Oktober 31 2010

Der Haselnussbaum

Es war einmal ein Haselnussbaum. Dieser stand viele Jahrzehnte an ein und derselben Stelle. Er erlebte, wie Straßen und Gehwege erbaut wurden. Er erlebte den Krach, welchen die Menschen machten und sah den Müll, der achtlos auf sein kleines Grundstück geworfen wurde.

Eines Tages entschloss sich der Baum, sich zu wehren. Er wollte nicht mehr den Krach erleben, nicht mehr den Müll ertragen und auch keine Autos mehr sehen. So begann er, es muss gerade Herbst gewesen sein, die Menschen mit seinen Haselnüssen zu bewerfen. Er wartete darauf, bis die Menschen unter ihm waren, und warf dann gezielt seine Haselnüsse ab. In den meisten Fällen traf er die Menschen, welche sich dann erschrocken nach oben wanden, kurz mit dem Kopf schüttelten und weiter gingen.

Mit der Zeit gingen immer weniger Menschen unter den Baum entlang. Sie machten einen großen Bogen und warfen keinen Müll mehr unter den Baum. Auch Autofahrer mieden den Baum. Dann kam der Tag, an welchem der Baum durch ein rot-weißes Absperrband von den Menschen abgetrennt wurde und der Baum feierte seinen Sieg. Er war sich sicher, dass ihn die Menschen jetzt in Ruhe lassen würden.

Doch der Baum irrte! Seine Ruhe hielt nur ein paar Wochen an, bis eines Tages ein großes Auto kam, aus welchem Menschen ausstiegen, welche einen Helm auf dem Kopf hatten. Diese Menschen hatten auch ein Gerät mit, welches ziemlich viel Krach machte und einen Gestank von sich gab, den der Baum überhaupt nicht vertragen konnte. Deshalb fing der Baum wieder an, mit Haselnüssen zu werfen. Viele hatte er zwar nicht mehr, da er in den letzten Wochen schon zu viele verbraucht hatte, aber mit dem Rest hoffte er, die Menschen wieder vertreiben zu können. Doch die Attacken halfen nichts, die Haselnüsse trafen die Menschen zwar am Kopf, aber es störte sie nicht, da sie vom Helm geschützt wurden.

Die Menschen gingen mit dem Gerät, welches sie Motorsäge nannten, immer näher an seinem Stamm heran. Als sie den Stamm berührten, fühlte der Baum nur noch Schmerz. Sie drangen immer tiefer in ihn ein, bis er am Ende fiel. Die anderen Bäume in der Straße versuchten noch ihn zu retten, doch als sie sahen, was mit dem Baum geschah, stellten sie ihren Widerstand ein.

Der Haselnussbaum konnte sich nun auch nicht mehr wehren, er nahm sein Schicksal hin und starb langsam, als er von einem noch größeren Auto abtransportiert wurde.

Seit diesem Tag traute sich kein Baum mehr, Widerstand zu leisten. Sie nahmen alles hin, was der Mensch mit ihnen machte, auch wenn es hieß, dass der ein oder andere von ihnen starb.



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Veröffentlicht31. Oktober 2010 von Sven in Kategorie "Kurzgeschichten", "Schreiben lernen

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