken, dann sind wir aber immer noch bei knapp 8 Millionen Menschen ohne Arbeit.

    Wenn du die wahre Welt sehen willst, wie es tatsächlich abläuft, dann setze dich mal einen Tag aufs Arbeitsamt oder in die JobKomm, da siehst du was abgeht und kommst von ganz alleine darauf dass wir von weitaus mehr als 10% Arbeitsunwilliger sprechen. Ich kenne jemand der auf der JobKomm arbeitet als Sachbearbeiter, was der erzählt ist unglaublich und die nackte Wahrheit. Da ist das was man in der Klotze sieht als noch ziemlich harmlos dagegen.

  8. Teufel100 (673 comments)
    21:18 on Januar 12th, 2011

    Hach Melvenue,

    ich selbst musste auch schon zum Arbeitsamt und ich weiß was dort für Menschen rumlaufen. Es sind eben nicht mehr als 10 Prozent Arbeitsunwillig. Das Problem ist, dass man die Leute, die wirklich arbeiten wollen, nicht wirklich wahrnimmt. Es sind immer die Arbeitsunwilligen die Auffallen, was bei 8 Millionen Menschen, wenn wir von 10 Prozent ausgehen, ja auch schon 800.000 Menschen sind. Die Menschen, die wirklich arbeiten wollen, werden solange wie möglich verheimlichen, dass sie Hartz 4 bzw. Arbeitslosengeld 1 bekommen. Du erkennst die Menschen also gar nicht.
    Das heißt, du siehst nur die Arbeitsunwilligen, die damit angeben das sie Hartz 4 bekommen und das sie doch gar nicht arbeiten müssen. Aber das sind nicht mehr als die 800.000, also die 10 Prozent.
    Ansonsten kann ich mich Kaddi anschließen, für die restlichen 7,2 Millionen Menschen sind leider nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden. Du kannst sie jetzt alle in 1-Euro Jobs stecken, aber dann passiert folgendes. Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt gehen verloren, weil die Arbeitgeber gar nicht mit den 1-Euro-Unternehmen in den Wettbewerb treten können. Man würde also damit mehr kaputt machen, als man für die Gesellschaft erreichen kann.
    Bevor man also über Arbeitslose meckert, sollte man erst einmal die Arbeitsplätze schaffen und das wird immer noch nicht gemacht.

  9. Kaddi (38 comments)
    21:22 on Januar 12th, 2011

    Also ich habe auch schon oft genug auf dem Arbeitsamt gesessen und die wahre Welt ist kein Abziehbild von Sachbearbeitern. Ich weiß, was manche kämpfen müssen, was für Drecksjobs sie machen müssen, machten. Und deshalb sage ich, kein Wunder, dass sich so viele verweigern.
    Und was mir nicht alles erzählt wurde von den netten Sachbearbeitern. Man glaubte, die Jobs lägen nur so auf der Strasse. Aber wir wissen doch alle, dass es nicht so ist. Verdrehung der Tatsachen bzw. Fokussierung auf eine mindere Masse (auch 10 Prozent arbeitsunwilliger können nicht repräsentabel sein), nur um nicht die wirklichen Probleme mal durchzukauen.
    LG Kaddi

  10. Dieter (2 comments)
    14:33 on Januar 16th, 2011

    Hallo, vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich bin selber arbeitssuchend und 51 Jahre alt. Schreibe viele Bewerbungen und wenn ich viel Glück habe, dann meldet sich die angeschriebene Firma bei mir, meistens mit einer Absage. Und wenn ich dann schon einmal mit viel Glück ein Vorstellungsgespräch bekomme und die Leute sehen, dass ich halt alt oder älter bin als sie selber, dann behandelt man mich zwar freundlich, aber was sie denken, kann man in ihrem Gebaren meist schon ablesen. Es findet sich immer ein Grund, warum sie mich nicht einstellen können, auch wenn meine Qualifikation vorhanden ist.

  11. Ghost (35 comments)
    16:46 on Januar 17th, 2011

    ICH WAR AUF HARZ 4!!!! – Und ich habe mich erst im letzten Jahr deswegen selber in eine psychologische Einrichtung begeben.

    Mir haben diese Vorurteile… von wegen faul und arbeitsscheu… so langsam aber sicher den Mut, die Motivation und zum Schluss sogar den Lebensmut genommen.
    Nach meiner Therapie bin ich nun Leiharbeiter… finanziell stehe ich nicht besser, aber ich brauche mich nicht mehr als arbeitsscheu bezeichnen zu lassen…

  12. Juhasz (1 comments)
    15:10 on Dezember 12th, 2011

    Gibt es noch diese 1 EUR Jobs? Die Menschen wird die Chance nicht gegeben. 1 EUR für Pflücken zbs. Wie erniedrigend. Ich bin inzwischen in Ungarn (Heimat)aber hier ist es nicht besser. Habe gut bezahlte Jobs gehabt und dann wurde auf die Str. gesetzt. Arbeitslosen geld??? Denkste 3 Monate je 300 EUR und das wars. Habe aber das 10 Fache an d Staat gezahlt.

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